Erschüttertes Vertrauen ins Geld
(30. September 2008/idea) – Ihr Glaube an das Geld ist schwer erschüttert - jetzt suchen viele Börsianer der New Yorker Wall Street Zuflucht bei Gott. Kirchen und Synagogen in der Nähe des Finanzzentrums haben zunehmend Zulauf von Aktienhändlern, wie das Institut für Religion und Politik (Washington) berichtet.
„Die Finanzkrise erinnert uns daran, dass wir unser Vertrauen nicht in das Geld und den Reichtum setzen können“, sagt Pfarrer Mark Bozzuti-Jones von der Dreifaltigkeitskirche an der Wall Street.
In wachsender Zahl suchen Börsianer die Mittagsandachten der anglikanischen Kirche auf. Für den Pfarrer kommt das wenig überraschend. Viele wüssten angesichts der fortwährenden Hiobsbotschaften nicht, ob sie morgen noch Arbeit haben. „Sie sitzen da, weinen und sehen sehr erschöpft aus“, so der Geistliche. Er habe auch schon Bitten erhalten, die Miete für arbeitslos gewordene Banker zu bezahlen. Die Kirche bietet in den kommenden Wochen Seminare zum Umgang mit persönlichen Krisenzeiten an.
Pfarrer Peter Madigan von der nahe gelegenen katholischen Petruskirche macht ähnliche Erfahrungen. „Angst und Zittern“ habe er unter der zunehmenden Zahl von Kirchgängern in Geschäftsanzügen wahrgenommen. Der Glaube helfe ihnen offenbar, mit ungewohnten schwierigen Situationen umzugehen.
Die Synagoge an der Wall Street öffnet ab sofort auch abends ihre Pforten. Laut Rabbiner Meyer Hager kommen zunehmend Banker in das Gotteshaus – viele mit Sorgenfalten im Gesicht. Eine etwa einen Kilometer von der Wall Street entfernte Moschee gab gegenüber dem Institut keine Auskunft über Änderungen bei den Besuchern.
Der Finanzberater Lou Janicek sagte, die Wall Street würde davon profitieren, wenn mehr Menschen die ethischen Grundsätze ihrer Religion am Arbeitsplatz umsetzen würden.
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