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Finanzexperte: Mammon lullt Menschen ein

(17. Oktober 2008/idea) – Angesichts der internationalen Finanzkrise hat ein pietistischer Finanzexperte dazu aufgerufen, in christlichen Kreisen mehr über den Umgang mit Geld zu reden.

 „Wir Christen haben viel zu lange über Geld geschwiegen“, sagte der Finanzchef der Pilgermission St. Chrischona, Attilio Cibien (Bettingen bei Basel), in einem Interview mit der Zeitschrift „Chrischona Panorama“. Man müsse über dieses Thema sprechen, weil hinter dem Geld eine Macht stecke: „der Geist Mammon“. Die Menschen würden von ihm eingelullt mit Wünschen. „Je mehr Mammon uns gefangen nimmt, desto abhängiger sind wir von ihm“, so Cibien.

Im Blick auf das Sprichwort „Mit Geld kannst du alles kaufen“ sagte er: „Das Reich Gottes kannst du nicht kaufen. Geld ist etwas, was wir Menschen gemacht haben; das hat mit Gott nichts zu tun.“ Geld unterliege weltlichen Regeln: „Gott kennt Vergebung, eine Bank nicht.“ In den letzten Jahren seien Christen recht leichtfertig mit Geld umgegangen: „Wir kommen aus dem Reich Gottes, leihen Geld in der Welt, aber kennen die Spielregeln des Weltwirtschaftssystems zu wenig.“ 

Im "Chrischona Panorama" äussern sich auch Dozenten des Theologischen Seminars St. Chrischona zum Thema Finanzen. Nach den Worten von Andreas Loos, der Systematische Theologie lehrt, ist Geld in der Theologie kein populäres Thema. Dies liege vielleicht daran, dass das Geld eine zweifelhafte Errungenschaft sei. Loos ist überzeugt: „So wie die Theologie eine solide Lehre von der Sünde hat, sollte sie auch eine solide Lehre von Reichtum, Vermögen und Geld haben.“ Kritisch äussert sich Loos zur nordamerikanischen Verbindung von Evangelikalismus und Kapitalismus. Dort blicke man zu einseitig auf das Alte Testament und gehe wie selbstverständlich davon aus: „Wenn wir Gott gehorsam sind, dann fließt auch der materielle Segen.“ Dieses Wohlstandsevangelium treibe eigenartige Blüten. 

Der Dozent für Gemeindepädagogik, Raymond Timm, sagte, Christen in Gemeinden gäben in der Regel relativ viel Geld, jedoch zersplittert an zu viele Adressen. Es sei sinnvoller, die Spenden auf wenige Empfänger zu konzentrieren. Dadurch wachse auch die Anteilnahme an deren Arbeit. Im Blick auf die alttestamentliche Forderung, den „Zehnten“ von den Erträgen zu geben, sagte Timm: „Reitet nicht so sehr auf den zehn Prozent herum! Man darf weniger, aber auch mehr geben. Gott gehört schliesslich das Ganze.“

Die Pilgermission St. Chrischona ist einer der grössten pietistischen Verbände im deutschsprachigen Europa. Sie umfasst 184 Gemeinden in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und im südlichen Afrika. In ihnen versammeln sich rund 25.000 Mitglieder und regelmässige Besucher.



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