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Spinne mit Radantrieb in der Sahara entdeckt

(11. November 2008/fa.) - Professor Ingo Rechenberg von der Technischen Universität Berlin staunte nicht schlecht, als ihm in der Sahara eine Spinne begegnete, die sich rollend, mit den Beinen angetrieben, fortbewegt. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um eine bislang unbekannte Spinnenart.

Professor Ingo Rechenberg ist Ingenieur im Fachgebiet Bionik und sucht Mechanismen in der Natur, die sich als Vorbild für technische Anwendungen eignen. Die bislang unbekannte Spinnenart entdeckte er während eines sechswöchigen Forschungsaufenthaltes in der Sahara.

Die Art und Weise wie sich diese Spinne fortbewegt hat man bislang nur bei der Goldenen Radspinne (Carparachne aureoflava) beobachtet, die im Südwesten Afrikas in der Namib-Wüste beheimatet ist.
"Bereits vor vier Jahren habe ich das Tier zum ersten Mal gesehen, als ich nachts mein Wüstenlager gerade fertig aufgeschlagen hatte", berichtet Rechenberg.

Er fing die ihm unbekannte Spinne ein, um sie genauer zu begutachten. Doch am kommenden Morgen zeigte sich die Nachtspinne wenig kooperativ. Aber Rechenberg glaubte zu erkennen, dass die ermattete Spinne versuchte, ihre acht langen Beine zu einem Rad zu formen um davon zu rollen.

Aber im Gegensatz zur südafrikanischen Spinne, die nur passiv eine Düne hinunterkullert, konnte diese Spinne durch Beinarbeit ihr Rollen beschleunigen. Ein Anruf beim Bionik-Kollegen Prof. Werner Nachtigall bestätigte seine Vermutung, eventuell einen sensationellen Fund gemacht zu haben. Eine rollende Spinne mit Beinantrieb ist in der Sahara bislang unbekannt.

Leider starb die Spinne und wurde von einem Skorpion verspeist. Ohne einen in Alkohol konservierten Beweis wäre Rechenbergs Entdeckung wissenschaftlich gesehen wertlos gewesen.

Erst in diesem Jahr lief ihm das nachtaktive Krabbeltier wieder vor die Füße. Der Professor und sein Mitarbeiter Abdulah Regabi El Khyari glaubten ihren Augen nicht zu trauen: Die Spinne faltet ihre Beine zu einem Rad und rollt schnurstracks davon.

Es gelang Rechenberg, in anstrengenden Nachtwanderungen zwei weitere "Roll-Spinnen" zu fangen. Eine Spinne wurde in Alkohol konserviert, die andere kam lebend mit nach Berlin. Spinnenexperte Peter Jäger am Senckenberg-Institut konnte das konservierte Exemplar als Männchen der Gattung Cebrennus zuordnen. "Ob es sich tatsächlich um eine neue Art handelt, kann man zweifelsfrei erst nach der Untersuchung eines weiblichen Tieres der gleichen Art feststellen", erläutert Rechenberg.

Ob die zweite, bei ihm zuhause lebende Spinne tatsächlich weiblich ist, weiss Rechenberg noch nicht. Zumindest hat er sie optimistisch "Ariadne" getauft.

Seit 25 Jahren reist Professor Ingo Rechenberg in die Wüste. Im Süden Marokkos, nahe der algerischen Grenze, schlägt der eingefleischte Sahara-Fan sein Lager auf und beobachtet die Tiere der Wüste. "Für uns Bioniker sind extreme Landschaften deshalb interessant, weil wir dort Lebewesen finden, die sich auf eine besondere Art und Weise an schwierige Lebensbedingungen anpassen müssen", sagt er.

Im Erg Chebbi bei Rissani ist der Professor aus Berlin inzwischen als Monsieur Sandfisch bekannt. Seine Beobachtungen an den schlüpfrigen Echsen, die wie durch den Dünensand zu tauchen scheinen, haben bereits für spannende Erkenntnisse für die Forschung an besonders reibungsarmen Oberflächen gesorgt.

Dass die Spinne, die möglicherweise bald seinen Namen trägt ("Cebrennus rechenbergii") auf ebenem Untergrund rollen und auch laufen kann, fasziniert den Wissenschaftler. "Auf einem geeigneten Untergrund ist Rollen deutlich Energie sparender als Laufen", sagt der Ingenieur. Und hofft nun auf Inspiration für ein Vehikel, das sich sowohl laufend als auch fahrend fortbewegen kann.

"So ein System zu entwickeln, wäre zum Beispiel für eine Marsmission interessant" sagt er. Bis ein solches Konstrukt tatsächlich gebaut wird, wird noch viel Zeit vergehen. Warum das Tier vermutlich bislang unentdeckt blieb, ist für Rechenberg dagegen schnell zu erklären: "Wer rennt schon nachts um 3 Uhr mit einem Handscheinwerfer durch die Sahara?"



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