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Risiko: Zu wenig Pflege in deutschen Kliniken

(19. November 2008/fa) – Internationales Schlusslicht: Fachleute bezeichnen die Unterversorgung deutscher Klinikpatienten mit Pflegepersonal als dramatisch. Sie gefährdet die Sicherheit der Patienten. In Ländern wie der Schweiz, Frankreich, Österreich oder den USA ist die Situation wesentlich besser.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Fachhochschule Hannover (FHH). Sie wurde von der Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales - unter Leitung von Professor Michael Simon erstellt. 

Obwohl die Zahl der Krankenhauspatienten seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt, wurden seit Mitte der 1990er Jahre in erheblichem Umfang Stellen im Pflegedienst der Krankenhäuser abgebaut. Immer weniger Pflegekräfte stehen einer steigenden Zahl an Patienten in deutschen Spitälern gegenüber.

Durch Überlastung der Pflegekräfte bleibt nicht nur weniger Zeit für menschliche Zuwendung. Wie der Autor der Studie, der Gesundheitswissenschaftler Professor Michael Simon, betont, belegen zahlreiche internationale Studien, dass eine Unterbesetzung im Pflegedienst das Risiko für Krankenhauspatienten erhöht, eine schwere Komplikation zu erleiden und daran unter Umständen sogar zu sterben.

Professor Michael Simon kam in einer Modellrechnung zu dem Ergebnis, dass angesichts der gestiegenen Leistungszahlen gegenwärtig ca. 70.000 mehr Pflegekräfte in Krankenhäusern erforderlich wären, um wenigsten wieder den Versorgungsstandard zu erreichen, der Mitte der 1990er bestand.

Aber sogar wenn das geschehen würde, wäre die Situation in Deutschland noch immer wesentlich schlechter als in anderen entwickelten Ländern. Im internationalen Vergleich zeigt sich das Ausmass der Unterbesetzung der deutschen Kliniken sehr deutlich. So liegt laut OECD die Zahl des Krankenhauspersonals je 1.000 Einwohner in Finnland, Frankreich, Irland, Österreich, der Schweiz und den USA um 50 bis 60% über der in Deutschland.

Würde man diese Relationen auf den Pflegedienst übertragen, müssten in deutschen Krankenhäusern ca. 150.000 zusätzliche Stellen in der Pflege eingerichtet werden. Das gegenwärtig von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Programm zur Finanzierung von 21.000 zusätzlichen Stellen im Pflegedienst der Krankenhäuser ist darum nach Auffassung von Professor Simon nicht ausreichend.

Auch wenn dieses Programm umgesetzt werden sollte, wäre die Situation in Deutschland immer noch sehr unbefriedigend und wesentlich schlechter als in vergleichbaren Ländern.



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