Kyoto-Protokoll und Biosprit zerstören Regenwald
(05. Dezember 2008/tl.) – Der Handel mit Biosprit boomt, weil die Industrieländer den Anbau subventionieren. Biosprit schadet der Umwelt, weil dafür in gigantischem Ausmass Regenwälder abgeholzt werden. Allein in Südostasien wurde als Folge der Kyotoprotokoll-Politik bereits Regenwald auf einem Drittel der Fläche Deutschlands vernichtet.
In Südostasien müssen jährlich mehr als 2 Millionen Hektar Tropenwald für den Anbau der wirtschaftlich einträglichen Palmölplantagen weichen. Die Plantagen zur Gewinnung des pflanzlichen Öls erstrecken sich dort bereits auf 130.000 Quadratkilometer, das entspricht ungefähr einem Drittel der Fläche von Deutschland.
Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die von einer internationale Forschergruppe durchgeführt wurde. Sie ist in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Conservation Biology" publiziert worden. Die Wissenschaftler kritisieren, dass durch die so genannte Klimapolitik wertvoller Regenwald zerstört wird. Die Einrichtung von Palmölplantagen führt dazu, dass in gigantischem Massstab Regenwald vernichtet wird.
Regenwälder speichern mehr Kohlendioxid, als durch den Biosprit im Vergleich zu herkömmlichem Treibstoff eingespart wird. Tropische Regenwälder sind gewaltige Kohlendioxid-Speicher, sie filtern Treibhausgase aus der Emission und binden es. Beim Abholzen und beim Brandroden der tropischen Hölzer gelangt das gespeicherte Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre und forciert dort den Treibhauseffekt.
Erst nach 75 Jahren, so die Rechnung der Forschergruppe, kompensierten die durch die Verwendung der Biokraftstoffe reduzierten Kohlenstoffemissionen den Waldverlust. Aber auch dann ist die Ökobilanz negativ, weil der Lebensraum Regenwald zerstört wird.
Wird der Urwald gerodet, sei das Treibhausgas erst nach 93 Jahren und bei einem Kohlenstoffreichen Torfwald gar erst nach 600 Jahren eingespart, so das Ergebnis der Berechnungen.
Der den Regenwald vernichtende Boom mit den Biokraftstoffen, die als umweltfreundliche Alternative zu fossilen Brennstoffen gepriesen werden, dauert an. Eines der wichtigsten Bioöle wird von der Ölpalme gewonnen, die gerade in Südostasien zur wichtigsten Kulturpflanze avanciert ist.
Finn Danielsen, Erstautor der Studie und Biologe bei der dänischen "Nordic Agency for Development and Ecology", kurz NORDECO, sieht diese Entwicklung mit grossen Bedenken. Sie ist eine direkte Folge des Kyoto-Protokolls, das auf der These vom menschenverursachten Klimawandel beruht: "Länder in Europa und Nordamerika subventionieren den Kauf von tropischen Biokraftstoffen, um ihre im Transport anfallenden Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Doch während sich diese Länder bemühen, ihren Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll nachzukommen, verursachen sie damit einen höheren Emissionsausstoß in den tropischen Ländern und bewirken, dass ein anderes Abkommen, und zwar die Konvention über die biologische Vielfalt, gebrochen wird."
Ölpalmplantagen sind keine Alternative für die Pflanzen- und Tiervielfalt, die es in tropischen Regenwäldern gibt. "Auf den ersten Blick scheinen Ölpalmplantagen reich an Pflanzen", erläutert der Botaniker Dr. Hendrien Beukema von der niederländischen Universität Groningen. "Doch ein Vergleich der Flora zwischen Regenwald und Plantage zeigt ganz deutlich, dass die Artenvielfalt stark leidet." So fehlen beispielsweise bedeutende Pflanzengruppen der tropischen Regenwälder wie Bäume, Lianen, Orchideen oder Palmen gänzlich in den Plantagen. Als Grund nennt Beukema: "Waldpflanzen benötigen Schatten und ein ungestörtes Habitat zum Überleben. Diese Voraussetzungen sind in den sonnendurchfluteten Plantagen nicht zu finden."
Der Schutz der noch existierenden Rest-Urwälder käme dem Erhalt der Biodiversität zugute, so Dr. Daniel Murdiyarso vom "Center for International Forestry Research" (CIFOR) in Indonesien. Tropische Wälder beheimaten mehr als die Hälfte der terrestrischen Tierarten der Welt. Die Wälder Südostasiens zählen zu den artenreichsten. Und sie sind ein riesiger Kohlenstoff-Speicher: Bis zu 46% des lebenden Kohlenstoffs der Welt ist in den Tropenwäldern gebunden. 25% der Gesamtkohlenstoffemissionen werden durch Entwaldung verursacht.
"Tropischen Regenwald zu fällen, um vermeintlich 'umweltfreundliche' Kraftstoffe anzubauen, ist ein großer Widerspruch", erklärt Mitautor Faizal Parish vom Global Environment Center in Malaysia. Die Massenrodung sei nicht nur in Südostasien ein Problem, sondern auch in Lateinamerika. Dort müssten Wälder großen Anbauflächen für Soja weichen.
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