Heftige Kritik an der „Volxbibel“
Der Lektor und Buchautor Rudolf Ebertshäuser (Leonberg) bezeichnete in einem Interview mit der Zeitschrift FACTUM die in einer besonders saloppen Jugendsprache verfasste „Volx-Bibel“ als „Gotteslästerung“.
Rolf Höneisen
Wörtlich sagte Ebertshäuser: „Was dem heiligen Gottessohn da in den Mund gelegt wird, lässt ihn als sündigen Menschen erscheinen; über Gott und göttliche Dinge wird in entehrender Weise gesprochen – man kann diese Aussagen eigentlich gar nicht zitieren.“ In der „Volx-Bibel“ werden selbst die Gleichnisse Jesu mit Szenen aus der heutigen Erahrungswelt ersetzt.
Ebertshäuser, der sich in seinem Buch „Gottes Wort oder Menschenwort. Moderne Bibelübersetzungen unter der Lupe“ (Oerlinghausen, 2005) generell kritisch mit dem „dynamisch-äquivalenten“ Übersetzungskonzept auseinandersetzt, sieht in der „Volx-Bibel“ den „logischen Endpunkt“ eines „rücksichtslosen Umformulierungsprozesses“. Die Bibel sei keine Nebenbei-Lektüre, sondern „ein gewaltiges, erhabenes Buch, durch das der lebendige Gott zu uns redet“.
Anders als immer wieder gesagt wird, liegen für Rudolf Ebertshäuser die eigentlichen Verständnisbarrieren gegenüber der Bibel „nicht in der fremdartig anmutenden Sprache, sondern im sündigen, geistlich verfinsterten Herzen des Menschen“. Wenn Gottes Geist an einem suchenden Menschen wirke, dann beginne dieser die Bibel auch zu verstehen.
Dabei räumt Rudolf Ebertshäuser ein, dass jeder Übersetzer bemüht sein sollte, den Text möglichst klar und gut verständlich wiederzugeben. Es sei durchaus möglich, eine ausgewogen-wortgetreue Übersetzung zu erarbeiten. Er selbst arbeitete mit an der Schlacher-Bibel 2000.
Dass die „Volxbibel“ bereits 45000-mal gedruckt wurde und von evangelikalen Verlagen erfolgreich als „Bibel“ vermarktet wird, bezeichnet Ebertshäuser im Interview mit FACTUM als „erschreckendes Zeichen für den geistlichen Niedergang in der heutigen Christenheit“.
Ebertshäuser selbst war früher Marxist und esoterisch angehaucht. Zu Jesus Christus bekehrte er sich durch das Lesen einer Lutherbibel 1912/56, und zwar ohne irgendwelche christliche Prägung. Deshalb hält er auch aufgrund seiner eigenen Erfahrung den kommunikativen Übersetzungsansatz für verfehlt. Ebertshäuser: „Weil hier die getreue und zuverlässige Wiedergabe der inspirierten Gottesworte bewusst zurückgestellt wird zugunsten einer weit reichenden Umformulierung und Anpassung an die Bewusstseinslage der modernen ungläubigen Leserschaft.“
Die „Volx-Bibel“ wirbt auf ihrer Webseite damit, die erste Bibelübersetzung zu sein, an der „jeder Mensch mitgestalten und formulieren kann“. Sind plötzlich alle in der Lage, die Bibel zu übersetzen? Lesen Sie das ganze Interview in FACTUM 2/2006.
Quelle: FACTUM 2/2006 Die Volxbibel Kritik an der Volxbibel
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