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Vorgeschmack auf etwas Grösseres

Nach dem Rückzug von Israel aus dem Südlibanon und aus dem Gaza-Streifen, wurde offensichtlich, dass nicht die israelische „Besetzung“ dieser Gebiete Grund für den Terror war. Es geht nur vordergründig um Libanon, Gaza und die Palästinenser. Die aggressiven, totalitären Islamisten wollen die Zerstörung des jüdischen Staates - und die Ambitionen reichen weit darüber hinaus.

Rolf Höneisen

Als der iranische Präsident Ahmadinedschad im Oktober 2005 den Holocaust leugnete und die Eliminierung Israels erstmals lautstark propagierte, fügte er hinzu: “Wir stehen inmitten eines historischen Krieges, der seit Hunderten von Jahren andauert.” (Das heisst: nicht erst seit der Staatsgründung Israels 1948!) “Der gegenwärtig in Palästina stattfindende Krieg”, so Ahmadinedschad, sei nichts weiter als “die vorderste Front der islamischen Welt gegen die Welt der Arroganz”. Und er fährt fort: “Wir müssen uns die Niedrigkeit unseres Feindes bewusst machen, damit sich unser heiliger Hass wie eine Welle immer weiter ausbreitet.”

Thomas Küntzel schreibt: „Dieser “heilige Hass” ist bedingungslos. Er lässt sich durch keine Variante jüdischen oder nicht-jüdischen Verhaltens – sofern es sich nicht um die totale Unterordnung unter Scharia und Koran handelt – abmildern. Diesem “Hass” ist mit Israels Vernichtung kein Genüge getan. Auch die Welt des Unglaubens – die Welt der “Arroganz” gegenüber Gott – soll daran glauben. Der genozidale Hass soll sich unaufhaltsam wie eine Welle und “immer weiter”, letztlich global, verbreiten. Als Hilfsmittel kündigt die iranische Führung die Entsendung Tausender schiitischer Selbstmordattentäter in alle Himmelsrichtungen an.“

Wer bereit ist, dem iranischen Präsidenten zu glauben – und wir tun gut daran – dann waren es die israelischen Streitkräfte, die sich unter hohem Risiko diesem Welteroberungsprogramm “vorderster Front” entgegenstellten. Deutlich formulierte Solidarität mit Israel würde Europa gut anstehen.

Die israelische Botschaft schrieb am 31. Juli 2006: „Das Thema Iran wird die Welt in den kommenden Monaten beschäftigen, und die derzeitige Situation ist nur ein Schritt in diese Richtung. Israel hat seinen Verbündeten zu verstehen gegeben, dass, wenn es die freie Welt nicht schafft, eine vereinte Front gegen die Hisbollah zu formen, dann wird es unmöglich sein, dass sie ernsthaft den Stopp des Atomprogramms des Iran fordert.“

Spiegel-Essayist Henryk M. Broder wirkt fast prophetisch, wenn er schreibt: „Dabei sind alle Ereignisse der letzten Wochen nur ein Vorgeschmack auf etwas Grösseres, das noch keinen Namen hat. Wenn es vorbei ist, werden sich die Davongekommenen fragen: Warum haben wir die Zeichen an der Wand nicht sehen wollen, als es noch Zeit war? Wenn der Protest gegen ein paar harmlose Karikaturen die frei Welt dazu bringt, vor der Gewalt zu kapitulieren, wie wird diese frei Welt reagieren, wenn es um etwas wirklich Relevantes geht?“

Tatsächlich wurde in Europa nicht gesehen, dass das demokratische, westlich orientierte Israel gegen mehr als ein paar in der Wüste lebende Guerilleros kämpfte. Israel verteidigte seine Existenz gegen einen Angriff aus dem Iran, denn die Hisbollah ist ein Arm des iranischen Präsidenten. Er hat ihn nun zum ersten Mal kräftig bewegt, um seinen Ruf nach einer „Welt ohne Zionismus“ in die Tat umzusetzen. Was, wenn der Iran eines Tages tatsächlich über eine Atombombe verfügt?

Dieses „Grössere“, das Broder nicht beim Namen nennen will, ist der Angriff des militanten, politischen Islam auf die westliche Welt und Besänftigungspolitik wird ihn nicht stoppen.

Die vergangenen Wochen zeigten, mit welcher Dynamik islamistische Kräfte vorwärts marschieren:

- bei der Mobilisierung gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen
- durch die Machtübernahme der Hamas in den palästinensischen Autonomiegebieten
- durch den Iran, der sein Atomprogramm ausbaut und damit eine gefährliche Entwicklung in Gang setzt
- durch die Raketenangriffe der Hisbollah gegen Israel
- durch den geplanten Anschlag auf Passagierflugzeuge

Daniel Jonah Goldhagen, Autor des heftig diskutierten Buches „Hitlers willige Vollstrecker“, schreibt im "Tagesanzeiger" vom 17. Mai 206 unumwunden: „In der zunehmenden gesellschaftlichen und politischen Mobilisierung des politischen Islam sind die Züge dessen zu erkennen, was sich später einmal zu einer völlig neuen, breit gefächerten interkontinentalen Intifada ausweiten kann.“

Nein, der politische Islam ist nicht gleichzusetzen mit der grossen islamischen Welt. Allerdings wächst sein Einfluss, er steuert und bedroht Regierungen. Nach Goldhagen ist es islamistische Strategie, sich am „arroganten“ Westen zu rächen. Dazu will man sich zuerst einmal Atomwaffen aneignen, um so das Gleichgewicht der Waffen wiederherzustellen. Dann würde Israel vernichtet und anschliessend der Westen angegriffen, um ihn zu schwächen und letztlich zu unterwerfen.

Sich deutlich zu Israel zu stellen, würde Europa stärken. Dafür gibt es nicht nur viele politische Gründe, sondern auch geistliche. „Denn des Herrn Teil ist sein Volk, Jakob ist sein Erbe“ (5. Mose 32,9). Er behütet es wie seinen Augapfel (5. Mose 32,10).

Allerdings gibt es im Blick auf Israel eine traurige Seite. Jesus klagte: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel: und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus soll euch wüst gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: ‚Gelobt sei der, der da kommt im Namen des Herrn!’“ (Matth. 23, 37 und 38)

Gemäss dieser Aussage wird Israel Jesus Christus in der Zukunft als seinen Messias anbeten. Besonders spannend daran ist, dass das israelitische Lob auf den kommenden Messias verknüpft ist mit der Verbreitung des Evangeliums in allen Völkern, Matthäus 24,14: „Die Botschaft vom Reich Gottes wird in der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker sie hören. Dann erst kommt das Ende.“ Erst wenn das Evangelium global verkündigt wurde, wird Jesus Christus zurückkehren. Dann wird auch die Zeit kommen, in der Israel den kommenden Herrn anbeten und sehen wird. Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Evangeliumsverkündigung in aller Welt, der Wiederkunft des Herrn und der Erlösung Israels!

Der Apostel Paulus klärt uns im Römerbrief über dieses göttliche Geheimnis auf: „Ich möchte euch, liebe Geschwister, über das Geheimnis der Absichten Gottes mit Israel nicht im Unklaren lassen, damit ihr nicht in vermeintlicher Klugheit aus der gegenwärtigen Verhärtung Israels falsche Schlüsse zieht. Es stimmt, dass ein Teil von Israel sich verhärtet hat, aber das wird nur so lange dauern, bis die volle Zahl von Menschen aus den anderen Völkern zum Glauben gekommen ist. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, wird ganz Israel gerettet werden. Es heisst ja in der Schrift: ‚Aus Zion wird der Retter kommen, der die nachkommen Jakobs von all ihrer Gottlosigkeit befreien wird“ (Röm. 11,25 und 26 NGÜ).

Wenn der iranische Präsident eine Welt ohne Zionismus fordert – er hat dazu eigens einen ganzen Kongress einberufen – dann stehen dahinter geistige Mächte, die letztlich gegen den „Retter aus Zion“ kämpfen.

Doch der Kampf um Jerusalem wird am Ende in einem Sieg für die Auserwählten Gottes enden. Paulus fährt fort: „Denn das ist der Bund, den ich mit ihnen schliessen werde, sagt der Herr: Ich werde ihnen die Last ihrer Sünden abnehmen. Ihre Einstellung zum Evangelium macht sie zu Feinden Gottes, und das kommt euch zugute. Andererseits folgt aus der Wahl, die Gott getroffen hat, dass sie von ihm geliebt sind. Er hat ihre Stammväter erwählt, und wenn Gott in seiner Gnade Gaben gibt oder jemand beruft, macht er das nicht rückgängig“ (Röm. 11,27 bis 29 NGÜ).

Gott ist treu. Er hält jede seiner Verheissungen, auch diejenigen an Israel.

Noch sind - gerade die ultra-orhodoxen - Juden „Feinde des Evangeliums“. In Israel versuchen sie jegliche christliche Missionstätigkeit zu verhindern. „Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen...“ sagte Jesus. Tatsächlich sucht und preist Israel den Messias Jesus nicht. Doch weil der Ewige treu ist, wird der Tag kommen, an dem Israel den Messias anbeten wird - und dann werden sie ihn sehen.

Für Christen gilt es, den grossen Auftrag des Messias mit fester Überzeugung weiterzuverfolgen: „Geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Matth. 28,20 NGÜ).

Diesen Auftrag gilt es so gut wie nur möglich auszuführen, weltweit: „Die Botschaft vom Reich Gottes wird in der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker sie hören. Dann erst kommt das Ende“ (Matth. 24,14) und dann wird sich der Kreis schliessen, Wurzel und Äste des Ölbaums werden organisch zusammen wachsen in Christus (vgl. Röm. 11,20). Wenn die „volle Zahl aus den anderen Völkern zum Glauben gekommen ist“ (Röm. 11,26), dann wird ganz Israel gerettet werden, indem es Jesus, als den Messias erkennen wird.

„...was wird dann erst Israels Wiederannahme bedeuten!“ ruft Paulus, „Nichts Geringeres als dass Tote lebendig werden!“ (Röm. 11,15).

Für Israel und die bedrängten Christen im Nahen Osten zu beten, aber genauso für die eigene Regierung, das sollte vermehrt zu unserem Anliegen werden. Man muss Israel nicht verklären. Aber den jüdischen Staat dafür zu verurteilen, dass er sich gegen den Terror der Nachbarstaaten wehrt, erhöht die falschen Mächte.

„Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an“ (Sach. 2,12). Der Prophet Sacharja machte göttliche Verheissungen an das in Babylon versklavte Juda. In diesen Zusagen schwingen viele Töne mit, die auch in die Zukunft weisen: „Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr (...) Und der Herr wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder auserwählen“ (Sach. 2,14.16). Angesichts der Weltsituation bekommt Vers 17 bedrängende Aktualität: „Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!“

Eines Tages wird das "Grössere" so kommen, wie es Matthäus notierte: "Unmittelbar nach jener Zeit der Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen. Die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden aus dem Gleichgewicht geraten. Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und alle Völker der Erde werden jammern und klagen; sie werden den Menschensohn mit grosser Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel mit mächtigem Posaunenschall aussenden, und sie werden seine Auserwählten aus allen Himmelsrichtungen zusammenbringen, von einem Ende des Himmels bis zum anderen." Matthäus 24,29 bis 31 NGÜ

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