Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Kieselstein gegen Brustpanzer

Was tun, wenn die Probleme zu gross scheinen? Goliath brüllt auch in unser Leben. Eine Betrachtung von 1. Samuel 17.

Rolf Höneisen

Der Volksmund sagt: «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.» Oder: «Das Glück gehört dem Tüchtigen», «der Stärkere gewinnt». Die Stars und die Mächtigen der Welt leben nach diesen Grundsätzen. Sie sind die Helden unserer Zeit. Die Schwachen bleiben in diesem System auf der Strecke.

Nein, so hoffnungslos ist die Lage nicht! Bei Gott gibt es einen neuen Weg. Er sagt: «Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist! spricht der Herr der Heerscharen» (Sach. 4,6). Klingt gut, nur – hat nicht Jesus selbst gesagt: «Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber ist schwach» (Matth. 26,41)? Innerlich nicken wir. Ja, das hat er gesagt. Also konzentrieren wir uns auf unser «Fleisch» und stellen fest; Jesus hat Recht, es ist schwach. Punkt. Und die Herausforderung der guten Botschaft geht ganz vergessen. Jesus sagt: «Der Geist ist willig!» Der durch den Glauben empfangene Geist in uns ist immer willig zu göttlichem Denken und Handeln. Es geht darum, mich ihm unterzuordnen, mich von ihm belehren zu lassen.

Was wirklich in einem Menschen drin steckt, kommt dann zum Ausdruck, wenn er unter Druck gerät. Wie reagieren wir auf Herausforderungen, die unsere Möglichkeiten übersteigen? Wie auf Probleme, die uns beim Aufstehen schon im Genick liegen und beim Zubettgehen immer noch drücken? Wie auf Situationen, die unlösbar scheinen? Wir suchen den Rat Gottes anhand des Berichtes über David und Goliath (1. Samuel 17).

Die Ausgangslage

Die Situation kurz erzählt: Die Philister, die Urfeinde, greifen Israel an. Die Philister tauchen in der Geschichte Israels immer wieder auf, sie bekämpfen das Volk Gottes. Sie greifen dort an, wo Israel sich nicht vollständig unter den Gehorsam Gottes gestellt hat. Die Bibel gibt uns noch einen weiteren Hinweis. Es heisst in Richter 3,1 bis 3, dass in einigen Regionen von Kanaan mit dem Wissen Gottes bestimmte Stämme geblieben sind, «um durch sie Israel zu prüfen», ob sie ihm gehorchten. Und einer dieser zurückgebliebenen Prüfsteine waren die Philister.

Jetzt ist es wieder einmal so weit. Die Philister greifen an! Und in ihren Kampfreihen überragt einer alle anderen: Goliath, der Riese. Er fordert Israel zum Zweikampf heraus. Dabei verhöhnt er nicht nur Israels Armee, sondern auch Gott. Da kommt der junge David ins Lager. Er besucht seine Brüder. David ist der von Gott ausgewählte zukünftige König Israels. Samuel hat ihn bereits gesalbt. Gottes Geist ist mit David und er reagiert auf die Bedrohung anders als seine Volksgenossen. Er tritt Goliath nur mit einer Steinschleuder bewaffnet entgegen, schiesst dem Riesen ein Loch in den Kopf und tötet ihn. So weit dieser Bericht.

Kehren wir zurück zur Ausgangslage: Die beiden Heere treffen sich im sog. Terebinthental, wo sie sich für den Kampf vorbereiten. Nach der aktuellsten Entdeckung israelischer Archäologen in der Ela-Festung (siehe «David und Goliath auf der Spur, Seite 42) ist die biblische Beschreibung überaus exakt und die Szenerie gut vorstellbar:

«Die Philister standen am jenseitigen Berg, die Israeliten aber am diesseitigen Berg, und das Tal lag zwischen ihnen» (1. Sam. 17,3).

Israels Problem war ein Hüne von einem Menschen, Goliath aus dem nahe liegenden Philisterort Gat, 2 Meter 90 gross; allein der eiserne Brustpanzer wog 60 Kilogramm, allerdings muss der Athlet die Rüstung getragen haben, als wären es Jeans und Turnschuhe. Und er besass Killerwaffen. Unter anderem einen baumlangen Speer, dessen Spitze wog sieben Kilo.

Wer so gross ist, der hat auch einen grossen Mund und eine entsprechend kräftige Stimme. Goliath brüllte so laut, dass die Israeliten auf der anderen Talseite bei jedem Wort zusammenzuckten.

Die Bedrohung

Israels Problem war:
unüberhörbar (quer übers Tal zu hören, V. 3)
unübersehbar (grösser als alles bisher Bekannte, V. 4)
jeden Tag da (V. 16: «Der Philister aber kam morgens und abends her und stellte sich 40 Tage lang hin.»)
hatte gute Argumente (V. 7): Er war bärenstark und besass tödliche Waffen
• Das Philisterproblem war eine Konsequenz von Ungehorsam in der Vergangenheit, der nie geklärt worden war.

Goliaths Taktik geht auf:
Goliath schüchtert ein. Israel hat Angst. Und das, obwohl noch überhaupt nichts passiert ist. Goliath hat noch keinem auch nur ein Haar gekrümmt.
Er schürt Fluchtgedanken, Vers 11: «Als Saul und ganz Israel diese Worte des Philisters hörten, entsetzten sie sich und fürchteten sich sehr.» Vers 24: «Aber alle Männer von Israel flohen vor dem Mann, sobald sie ihn sahen, und fürchteten sich sehr.»
Er spaltet die Einheit. Mit seinem Aufruf, dass ein Einzelner gegen ihn kämpfen solle, zittert nun jeder alleine vor sich hin. Die Gemeinschaft zerbricht.
Goliath bestimmt die Regeln (V. 9): «Erwählt euch einen Mann, der zu mir herabkommen soll! Wenn er mit mir kämpfen kann und mich erschlägt, so wollen wir eure Knechte sein; wenn ich aber im Kampf mit ihm siege und ich ihn erschlage, so sollt ihr unsere Knechte sein und uns dienen!»

Der Feind gibt die Spielregeln vor und Israel tanzt nach Goliaths Pfeife! Die Bedrohung bestimmt ihr Verhalten. Warum eigentlich? Warum steht keiner auf und sagt: «Wir lassen uns den Zweikampf nicht aufzwingen. Lasst uns gemeinsam angreifen»?

Nichts geht mehr. Israel ist wie gelähmt. Sie erwachen am Morgen und warten schon darauf, bis Goliath brüllt. Dieses alttestamentliche Geschehen findet eine neutestamentliche Parallele: «Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann» (1. Petrus 5,8 und 9). Und was tun wir? Jeden Morgen lesen wir die Zeitung, um uns darüber zu informieren, wen er letzte Nacht wieder verschlungen hat ...

Goliath ist hier. Die schreienden Probleme sind auch unter uns. Das ist die Wirklichkeit in der gefallenen Schöpfung zwischen Kreuz und Auferstehung, zwischen Anfang und Vollendung des Reiches Gottes. Weil da eine antigöttliche Macht umhergeht und brüllt wie ein Löwe – Goliath ist überall!

Über die Angst reden

Es ist wichtig, über unsere Bedrängnisse zu reden:
• Was lähmt unser Leben?
• Welcher Gedanke ist unüberhörbar in unserem Herzen?
• Was macht uns Angst?
• Was raubt uns die Kraft?

Du erwachst am Morgen. Stehst auf, kochst Kaffee, willst beten – und da sticht es dir ins Herz: Der Arzttermin am Freitag verheisst Ungutes! Doch die Arbeit lenkt dich tagsüber ab. Aber am Abend, in der Ruhe, sticht es dir wieder ins Herz: Bin ich todkrank? Laut brüllt Goliath.

Du gibst dein Bestes am Arbeitsplatz, aber da sind Jüngere, die nach vorne drängen. Du spürst, wie der Druck auf dich wächst. Halte ich noch zehn Jahre durch? Während der Arbeit hörst du diese Gedanken nicht. Aber abends, wenn du ins Bett gehst – da kommen sie und verängstigen dein Herz.

Du bist alt geworden. Dein Körper wird schwächer. Einzelne Organe versagen ihren Dienst. Du wachst am Morgen auf, nimmst die Bibel und merkst, wie die Buchstaben vor deinen Augen verschwimmen. Und ein Gedanke schiesst dir durch den Kopf: Jetzt kann ich dann bald nicht einmal mehr im Wort Gottes lesen! Angst kriecht hoch.

Vielleicht stehst du in den letzten Monaten deines irdischen Lebens. Dein Tag ist beschwerlich, du brauchst Hilfe. Schuhe binden geht schon lange nicht mehr. Das Anziehen dauert über eine Stunde. Aber der Tag vergeht. Am Abend, wenn du ins Bett gehst – dann kommt die Angst – du hast den Tod vor Augen und es läuft dir kalt den Rücken runter.

Du pflegst eine Sünde, bei allem Kämpfen schaffst du es nicht, sie aufzugeben.

Du lebst mit düsteren Gedanken, ständig am Rande der Depression. Die Probleme mit den Kindern ... dem Partner, dem Geschäft ... sie dröhnen dich zu.

Was brüllt in unser Leben? Welche Gedanken sind so laut, dass sie das Vertrauen in Gott rauben? Was lähmt uns? Anfechtungen, Angriffe, Versuchungen, Prüfungen – man nenne sie, wie man will – besuchen uns regelmässig. Gott schafft sie nicht zum Voraus aus dem Weg, aber er schafft gleichzeitig einen Ausweg:

«Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt» (1. Kor. 10,13).

Wie war das bei Israel – kannten sie Gott nicht mehr? Doch, natürlich kannten sie ihn! Sie kannten seine Macht – zumindest im Kopf wussten sie darum. Nur, die aktuelle Bedrohung – das, was sie mit den Augen sehen und den Ohren hören – diese Bedrohung überlagert ihr Vertrauen auf Gott und vernebelt ihre Erinnerung an die Vergangenheit und ihre Hoffnung auf die Zukunft.

Die Sache mit den Philistern hatten sie nie geklärt. Jetzt macht sie Angst. Gibt es da Parallelen in uns? Lebensbereiche, die uns immer wieder Mühe machen, die wir aber – wenn wir ehrlich sind – Gott nie ganz unterstellt haben?

David taucht auf. Als Israelit steht er in derselben Situation wie Saul, seine Brüder, das ganze Volk. Goliath ist auch sein Problem. Doch im Unterschied zu ihnen ist er bereit zum Kampf.

Der Unterschied im Denken

Was unterscheidet David von seinen Brüdern und den anderen Israeliten? Bei seiner Lagebeurteilung zieht er Gottes Sicht mit ein. Während alle rein menschlich reagieren – seine Brüder regen sich über ihn auf und König Saul will ihm seine viel zu schwere Rüstung ausleihen –, sieht sich David als einer, der in einem Bund mit Gott steht. Diese Verbundenheit formt seine Identität. Nicht er ist stark – Gott ist seine Stärke. Dem ist sich David bewusst.

Goliath ist «heraufgekommen, um Israel zu verhöhnen» (V. 26)! David sieht und hört den Riesen brüllen. Aber er «sieht» mehr: Er sieht in Goliath einen «Unbeschnittenen». Goliath steht nicht im Bund mit dem lebendigen Gott, sondern dient toten Götzen. Damit ist Goliath ein geistiges Leichtgewicht. Sein Versuch, dem Volk Gottes das Vertrauen in Gott zu rauben, ist ein Bluff – und fast alle fallen darauf herein.

David erkennt: Hier geht es um mehr. Es geht um einen Angriff auf den Allmächtigen. Goliath verhöhnt Gott! Es geht nicht um Kieselstein gegen Brustpanzer, sondern um Gott gegen Goliath! Deshalb sagt David zum Philister: «Du kommst zu mir mit Schwert und Speer und mit Wurfspiess; ich aber komme zu dir im Namen des Herrn der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, die du verhöhnt hast» (V. 45)!

Fragt man Sonntagsschüler, welche Person sie sein möchten, rufen alle: «David!» Stellen wir uns die Frage: Wer bin ich in dieser Geschichte? Einer in den Reihen Israels oder David? Und: Wer möchte ich sein?

David war ein Gesalbter Gottes, der von Gott gewählte nächste König von Israel (vgl. 1. Sam. 16,13). Jeder Christ ist ein Gesalbter Gottes, wenn er denn sein Leben wirklich ganz Jesus Christus gegeben hat. Dann lebt Gottes Geist in ihm, der Neues schafft. Das tut er in Zusammenarbeit mit dem Glaubenden, nicht gegen seinen Willen. Offensichtlich war es so, dass der junge David davon mehr begriffen hatte als sein Volk.

Im Glauben wachsen

Paulus lehrt im Epheserbrief vier Punkte, die in unserer Verantwortung liegen, wenn wir im Glauben wachsen wollen:

• Bereitschaft, alte Verhaltensmuster zu verlassen
«Legt also eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben» (Eph. 4,22 GN).

• Einüben eines neuen Denkens
«Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn» (Eph. 4,23 LU).

«Richtet euch nicht länger nach ‹den Massstäben› dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist» (Röm. 12,2 NGÜ, vgl. 2. Kor. 3,18). «Verändert» (griech. metamorphosis) meint eine radikale Verwandlung, vergleichbar mit der Verwandlung einer trägen Raupe in einen windigen Schmetterling! Das ist ein inspirierendes Bild, für Menschen, die bereit sind, sich von Gott geistig erneuern zu lassen, indem wir es ihm erlauben, unsere Gedanken mit seiner Sichtweise des Lebens zu lenken. Wir dürfen lernen, die von Ängsten, Zweifeln und Misstrauen gesteuerten Gedanken abzulegen und anzunehmen, welche Gedanken Gott über unser Leben hat. So werden wir von innen nach aussen verändert und können die Ereignisse in und um uns mit neuen Augen sehen und beurteilen.

• Aneignen neuer Gewohnheiten
Das Ablegen alter Gewohnheiten (Eph. 4,22) macht es möglich, neu zu werden. «Als neue Menschen, geschaffen nach dem Ebenbild Gottes und zur Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit berufen, sollt ihr auch ein neues Wesen annehmen» (Eph. 4,24).

• Leben in Gehorsam und Vertrauen
Wir müssen nicht warten, bis irgendetwas passiert. Statt voller Angst und unguter Gefühle sitzen zu bleiben und uns ständig für unser Versagen zu entschuldigen, können wir in unserer Schwachheit aufstehen und Schritte im Vertrauen auf Gott machen. Der Heilige Geist befähigt, begleitet, stärkt. Es geht nicht immer darum, einen «Goliath» totzuschlagen. Aber immer geht es darum, Angst und Misstrauen abzulegen und Gott zu vertrauen.

So wie jene Frau, die durch einen Unfall gelähmt wurde. Erst konnte sie mit dem Gedanken an ein Leben in völliger Lähmung nicht leben, aber sie vermochte mit Gottes Hilfe einen Tag nach dem anderen zu bewältigen. Als sie dies wahrnahm, begann sie aufzublühen und ihr Glaube wurde wiederhergestellt.

In der Bibel steht über 360-mal die Aufforderung: «Fürchte dich nicht!» Sie ist wahrscheinlich deshalb so häufig genannt, weil sich uns mindestens so viele Probleme in den Weg stellen, die uns Angst machen wollen. Das Rezept gegen die Angst liegt nicht in erster Linie in der Veränderung der Umstände, sondern in einem tiefen Eintauchen in die Liebe Gottes.

Fühle ich mich entmutigt, so wie die Israeliten damals im Tal der Terebinthen, dann bitte ich Gott, mich an meine ei­gentliche Identität in Christus zu erinnern: dass ich von Gott geliebt wurde, schon bevor ich ihn liebte. Er hat für meine Schuld bezahlt und mir eine Wohnung im Himmel eingerichtet. Er ist mein Erlöser, mir zur Gerechtigkeit geworden, mein Leben ist Gnade. Er hat am Kreuz gekämpft für mich, meine Schuld gesühnt und das Böse und den Tod besiegt. Ich will Gott gehören, nicht meinen Problemen. Das schwache Fleisch kenne ich; Herr, schenke mir einen neuen, willigen Geist!

Überwindung und Sieg

Als David Goliath entgegentritt, ist er überzeugt, dass der Feind schon besiegt ist:

«An diesem heutigen Tag wird dich der Herr in meine Hand ausliefern, und ich werde dich erschlagen und deinen Kopf von dir nehmen, und ich werde die Leichname des Heeres der Philister an diesem Tag den Vögeln unter dem Himmel und den wilden Tieren der Erde geben, damit die ganze Erde erkenne, dass Israel einen Gott hat! Und diese ganze Gemeinde soll erkennen, dass der Herr nicht durch Schwert noch Spiess errettet; denn der Kampf ist die Sache des Herrn, und Er wird euch in unsere Hand geben» (1. Sam. 17,46 und 47)!

Wenn Goliath brüllt, gilt es kühlen Kopf zu bewahren. Wir dürfen ruhig sein im Herrn. Wer glaubt, steht in einem Bund mit Gott. Und der Bündnispartner blickt uns an und sagt: «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein» (Jes. 43,1 SLT).

Das aktuelle Heft:
factum 1/2012


factum 1/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben