Ungebrochenes Interesse am “Da Vinci Code”
Der Inhalt des Romans “Sakrileg” ist erwiesen Fiktion. Die Verfilmung des Stoffs wurde zu einem zweieinhalbstündiges Verwirrspiel um Codes und geheime Orden mit blassen Schauspielern. Trotzdem strömten am Startwochenende viele ins Kino. Auch in der Talkrunde „Club“ im Schweizer Fernsehen war Dan Browns Buch Thema. Doch die Runde der Schriftgelehrten enttäuschte.
Rolf Höneisen
(24. Mai 2006 - factum online) - Buchautor Dan Brown schreibt in „Sakrileg“ (engl. „The Da Vinci Code“) die Kirchengeschichte neu. Indem er die Handlung seines Romans an Originalschauplätzen spielen lässt, ist es für den Leser schwierig, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. Browns Theorie endet mit der Behauptung, Jesus Christus sei nicht auferstanden, er sei ein gewöhnlicher Mensch gewesen und habe zusammen mit Maria Magdalena ein Kind gezeugt. Maria Magdalena sei eigentlich die Gründerin der christlichen Gemeinde. Zudem sei die Bibel unter Kaiser Konstantin so zusammengestellt worden, dass alle Aussagen in dieser Richtung ausgeschlossen worden seien.
Auch wenn das Meiste erfunden ist – „Sakrileg“ wurde zum Millionenbestseller. Die Mischung aus Kirchenkritik, Feminismus, Krimi, Verschwörungstheorie und Esoterik stösst auf grösstes Interesse. Und trotz sachlicher Richtigstellungen und teils heftiger Kritik im voraus, zieht „The Da Vinci Code“ nun auch – unterstützt durch intensives Marketing – viele Menschen in die Kinos und spielte weltweit bereits am ersten Wochenende 147 Millionen Dollars ein. Es scheint leider so, dass das Phänomen „Sakrileg“ sich weiterzieht – ungeachtet der sachlichen Kritik durch etliche fundierte Bücher und schlechter Filmbesprechungen.
Der „Da Vinci Code“ war am 23. Mai auch Thema im „Club“ des Schweizer Fernsehens. Unter der Leitung von Ueli Heiniger diskutieren Silvia Schroer (Prof. für Altes Testament und Biblische Umwelt, Universität Bern), Maja Zimmermann (evang. Pfarrerin am Berner Münster), Gregor Emmenegger (kath. Theologe, Universität Freiburg), Norbert Bischofberger (kath. Theologe und Moderator „Sternstunde“ SF1), Beat Müller (Priester des Opus Dei) und Walter Kirchschläger (Prof. für Exegese des Neuen Testaments, Universität Luzern).
Die Runde dieser „Schriftgelehrten“ gab sich redlich Mühe, dem „Sakrileg“-Phänomen auf die Spur zu kommen, um die vielen Fragen, die durch die Roman in Bezug auf die Wahrheit des Christentums in der breiten Bevölkerung aufgeworfen werden, zu beantworten. Leider trug keiner der Geladenen dazu bei, die Person Jesu ins Zentrum zu stellen und die Einmaligkeit der Bibel zu betonen. Jeder sprach nur über sein Steckenpferd: Der eine über Opus Dei, die andere über feministische Theologie, die dritte über die Entmachtung der Frauen. So viel Bibelkenntnis und soviel Unglauben an einem Ort! Es fehlte eine Stimme, die das biblische Zeugnis von Jesus Christus hochhielt. Da finden sich in Deutschland offenbar doch auch in Theologenkreisen immer wieder klarere Stimmen, so etwa diejenige von Bischof Christoph Kähler in einem „Spiegel“-Interview.
Suchende Menschen erhielten von den christlichen Vordenkern in besagter „Club“-Runde nichts in die Hand, was ihnen den Weg zum Herzen Gottes aufschliessen könnte. Die Ausführungen verbauten sogar die Sicht auf den Anfänger und Vollender des Glaubens, auf Jesus Christus. Doch nur in Christus ist Gott wirklich zu finden: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kolosser 2,9).
Das Beste des Abends war die abschliessende Aufforderung von Moderator Heiniger: „Lesen Sie doch wieder einmal die Bibel.“
Nach dem Kolossertext verkörpert Christus das Wesen Gottes, und zwar in menschlicher Gestalt, eben „leibhaftig“. Das war im griechischen Denken undenkbar, da nicht vereinbar. Nach der griechischen Philosophie war die Materie böse und der Geist gut. Es war undenkbar, dass Gott einen menschlichen Körper annehmen könnte. Doch er hat es getan! Um die griechische Ausschliesslichkeit zu widerlegen, betonte Paulus im Kolosserbrief die Realität, dass Jesus nicht nur völlig Gott, sondern auch völlig Mensch war.
Auch der folgende Philippertext unterschreicht deutlich die Menschwerdung Gottes in Christus: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Jesus Christus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäusserte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äusseren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz“ (Phil. 2,5 bis 8).
Wenn wir den Himmelfahrtstag feiern, dann denken wir einerseits daran, dass Christus nach Tod und Auferstehung seinen Platz im Himmel wieder eingenommen hat, aber wir sollten jetzt vor allem auch vorwärts blicken, den Jesus wird „in der selben Weise wiederkommen“ wie man ihn damals hat auffahren sehen (siehe Apg. 1,11). Diesem Ereignis gehen wir entgegen!
Zum Thema „Sakrileg“ veröffentlichte FACTUM ein Interview mit dem US-Theologen Erwin W. Lutzer. Es erschien in FACTUM 3/06. Jetzt steht es frei zum Download und soll mithelfen, ein klares Wort in die Verwirrung zu sprechen: Erwin W. Lutzer: „Geschichte voller Irrtümer“.
In FACTUM 4/06 veröffentlichen wir ein Gespräch zwischen dem Qumrankenner Alexander Schick und dem Orientalisten Martin Heide. Auch sie nehmen Browns Bestseller als Anlass, um über die Bibelüberlieferung zu reden. Im weiteren Artikel erläutert Michael Welte fachkundig die Bedeutung des sogenannten "Judas-Evangeliums".
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