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Robert Spaemann: Vom unsterblichen Gerücht reden
(05. Oktober 2007) - Der Philosoph Robert Spaemann kritisiert die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch zunehmende dogmatische Wissenschaftsgläubigkeit.
Thomas Lachenmaier
Der Philosoph Robert Spaemann ist ein scharfsinniger Kritiker des Zeitgeistes. Sein Denken lässt sich in keine Schublade einordnen, vielleicht gerade deshalb, weil es tief im christlichen Glauben verwurzelt ist. Wer sich der Wahrheit verpflichtet weiss, der kann auf Erwartungen und Konventionen – seien sie politischer, akademischer oder gesellschaftlicher Art – keine Rücksicht nehmen. Auch wer den katholischen Christen als «konservativen Denker» vereinnahmen will, täuscht sich. Spaemann entwickelt seine klugen Überlegungen oft quer zu philosophischen Schulen und unabhängig von politischen Parteien.
Er hat ein christlich verantwortetes Schöpfungs- und Naturdenken, schon lange bevor der Umweltgedanke zum Leitmotiv in Kommentarspalten und wissenschaftlichen Debatten wurde. Mit Vehemenz wandte er sich gegen eine theologische und politische Legitimierung der Atomenergie. In der akademischen Szene geniesst Spaemann hohe Reputation. Weltliche Medien rühmen die Brillanz seines Denkens. Er schreibe «von allen deutschen Philosophen das beste Deutsch», wertet «Die Zeit» in einem Text zu Spaemanns 80. Geburtstag im Mai 2007.
Sein Denken ist eine Herausforderung, auch für Christen. Seine Positionen sind aber vor allem Erkenntnis, Bestätigung und Ermutigung. Sein Buch «Das unsterbliche Gerücht – Die Frage nach Gott und der Aberglaube der Moderne» kann dazu ein guter Anlass sein. Ergänzt werden die Aufsätze durch ein Interview mit dem Philosophen, das den Zugang zu dem Buch und zu seinem Denken erleichtert.
Robert Spaemann moniert die relativierende Beliebigkeit philosophischer Diskurse. Natürlich ist für ihn die intellektuelle Auseinandersetzung, der philosophische Diskurs, das wesentliche und unverzichtbare Medium der Philosophie. Aber sie ist für ihn kein Selbstzweck. Der Diskurs, so Spaemann, «erzeugt nicht selbst Wahrheit oder Normen. Er prüft sie nur». Deshalb müsse jeder Diskurs beizeiten auch einen Endpunkt finden, irgendwann müsse vom Reden zum Handeln gefunden werden: «Denn hier und jetzt muss ich als handelnder, denkender, betender Mensch für mich selbst den Diskurs auch immer wieder beenden, indem ich glaube.» Für die Fahrt über «das Meer des Lebens» finde man im «Seelenverkäufer des unendlichen Diskurses» kein geeignetes Fahrzeug, sagt Spaemann. Man finde es «in der göttlichen Rede».
Es macht die Würde des Menschen aus, «wissen zu wollen, was ist», sagt Robert Spaemann. Mit Platon denkt er, dass der «ein sehr kümmerlicher Mensch sein muss, der nicht bereit ist, gründlich über das nachzudenken, was, wenn es wahr ist, das Wichtigste, ja das allein wirklich Wichtige ist». Das ist die für jeden Menschen ganz existentielle Frage nach Gott. Niemand kann ihr ausweichen und Spaemann bringt das auf den Punkt. In dieser Notwendigkeit, sich zu entscheiden und zum Handeln oder auch zum Glauben zu finden, sieht Spaemann mehr als eine lebenspraktische Sinnhaftigkeit. Er erkennt darin eine existentielle Notwendigkeit.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 7/2007.
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