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Warum sich Menschen freiwillig mit HIV anstecken

Es gibt Menschen, die sich absichtlich mit HIV infizieren. Sie suchen im Internet nach der Krankheit; ihre Motive sind unterschiedliche, aber allesamt Zeugnisse tiefster Verlorenheit.

(21.02.2007/rh.) - Die Journalistin Britta Stuff machte sich auf die Suche nach Menschen, die sich freiwillig mit HIV anstecken oder das tödliche Virus bewusst weitergeben. Ihr auf der Internetseite von „Welt online“ veröffentlichter Report gibt Einblick in eine erschreckende Welt.

Da ist der HIV-positive Peter. Im Internet hat er ein Inserat veröffentlicht: „Hengst mit hoher VL pozzt dich.“ Pozzen ist abgeleitet von positiv und bedeutet, jemanden absichtlich mit dem tödlichen Virus anzustecken. VL bedeutet Viruslast. Je höher diese ist, desto mehr Erreger sind in Blut und Sperma.

Auf den einschlägigen Seiten sind Anzeigen wie diejenige von Peter keine Seltenheit. Aber auch das Gegenteil – Menschen, die sich mit HIV infizieren wollen, äussern ihren unverständlichen Wunsch per Annonce.

In Deutschland sind 56 000 Deutschen HIV-positiv sind. Es werden mehr. 2006 infizierten sich 2700 Menschen, das waren 50 Prozent mehr als im Jahr 2000. Knapp drei Viertel steckten sich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr unter Männern an, ein Viertel der Infizierten ist heterosexuell. Das Virus breitet sich unter Homosexuellen besonders schnell aus: durch die höhere Ansteckungsgefahr bei Analverkehr und weil homosexuelle Männer im Durchschnitt häufiger den Partner wechseln als Heterosexuelle.

Die Autorin geht der Frage nach, warum sich Menschen mit dem Virus anstecken lassen wollen. Sie nimmt Kontakt mit Betroffenen auf, trifft sich mit ihnen und beschreibt deren Lebensgeschichte. Die Gründe sind immer anders. Es gibt Männer, die sich infizieren lassen, weil ihr Partner HIV-positiv ist und solche, die sozial und finanziell vor dem Abgrund stehen. Andere folgen Todessehnsüchten oder suchen den Kick. Phil Langer, der eine Studie darüber verfasste, warum sich homosexuelle Männer mit HIV infizieren, meint: „Menschen, die sich verloren fühlen, tun oft die unglaublichsten Dinge.“

Britta Stuff fand die Signale solcher Verlorenen im Internet. Zum Beispiel schreibt eine Frau: "Hallo, bin 23j. und suche Typen die mich pozzen. Bis jetzt alles erfolglos. Bin nicht hässlich." Und weiter: "dass es geil wäre, positiv zu sein", weil sie dann andere anstecken könnte, "Männer, die es nicht anders verdient haben". Sie fragt: "Was ist geiler als Sex und Tod zugleich?" Oder ein Mann. Er sucht nach jemandem, der ihn infiziert, weil er wegen des drohenden Konkurses der Firma und Schulden unter sein Leben einen Schlussstrich ziehen will.

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