"Christliches" in den Massenmedien
Alle Jahre wieder... anstatt die Gunst der Stunde zu nutzen und Berichte zu bringen, welche die biblische Botschaft stützen, klärten uns die Massenmedien auch kurz vor Ostern 2006 darüber auf, dass Petrus und Jesus nicht auf Wasser, sondern auf Treibeis gegangen seien und dass Judas als einziger der Jünger den Herrn Jesus richtig erkannt habe. Beide Thesen sind weitgehend «heisse Luft».
Rolf Höneisen
1992 berechnete der Ozeanograf Doron Nof (Universität Florida), dass sich das Rote Meer beim Auszug der Israeliten aus Ägypten auf ganz natürliche Weise, durch spezielle Winde, geteilt habe. Jetzt macht er mit seinem 23-seitigen Beitrag im Fachblatt «Journal of Paleolimnology» (2006; 35:417–439) einen weiteren Versuch, ein Wunder, das ausserhalb der bekannten Naturgesetze verlief, natürlich zu erklären. Gemäss Nof kann der See Genezareth an kalten Tagen stellenweise einfrieren. An manchen Stellen würden sich im Seeboden warme, salzige Quellen finden. Dieses Wasser mische sich nicht mit dem darüber liegenden Süsswasser. Dadurch könne dieses gefrieren.
Nof zeigt auf, dass es vor 2500 bis 1500 Jahren in der Region drei Grad kälter war als heute. Daraus schliesst er, dass damals ab und zu das Eis auf dem See dick genug geworden sei, um Menschen zu tragen. Es sei möglich, dass Petrus und Jesus auf gefrorenem Wasser, nämlich Eisschollen, gegangen seien. Aus dieser These, kurz vor den österlichen Feiertagen veröffentlicht, machten die Medien Schlagzeilen wie: «Jesus war Eisläufer!» Was sie nicht meldeten, war Doron Nofs abschliessender Satz: «Ob es so war oder nicht, darüber haben Theologen, Archäologen, Anthropologen und Gläubige selbst zu entscheiden.» Danke, Doron, wir haben uns für den Bibeltext entschieden!
Das zweite aufgebauschte Thema war der Wirbel um das «Judas-Evangelium». Dieser koptische Papyrus-Text ist eine apokryphe Evangelienschrift, die im 3. oder 4. Jahrhundert geschrieben worden sein soll. Darin wird der Jesus-Verräter Judas reingewaschen und zum selbstlosen Gehilfen Jesu gemacht. Judas habe – anders als in den kanonischen Evangelien beschrieben – als einziger Jünger die wahre Bestimmung Jesu erkannt und ihm mit dem Verrat so quasi den letzten Gefallen erwiesen. Aus dem geldgierigen Verräter wird kurzerhand der selbstlose Freund.
Mit kühlem Kopf betrachtet, ist auch das Gezeter ums «Judas-Evangelium» ein Sturm im Wasserglas. Das Einzige, was der übersetzte Text zu liefern vermag, sind Facetten im Zusammenhang mit der gnostischen Strömung jener Zeit. Keine neuen historischen Einsichten, weder über Judas noch den Kreuzestod von Jesus, keine neuen, als authentisch zu betrachtenden Worte Jesu, nichts.
Weder durch die Eistheorie von Doron Nof noch durch die Übersetzung des Judas-Textes muss die Bibel an irgendeiner Stelle bezweifelt oder gar umgeschrieben werden. Wozu denn die enormen Anstrengungen der Wissenschaft? Es gibt Mächte, die verhindern wollen, dass Menschen so reagieren wie damals die Jünger, als Jesus den versinkenden Petrus rettete und mit ihm ins Boot stieg. Die Jünger warfen sich vor Jesus nieder und bezeugten: «Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!» (Matth. 14,33)
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