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Horoskope lügen und werden trotzdem geglaubt

Das Ergebnis einer grossen Studie ist eindeutig: Es gibt keinen statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen Geburtszeitpunkt, Charakterzügen und Sternzeichen.

fa. Ein deutsch-dänisches Forscherteam hat die Daten von über 15 000 Menschen analysiert, um dem Glauben an die Sterne auf den Grund zu gehen. Das Ergebnis der Studie widerlegt die Meinung, es gebe für jedes Sternzeichen typische Persönlichkeitsmerkmale.

In der Fachzeitschrift «Personality and Individual Differences» berichteten Peter Hartmann (Universität Århus) und seine Kollegen über ihre Ergebnisse. Obwohl man in früheren Untersuchungen Indizien zu erkennen meinte, dass es für einen Einfluss des Geburtszeitpunktes gewisse Wesensmerkmale wie Spontaneität oder Risikobereitschaft gebe, habe die aktuelle Untersuchung keine derartigen Zusammenhänge gezeigt. Ein Teil der früheren Ergebnisse sei darauf zurückzuführen, dass nur kleine Probandengruppen untersucht wurden. Aus diesem Grund wählten die Wissenschaftler für ihre neue Studie zwei Datenbanken, in denen Informationen über mehr als 15 000 Menschen zusammengetragen waren.

Dabei handelte es sich um 4321 Männer mittleren Alters, die am Vietnamkrieg teilgenommen hatten und von denen Intelligenzquotient, Geburtstag und ein Persönlichkeitsprofil bekannt waren. In der anderen Datenbank waren Geburtsmonat und Intelligenz von 11 448 Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren erfasst.

Das Ergebnis war selbst für die Forscher überraschend eindeutig: Es gibt keinen statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen Geburtszeitpunkt und Charakterzügen. Ein direkter Zusammenhang zwischen der Geburt in einem bestimmten Tierkreiszeichen und der Persönlichkeit existiere nicht, so das Fazit der Studie.

«Spiegel Online» schreibt dazu, dass eine andere Studie des Hamburger Psychologen Kurt Pawlik schon vor Jahren gezeigt habe, dass es durchaus Menschen gibt, bei denen ihrer Selbsteinschätzung zufolge ein Zusammenhang zwischen dem Tierkreiszeichen und gewissen Charakterzügen bestehe, aber: «Nur bei solchen, die an Astrologie glauben.» Und das sind viele.

Immer öfter treten im Fernsehen Astrologen, Hellseher und Kartenleger auf, die ihre fragwürdigen Fähigkeiten anbieten. Hinter den esoterischen Shows steckt meist «Questico», ein Unternehmen aus Berlin. Die Firma hat nicht nur einen eigenen Sender, «Astro-TV», sondern gibt auch die Zeitschrift «Zukunftsblick» heraus und versorgt die Boulevardpresse, regionale Sender und Internetanbieter wie Yahoo oder AOL mit Horoskopen.

«Astro-TV» ist in 15 Millionen Haushalten zu empfangen und sendet täglich 20 Stunden live aus seinen Studios in Berlin, Düsseldorf und München. Die Zeitschrift verkauft sich gut: Jeden Monat gehen mindestens 80 000 Exemplare über den Kiosktresen.

Sein Kerngeschäft betreibt «Questico» allerdings mit Lebensberatung per Telefon. Laut «Spiegel» hat das Unternehmen über 1500 selbständige Lebensberater angestellt. In den Fernseh-Shows, wie etwa bei der Schamanin Annita Daigle von «Astro-TV», kostet das Gespräch 49 Cent pro Anruf. Dies sind jedoch nur Lockangebote. Wer mehr will, für den kann es richtig teuer werden. Am Festnetz dürfen die Berater maximal zwei Euro pro Minute nehmen. Wenn die Telekom ihren Anteil erhalten hat, bleiben dem Berater 60 Prozent. Der Rest geht an «Questico».

Beinahe jeder kann bei «Questico» als Medium seine Dienste anbieten. Der Chef des Unternehmens, Sylvius Bardt, erklärt gegenüber «Spiegel», wie die Berater ausgewählt werden: «Sie müssen uns erklären, was sie vorher gemacht haben – und warum sie meinen, jetzt Astrologe werden zu können. Wenn das Feedback von den Kunden allerdings nicht gut ist, schmeissen wir den Experten raus.»

Im vergangenen Jahr konnte «Questico» einen Umsatz von 45 Millionen Euro verzeichnen. Nach Angaben von Demoskopen glaubt jeder fünfte Deutsche an die vermeintliche Macht der Sterne – wider besseren Wissens.

Seit 20 Jahren nehme der Aberglauben in Deutschland ständig zu, weiss der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann. Er rechnet sogar damit, dass sich diese Astrologie zu einer regelrechten «Hochkultur» entwickelt. Auf die Veränderungen weist die deutsche Frauenzeitschrift «Woman» in ihrer Ausgabe vom 18. April hin. Ausdruck dieses Booms seien auch die Beschäftigtenzahlen beim Sender «Astro-TV».

«Woman» spricht von einer Esoterik-Sucht, der manche Frauen verfallen seien. 80 Prozent der Ratsuchenden sind weiblichen Geschlechts. Einige gäben bis zu 3500 Euro für die obskure Beratung bei selbsternannten «Zukunftsdeutern» aus. Nicht einmal die horrenden Kosten von «Beratungsnummern» schrecken ab.

«Besonders anfällig sind Menschen nach Trennungen oder Misserfolgen», erklärt Mic Schneider in dieser Zeitschrift. Beziehungs- und Liebesfragen stehen bei den Ratsuchenden an erster Stelle. Dazu kommen Ängste vor der Einsamkeit, vor Krankheit, Tod, Finanznot und Arbeitslosigkeit, bestätigt Gabriele Hirsch vom Esoterik-Portal «Lichtpfade».

Quellen: Kep/Pro/Spiegel online; erschienen in: factum 4/2006

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