Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Apfelbäume in blutiger Erde – die 68-er Falle

Das Ego ist in den westlichen Staaten Trumpf. Die Saat der 68er-Generation geht auf. Ein polemischer Blick ins Kellergewölbe der jüngeren Geschichte.

Daniel Regli

Nein, rosig sind sie nicht, die Zeiten. Ego ist Trumpf in der westlichen Welt. Ehen und Familien zerfallen epidemisch. Kinder werden abgetrieben, abgegeben, herumgeschoben, vereinsamen. Konsumwut, Sinnlosigkeit, Süchte und Krankheiten nehmen zu. Explodierende Sozialkosten bescheren dem Staat riesige Schuldenlöcher.

Verantwortlich für den familiären und finanziellen Raubbau ist primär die Politik der 68er. Studenten und Hippies haben 1968 eine Ernte eingefahren, die von der neulinken Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Marcuse, Fromm) gesät wurde. Sich stützend auf Marx und Freud hatte die Neue Linke seit den 1930er-Jahren an einer neomarxistischen Revolution gearbeitet. Mit hehren Worten versprachen sie den Menschen der westlichen Welt die totale Selbstverwirklichung. Unterstützt von einflussreichen Intellektuellen (Hesse, Sartre, de Beauvoir, C. G. Jung) lockten sie die Völker ins Paradies der liberalen Werte. Und sie kamen, die Massen. Verzückt tappten sie in die Falle. Tausende. Millionen.

«Freiheit, Gleichheit, Konsum» rufen farbig tanzende Leuchtschriften von jedem armierten Torbogen. Wer sich da niederlässt, dem winkt das grosse Gaudi. Kinder kriegen ein Handy und kommen ins Hortviertel. Schwangere und Schwerkranke werden von freundlichen Damen zu bereitstehenden Bussen geleitet. Gesunde Erwachsene beziehen eine moderne Einmensch-Wohnung mit übergrossem Flachbildschirm. Vergnügungs- und Einkaufskomplexe überbieten sich mit Angeboten. Werbeclips und Musikteppiche halten die Stimmung. In Schnellbleichen wird man von johlendem Publikum zum Star erkoren. Die Führer von Fallenland haben’s arrangiert. Tausend Drinks und Kicks. Wer noch Arbeit hat, bringt ausgelaugt sein eigenes Geld. Der Rest bezieht Rente und lässt sich bedienen. Kaum jemand schert aus. Spass ist verordnet. Wer Angst hat oder unter Einsamkeit leidet, kriegt Chemie.

Wer mochte 1968 schon an den Erfolg der Neulinken glauben? Gar schnell verebbten Demonstrationen, Krawalle, Kommunen und Pamphlete. Die bürgerlichen Eliten gingen wieder zur Tagesordnung über – während sich die 68er auf den «Marsch durch die Institutionen» verlegten. Unmerklich eroberten die Revoluzzer Schalthebel der Macht in Medien, Schulen, Universitäten, Kirchen, Kultur und Politik.

Mit dem exzessiven Egoismus als Leitwert fand «Links» bald einen willkommenen Partner bei «Pseudoliberal». So wurde die unselige, links-liberale Koalition geboren. Motto: Jeder soll tun und lassen, was ihm passt, und Väterchen Staat übernimmt die Defizitgarantie. In wenigen Jahren hat die Führung eine egomane, antiautoritäre Anspruchsgesellschaft errichtet. Doch das «Paradies» hat für viele seinen Zauber verloren. «Philosophieren» mag gratis sein. Leben kostet! Nun darben Gefangene unter der Last von Schuld und Schulden. Sie winden sich unter den Früchten ihres vermeintlichen Fortschritts. Einmal mehr frisst die Revolution ihre Kinder.

Lesen Sie den ganzen Artikel sowie ein Interview mit dem Autor in FACTUM 5/2006.

Das aktuelle Heft:
factum 1/2012


factum 1/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben