Meier: «Wir erleben eine Form von Erweckung»
(19. Dezember 2006) - In Deutschland werden gegen 25000 Schülerinnen und Schüler an evangelischen Bekenntnisschulen unterrichtet. In einem Interview mit dem Magazin FACTUM äusserte sich Berthold Meier, Vorsitzender des neugegründeten Verbandes der Evangelischen Bekenntnisschulen (VEBS) überzeugt, dass diese Entwicklung eine grosse geistliche und gesellschaftliche Dimension besitzt und deshalb besser wahrgenommen werden sollte.
Rolf Höneisen
Vor 25 Jahren bildeten die christlichen Privatschulen Reutlingen, Bremen, Giessen und Frankfurt die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Bekenntnisschulen (AEBS) als Plattform der Zusammenarbeit. Im Sommer 2006 wurde als Nachfolgeorganisation der Verband der Evangelischen Bekenntnisschulen (VEBS) gegründet. Heute werden in 70 Bekenntnisschulen mittlerweile gegen 25000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
Als staatlich anerkannte Ersatzschulen müssen auch an diesen christlichen Schulen die Unterrichtsinhalte der Bildungspläne der Staatsschulen umgesetzt werden. Dennoch gibt es Unterschiede – an Bekenntnisschulen wird der Lehrstoff in einen biblischen Deutungsrahmen gestellt.
Doch die aktuellen Ausseinandersetzungen um die August-Hermann-Francke Schule in Giessen zeigen, dass dies mitunter auch heftigen Widerspruch hervorrufen kann. Haben die evangelischen Bekenntnisschulen keine Angst davor, zunehmend in die Fundamentalisten-Ecke gedrängt zu werden? In einem Interview mit dem Magazin FACTUM erklärte der VEBS-Vorsitzende Berthold Meier, dass der Wissenschafts- und Bildungsbegriff in Deutschland immer noch „sehr stark ideologiebehaftet“ sei. Der VEBS werde deshalb in Zukunft vermehrt versuchen, die gute Qualität seiner Schulen bekanntzumachen, um solchen ideologisch begründeten Unterstellungen entgegenzuwirken.
Meier betonte zudem, dass eine Schule, deren Bekenntnis den Glauben an die Schöpfung durch Gott enthalte, sogar gegen die staatliche Genehmigungsvoraussetzungen verstosse, wenn sie beispielsweise im Biologieunterricht die offenen Fragen der Evolutionstheorie nicht behandeln und keine schöpfungstheoretischen Alternativen diskutieren würde.
Wie lässt sich der gegenwärtige gute Zulauf zu christlichen Schulen erklären? Einer guten Schule werde von vielen Eltern ein hoher Wert beigemessen, sagte VEBS-Vorsitzender Berthold Meier gegenüber FACTUM. Deshalb seien auch Eltern, die sonst keinen Zugang zu einer christlichen Gemeinde hätten, bereit, ihre Kinder an christliche Schulen anzumelden. Ein starker Anreiz sei auch die an christlichen Schulen vorgenommene Wertevermittlung: „Viele Menschen sind auf der Suche nach Ganzheitlichkeit und Sinn.“
Tatsächlich hätten die evangelischen Bekenntnisschulen in Deutschland gegenwärtig einen unerwartet breiten Zugang zur entchristlichten Gesellschaft. Berthold Meier: „Was wir gegenwärtig erleben, ist eine Form von Erweckung.“ Die Bedeutung dieser Entwicklung ist bislang aber wenig erkannt. „Die gewaltige geistliche und gesellschaftliche Dimension dieses Vorgangs wird von der evangelikalen Welt bisher noch kaum wahrgenommen“, stellt Berthold Meier fest.
Meier selbst stellt sein Leben seit über zwanzig Jahren in den Dienst christlicher Bildung. Weshalb dieses Engagement? Die Bildung habe „eine hohe Bedeutung im Zusammenhang mit dem, was Gott auf dieser Welt tut“. Und Berthold Meier ist überzeugt, dass die Gemeinde Jesu die vorrangige Verantwortung im Bildungsbereich trage.
Lesen Sie das Interview in FACTUM 9/2006.
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