Mit Madonna und Co. gegen Klimakiller
(factum, 11. April 2007) - Und schon sind sie eins: Die bislang nicht als Umweltschützer in Erscheinung getretenen Megastars der Rock- und Popmusik veranstalten am 7. Juli die grösste Party der Welt. „Live Earth“ soll das Thema des Klimaschutzes weltweit kommunizieren. Die Welt will sich mit ihren eigenen Mitteln retten.
Rolf Höneisen
Nachdem er den Klimaschutz ins Kino brachte, greift Al Gore zur nächsten grossen PR-Waffe: der Popmusik. Am 7. Juli 2007 wird die Crème de la Crème der aktuellen Pop- und Rockszene das grösste Musikereignis gestalten, dass jemals auf der Erde stattfand. Die Konzerte sollen in den grössten Stadien der Welt, verteilt auf alle Kontinente, stattfinden. In London, Sydney, Schanghai, Rio, Johannesburg und New Jersey wird die Musik, die nur unter gigantischem Material- und Energieaufwand zur Wirkung kommt, live zu hören sein, während die ganze Welt das Spektakel am TV oder PC-Bildschirm verfolgen kann. Selbstverständlich versprechen die Organisatoren „auf den Umweltschutz zu achten und alle Möglichkeiten zur Einsparung von Energie“ zu nutzen.
Angeführt von Madonna, Genesis, Red Hot Chili Peppers und den Beastie Boys werden über hundert Stars und Bands gegen die Erderwärmung ansingen. Die Stars sind Mittel zum Zweck: "Die Zusammenstellung der Künstler stellt sicher, dass Live Earth unser Ziel erreicht, Menschen aus der ganzen Welt zusammenzubringen, um die Klimakrise zu bekämpfen", erklärte Live-Earth-Gründer Kevin Wall, der für "Live Earth" die Umweltschutz-Kampagne "Save Our Selves" (Retten wir uns selbst) ins Leben rief.
Die breitenwirksame Übertragung soll Milliarden Menschen dazu bewegen, sich mit den Gefahren der Erwärmung der Erdatmosphäre durch Treibhausgase auseinanderzusetzen, schreibt „Spiegel online“. Das „Live Earth“-Konzert soll ein Symbol und Anstoss, sagte „Live Earth“-Initiator Al Gore. 130 Franken kostet das Ticket für das Konzert in London. Der Erlös fliesst grösstenteils in die von Al Gore vertretene Stiftung „Allianz zum Klimaschutz“.
Wird der Massenevent sein Ziel erreichen? Teilziele bestimmt: Die Party wird laufen, das Geld wird fliessen, Al Gore wird seine Ziele formulieren. Doch was sonst noch resultiert, das bleibt offen. Gore selbst relativiert die Wirkung des Konzertevents. Letztlich müssten Unternehmen und Regierungen zu weltweiten Anführern von entschlossenen Aktionen zum Stopp der Erderwärmung werden. Und Regierungen funktionieren – hoffentlich – anders als die durch Rhythmus nur allzu leicht zu begeisternde Masse gleichgeschalteter Jugendlicher.
„Save Our Selves“ – Retten wir uns selbst – wird immer mehr zum Programm der Menschheit, nicht nur im Bereich des Umweltschutzes. Die Klimadebatte wird stark geprägt vom Gedanken, dass es möglich sei, die Erde zu retten, wenn denn alle Menschen zusammenhielten. Eine ähnliche Linie zeigt sich auch im geistig-religiösen Bereich: Wenn alle einem Weltethos, dem kleinsten gemeinsamen Nenner aller Religionen folgen, dann schaffen wir Frieden auf Erden. Dieser Selbsterlösungsgedanke ist das hartnäckigste Bollwerk gegenüber der Botschaft des Evangeliums.
Veranstaltungen wie „Live Earth“ führen uns zudem vor Augen, dass es möglich ist, Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt mit einer Botschaft zu erreichen und zu verbinden. Diese Möglichkeit existierte vor zwanzig Jahren noch nicht. Heute ist sie Realität.
Was bei allem guten Willen und dem Kampf für eine gute Sache auffällt, ist die völlige Ignoranz Gottes. ER, der Schöpfer und Erhalter der Erde (vgl. Kol. 1, 16 und 18), ist kein Thema mehr. WIR, die Menschen, retten uns selbst. ER, der wahre Erretter, muss zurücktreten. Vor dieser Situation warnt die Heilige Schrift mit Nachdruck: „Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus“ (Kol. 2,8). Die „Gebote und Lehren von Menschen“ haben, so Paulus; „einen Schein von Weisheit durch selbsterwählte Frömmigkeit und Demut und dadurch, dass sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch“ (Kol. 2,23).
Das Motiv, mit Mensch, Tier und Pflanzen richtig umzugehen, darf nicht in Selbstsucht und Zukunftsangst wurzeln. Unser Umgang soll in der Gottesliebe verankert sein. Deshalb sollen wir zuerst nach dem trachten „was droben ist, nicht nach dem was Erden ist“ (vgl. Kol.3,2).
Gerade die Popstars sind leider die Vorreiter und Förderer der freien Sexualität und die Gegner eines christusgemässen Lebens. Nicht alle, aber viele unter ihnen präsentieren sich auf der Bühne als Sexsymbole; die „Choreografie“ ihrer Tänze und Bewegungen signalisiert immer nur das Eine, der wummernde Beat gibt den Takt an. Bei den Rappern und Rockern zeigt sich ein Hang zu Gewalt und Obszönität, Die „Show“ von Madonna grenzt zudem oft an Blasphemie. Die Jugend schützen solche Idole auf jeden Fall nicht. Jetzt wollen sie das Weltklima schützen.
Wer das Klima schützen will, soll auch das Herzensklima beachten. Es ist unpopulär, aber deshalb nicht weniger wahr: Christen verkörpern einen anderen Lebensstil. Ihre „Temperatur“ misst sich an den göttlichen Weisungen: „Haltet euch fern von Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit und falschen Leidenschaften. Seid nicht geldgierig, denn das ist Götzendienst. Wer so lebt, den wird Gottes schrecklicher Zorn treffen. Früher, als euer Leben noch von dieser Welt geprägt war, habt ihr euch so verhalten. Doch jetzt ist es an der Zeit, Ärger, Zorn, Bosheit, Verleumdung und schmutzige Reden aufzugeben. Belügt einander nicht, denn ihr habt eure alte, verdorbene Natur mit ihrem bösen Tun abgelegt und seid neue Menschen geworden, die ständig erneuert werden. Dies geschieht, indem ihr Christus immer ähnlicher werdet, so wie Gott es sich gedacht hat“ (Kol. 3,5 bis 10, NL).
In New Jersey soll auch Snoop Dogg im Rahmen von „Live Earth“ auftreten. Der 35-jährige Rapper mit richtigem Namen Calvin Broadus hat ein langes Vorstrafenregister. Aufgrund einer früheren Verurteilung wegen Drogenhandels darf er keine Waffen mehr besitzen. Trotzdem wurde im vergangenen Oktober eine Waffe und Marihuana in seinem Auto gefunden. Jetzt wurde er zu 800 Stunden gemeinnütziger Arbeit und fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Sein Anwalt Donald Etra soll gesagt haben. Snoop Dogg leide an Migräne und habe die ärztliche Erlaubnis, Marihuana zu rauchen.
Der Rapper verzichtete wohlweislich auf eine Anfechtung des Urteils. Im Falle eines Prozesses mit Schuldspruch hätten ihm bis zu vier Jahre Haft gedroht. So blieb er davor verschont und er kann sich am 7. Juli vor einem Milliardenpublikum profilieren.
Die Titelgeschichte von FACTUM 3/2007 befasst sich mit Aspekten der Klimadebatte.
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