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Namenlose Krieger

Kriegführung wird immer mehr von hochtechnologischen Entwicklungen geprägt. Es ist eine Frage der Zeit, bis Kampfroboter im Einsatz sind.

Thomas Lachenmaier

Im unwegsamen Gelände im afghanisch-pakistanischen Grenzland führt die US-Armee einen Hightech-Krieg. Mit ferngesteuerten Waffen und unbemannten Aufklärungsflugzeugen versuchen die Amerikaner zu erreichen, was ihnen seit Jahren trotz intensivster Bemühungen nicht gelingt und woran vor ihnen schon die Russen scheiterten: Sie wollen die Taliban endgültig besiegen und verhindern, dass die abgelegenen Bergregionen Rückzugsort von Terroristen sind.

Ihre wichtigste Waffe in diesem Krieg sind propellergetriebene UAVs (Unmanned Air Vehicle), die so genannten Drohnen. Dabei handelt es sich um computerisierte, unbemannte Flugobjekte von erstaunlicher Leistungsfähigkeit. Bestückt mit GPS, einem hochauflösenden Kamerasystem und kleinen Raketen sondieren sie das einsame afghanisch-pakistanische Grenzlandgebiet und greifen potentielle Gegner an.

Drohnen können in einer Höhe von bis zu 30 Kilometern fliegen und tagelang in der Luft sein. Mittels solcher Drohnen und einem vernetzten System aus Satellitenbeobachtung und Überwachungsflugzeugen in grosser Höhe können riesige Gebiete detailliert observiert und beherrscht werden. Da die Drohnen mit Waffen bestückt werden können, ist ein Distanzkrieg in Echtzeit möglich.

Der Soldat steuert diese Waffen aus grosser Ferne, von einem Flugzeugträger oder sogar von einem anderen Kontinent aus. Das Töten wird anonymisiert, die Schuldfrage an die vernetzten Computersysteme delegiert.

Der Konkurrenzkampf um die unbemannte Beherrschung militärischen Luftraumes ist längst entfacht. Sechs europäische Länder – Frankreich, Griechenland, Italien, Schweden, die Schweiz und Spanien – haben sich auf die Entwicklung eines unbemannten Kampfjets geeinigt. Die Maschine mit dem Projektnamen «Neuron» wird eine Spannweite von zwölf und eine Länge von zwölf Metern haben. Als Bewaffnung ist eine 250-Kilogramm-Bombe im Gespräch. Sie soll mit einer Geschwindigkeit von bis zu Mach 0,8, das sind etwa 950 Stundenkilometer, ins Zielgebiet gebracht werden können. Auch Indien hat ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm aufgelegt und verfolgt ehrgeizige Ziele im Bereich unbemannter Kriegsroboter.

Auch für den Einsatz im Häuserkampf werden Kampfroboter entwickelt. Auf der jährlichen Messe der «Association for Unmanned Vehicle Systems» in Washington werden die neuesten Entwicklungen vorgestellt. Futuristische Karbonflugzeuge, die aussehen wie Hubschrauber, Sportflugzeuge, flache Scheiben oder bewaffnete Eimer mit Sensorarmen und Propeller. Manche dieser Waffen starten senkrecht, andere werden von Lastwagen aus gestartet. Wieder andere sind so klein, dass sie im Rucksack getragen oder aus der Hand geworfen werden können.

Der Krieg in umkämpften Städten wird sich durch diese hochtechnologischen Waffen völlig verändern. Kleine Roboter, durch Fenster geworfen, werden den Gegner attackieren, schlangenförmige Exemplare arbeiten sich durch Ruinen, krabbeln unter Autos oder Treppen hoch. Die technologische Entwicklung verändert auch Landminen. Diese werden mobil. Sie suchen sich ihr Ziel und krabbeln zu einem aus der Ferne definierten Zielort.

Die Miniaturisierung der fliegenden Waffen und ihre Computerisierung ist der alles dominierende technologische Trend. Die Entscheidungsfindung verlagert sich dabei teilweise vom Soldaten zur computerisierten Waffe selbst, die zunehmend autonom wird. Dank der Nanotechnologie sind der Miniaturisierung kaum Grenzen gesetzt. Der Einsatz von ganzen Schwärmen winzigster Kampfroboter, die sowohl zur Aufklärung wie zum Kampf dienen, ist keine Science-Fiction-Vorstellung mehr.

Für die US-Soldaten im Irak ist der Einsatz automatischer Minipanzer, sogenannter Talons, eine alltägliche Erfahrung – und häufig auch eine lebensrettende. Diese miniaturisierten Kampfroboter spüren Sprengfallen am Strassenrand auf, die schon hunderten amerikanischen Soldaten zum Verhängnis wurden. Ausgestattet mit Videokamera, Nachtsichtgerät, Sensoren für Radioaktivität und chemische Partikel sowie Bordkanone sichern sie den Weg der Militärkonvois und sondieren die Strassen bei Patrouillen in Wohngebieten.

In den Verteidigungshaushalten der Länder in Ost und West werden gewaltige Summen bereitgestellt, um den «unbemannten Distanzkrieg» zu ermöglichen. Der Soldat, verletzlich und von begrenzter Zuverlässigkeit, wird auf allen Ebenen zunehmend ersetzt. Standardaufgaben wie etwa Transport von Waffen und Gütern in ungesichertem Gelände sollen schon bald ohne Soldaten bewerkstelligt werden.

Das Konzept «Future Combat System» der US-Armee sieht vor, dass ab 2015 solche Aufgaben von ferngelenkten und teils gänzlich autonomen Robotersys-temen erledigt werden. Der gewaltige Aufwand, mit dem Automobilhersteller daran arbeiten, fahrerlose Automobilsysteme zu entwickeln, ist weit fortgeschritten und bald einsatzreif. Er hat sicher auch militärische Beweggründe. Die Robustheit der Robotermaschinen und die Vielzahl der Einsatzmöglich­keiten macht sie für die Militärs so interessant.

Die Verletzlichkeit des Soldaten ist der Schwachpunkt jeder Kriegsführung. Das zeigt sich auch bei den Piloten von Kampfjets. Ihre Ausbildung dauert jahrelang und kostet gewaltige Summen. Und doch sind sie die Achillessehne im Einsatz. Die Beschleunigungskräfte, die in modernen Kampfflugzeugen entstehen, bringen die Piloten in Grenzbereiche dessen, was ein Mensch aushalten kann. Immer mehr Funktionen sind in modernen Kampfflugzeugen reaktionsschnellen Computern und automatischen Steuerungen überlassen.

Der Vision eines «sauberen Krieges» werden die neuen Technologien nicht dienen. Die zivilen Opfer bei den Einsätzen amerikanischer Drohnen in Afghanistan und Pakistan verdeutlichen dies. Immer wieder gerieten Gruppen von Unbescholtenen ins Visier der Kampfdrohnen. Eher taugt die neue Technologie zur Kontrolle von Grenzen und ganzen Ländern. Den sehenden und künftig auch hörenden Robotern wird kaum etwas verborgen bleiben.

Sicher ist auch, dass der technologische Vorsprung nur für eine begrenzte Zeit auf Seiten der hochtechnisierten Armeen sein wird. Es liegt auf der Hand, dass die Minimierung der Waffen sie gerade für Terroristen attraktiv macht. Und da Käuflichkeit ein Kennzeichen unserer Zeit ist und es den verschiedensten terroristischen Gruppierungen nicht an Geld mangelt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Terrorgruppen solche Waffensysteme einsetzen werden.

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