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Die Lade der Verzweiflung

Die Bundeslade war das Zeichen der Gegenwart Gottes unter seinem Volk. Sie enthielt die 10 göttlichen Lebensgebote. Die Uno beherbergt seit kurzem einen Holzkasten mit einer menschengemachten Charta. Die Pseudo-Bundeslade gilt als "Lade der Hoffnung".

von Rolf Höneisen

Die "Lade der Hoffnung" ist ein hölzerner Kasten. Mit 124,5 Zentimeter Länge und 81,3 Zentimeter Tiefe und Breite entspricht sie ziemlich genau den Massen der biblischen Bundeslade. Die Pseudo-Bundeslade wurde aus dem Stamm einer deutschen Platane herausgeschlagen. In ihr liegt die «Erd-Charta», ein Dokument, das in 16 Punkten vorgibt, wie eine künftige «gerechte und friedliche Weltgemeinschaft» aufgebaut werden soll – von Hand geschrieben auf ein Stück Papyrus. Ebenfalls darin enthalten sind über 300 von Hand gestaltete Büchlein mit guten Wünschen für die Erde. Gebaut worden war der schwere, symbolhaft bemalte Holzkasten ursprünglich für eine Feier der "Erd Charta" am 9. September 2001.

Die Idee des Holzkastens hatte Sally Linder. Sie zeichnete einen entsprechenden Plan, nach der Fertigstellung bemalte sie die Pseudo-Bundeslade. Dann kam der 11. September. Sallys Entsetzen über den Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon liess sie spontan reagieren. Zusammen mit zwei Gleichgesinnten packte sie die schwere Lade, um damit die 560 Kilometer nach New York zu marschieren. Dieser Pilgerzug, dem sich immer mehr Leute anschlossen, hatte das Uno-Hauptquartier in New York zum Ziel. Die Lade samt Inhalt sollte der Uno geschenkt werden.

Am Uno-Umweltgipfel in Johannesburg ist die "Lade der Hoffnung" schliesslich zeremoniell übergeben worden. Die Hoffnung ihrer Erfinder ist es, dass die «Erd-Charta» von möglichst vielen Staaten geholt und der Bevölkerung vorgestellt wird. Die Uno soll dazu die nötige Überzeugungsarbeit leisten.

In Johannesburg waren es der Millionär Maurice Strong, Co-Direktor der "Earth Charter Commission", sowie der sowjetische Ex-Präsident Michail Gorbatschow, die den 65000 Teilnehmern am "Earth Summit" den Holzkasten und ihren Inhalt wie eine Art neue Religion präsentierten.

Andrew Bolt beschrieb die Zeremonie im "Melbourne Herald Sun": "Am Freitagabend hielten die Delegierten eine ‘heilige Feier’ ab, um eine bemalte hölzerne Kiste zu ehren, die unter dem Namen ‘Lade der Hoffnung’ bekannt ist. Sie wurde nach Johannesburg transportiert, nachdem sie während zwei Monaten im Uno-Hauptquartier in New York zu besichtigen war. Es wurde darauf hingewiesen, dass die ‘Lade der Hoffnung’ Aufbewahrungsort der ‘Erd-Charta’ sei, die von Hand auf Papyrus geschrieben wurde. Die Lade enthält zudem heilige Bücher mit ‘Gebeten und Zusprüchen für die Erde’. Getragen wird sie mit zwei langen Stangen, die Einhorn-Hörner darstellen und von denen gesagt wird, sie würden Böses abwehren. Die 65000 Delegierten beugten sich zur Lade nieder und es wird gesagt, dass sie eine Bedeutung erlangen werde wie einst die biblischen Zehn Gebote. Die Lade enthält gegenwärtig 16 Gebote, die einst zum Weltgesetz werden sollen. Es wurde festgehalten, dass ‘die Erde selbst lebt. Sie ist unsere Mutter Erde’."1

Diese Aussagen belegen, dass es nicht mehr die 10 Gebote Gottes sind, die als Richtlinien für das Leben und Handeln des Menschen hochgehalten werden. Der "Erd-Charta", einem humanistischen Manifest, wird mehr Wirkung beigemessen. Wird die «Lade der Hoffnung» eines Tages in Jerusalem stehen, das dann zumal als internationale Hauptstadt fungieren wird?

Mit den biblischen Endzeitaussagen vertraute Zeitgenossen warnen davor und erinnern an Bibelstellen wie Matthäus 24,15: "Wenn ihr nun den ‘Gräuel der Verwüstung’, von dem durch den Propheten Daniel geredet worden ist, an heiliger Stätte stehen seht – wer es liest, der merke auf! – dann sollen die in Judäa ins Gebirge fliehen ..."

Welche Bedeutung hatte die alttestamentliche "Bundeslade"? Sie war der Aufbewahrungsort der Tafeln mit den Geboten des Allmächtigen (vgl. 1. Kön. 8,9 und 2. Chr. 5,10) und der sichtbare Ausdruck des Bundes Gottes mit Israel. Der mit Gold überzogene Kasten, auf dem sich zwei Engelwesen gegenüberstanden, repräsentierte Gottes Gegenwart auf Erden. Ihr Platz war im Allerheiligsten des Zeltes der Begegnung (Stiftshütte) und später im Tempel zu Jerusalem. Die Bundeslade bestand aus Akazienholz und war 1 Meter 10 lang sowie 70 Zentimeter breit und hoch (2. Mose 25,10ff.).

Als Zeichen der Gegenwart des Herrn wurde sie von den Priestern dem Volk Israel auf seinen Wanderungen durch die Wüste vorangetragen. Sie gab die Richtung und die Lagerplätze an (vgl. 4. Mose 10,33). Auch bei Kampfhandlungen war die Lade sichtbar. Umliegende Völker betrachteten deshalb die Bundeslade als den Gott Israels (vgl. 1. Sam. 4,6 und 7). Im neuen Tempel in Jerusalem stand sie in der Mitte des Allerheiligsten, zwischen zwei grossen Cherubim-Gestalten (vgl. 1. Kön. 8).

In Jeremia 3,16 wird vorausgesagt, dass die Lade des Bundes in der Zukunft weder vorhanden noch nötig sein wird. Schon im Tempel der nachexilischen Zeit fehlte die Lade, das Allerheiligste war leer.

850 Jahre lang war die Bundeslade das sichtbare Zeichen der Gegenwart des Herrn für sein Volk gewesen. Nach weiteren 600 Jahren erschien der Herr selbst, «zeltete» auf Erden und wurde die Erfüllung des Bundes und des Gnadenstuhls (Röm. 3,24–25). Christus realisierte, wofür im Alten Testament die Lade als Zeichen gestanden hatte: Er ist die Gegenwart des lebendigen, heiligen, richtenden und gnädigen Gottes.

Die jetzt bei der Uno deponierte "Lade der Hoffnung" basiert auf menschlichen Vorstellungen, die nicht mit Christus rechnen. Die "Erd-Charta" wird die Menschheit nicht in den Frieden führen. Die Gebote Gottes bleiben bestehen. An ihnen werden wir einst gemessen werden.

In Offenbarung 11,19 wird Johannes ein Blick in den Himmel gewährt. Dabei sieht er auch die Bundeslade als sichtbares Zeichen, dass Gott jetzt zu Ende führen wird, was er einst in dem Bund mit seinem Volk verheissen und zugesagt hat.

1 The Melbourne Herald Sun, 2. September 2002, Andrew Bolt

Das Thema im Internet:
Ark of Hope
Earthcharter

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