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Genesis-Land in Sicht?

Genesis-Land ist das verwegenste christliche Projekt seit Jahren. Der biblische Themenpark ist eine Gratwanderung zwischen Kommerz, Kitsch und Glauben.

Rolf Höneisen

Es steht in Stein gemeisselt über einem grossen Tor: Genesis-Land. Darüber spannt sich ein Regenbogen, der sich rechts hinter einer fliegenden Taube auflöst. Das Tor ist der Zugang in eine andere Welt. Blickt man vom Eingangstor in Richtung Parkmitte, fallen zuerst die grosse Arche, dahinter eine hohe Säule und noch weiter hinten der «Turm zu Babel» auf.

Die Besucher von Genesis-Land erleben eine Reise durch die Zeit. Es ist ein Gang durch die Menschheitsgeschichte, wie er als roter Faden durch die Bibel verläuft. Die Bauten, Bahnen und Präsentationen spannen einen historischen Bogen vom Beginn der Schöpfung an mit dem Garten Eden, über die Urgeschichte bis zur globalen Flut, dem Turm zu Babel, der Stadt Ur, Ägypten, der Stiftshütte, Salomos Tempel und Babylon bis hin zu einem in vier Blütenblättern gestalteten Pavillon, welcher der zentralen Figur der Menschheitsgeschichte gewidmet ist – Jesus Christus.

Zum neutestamentlichen Bereich zählen ein Relief des Landes Israel, ein römisches Amphitheater, ein zwölfsäuliger, den Aposteln und ihrem Wirken gewidmeter Kuppelbau, dann ein weiterer Rundbau, in dem die sieben Sendschreiben aus der Offenbarung beschrieben werden. Höhepunkt zum Schluss ist der Pavillon «Feuer/Endzeit». In ihm werden das Öffnen der sieben Siegel, das Gericht und der neue Himmel und die neue Erde dargestellt. Damit schliesst sich der Kreis des in der Bibel beschriebenen Verlaufs der Geschichte der Menschheit.

Doch Genesis-Land gibt es noch nicht. Es steckt erst in den Köpfen seiner Vordenker. Materiell besteht es aus einer reich illustrierten Vorstudie in Buchform, einer DVD, Modellen von Arche und Pavillons sowie einem Übersichtsplan.

Wer sich Genesis-Land auch nur ansatzweise in der Realität vorzustellen versucht, spürt rasch die gigantische Dimension dieses Vorhabens, das auf der Welt seinesgleichen sucht.
Genesis-Land soll weder Museum, noch statische Ausstellung im Stil des kürzlich wegen Besuchermangels geschlossenen Mystery-Parks in Interlaken werden. Es ist als Themenpark mit viel Aktion konzipiert, am ehesten noch vergleichbar mit dem Europa-Park im deutschen Rust.

So soll im Genesis-Land die Urgeschichte während einer Bootsfahrt vermittelt werden. Die Welt der Dinosaurier erkundet man per Dino-Bahn. Die Sintflut wird unter multimedialem Donner und Tsunami-Wellen simuliert und gleich daben lassen sich die Wasser der grosesn Flut in unbarmherzigen Auf und Ab einer Achterbahn erleben.

Im Inneren des Turms zu Babel lässt eine Bahn die Menschen bis zu den Wolken steigen, nur um sie desto heftiger wieder hinunterfallen zu lassen. Auch die «Himmelsleiter» in Jakobs Traum wird als Action-Turm geplant, mit dem Menschen auf- und niedersteigen. Per Boot geht es vorbei an Babylon, ägyptischen Palästen und an der Arche in Originalgrösse.

In ihr befinden sich unter anderem die Ställe all jener Tiere, die sich tagsüber im Streichelzoo tummeln und den erhofften Tausenden von Besucherinnen und Besuchern das Popcorn aus den Tüten naschen.

Anfangs 2005 berichtete FACTUM erstmals über die Idee des biblischen Themenparks. Damals stand der Bau der Arche Noah in Originalgrösse mit weiteren Attraktionen im Vordergrund. Diese Idee wurde nun konkretisiert und ausgeweitet zu einem eigentlichen Freizeitpark.

Marion Carigiet-Riesen, Verwaltungsratspräsidentin der Genesis-Land AG, erklärt, dass die ursprüngliche Idee der Arche als Kultur- und Begegnungszentrum als zu wenig attraktiv eingeschätzt worden sei. «Bei heutigen Themenparks muss in grösseren Dimensionen gedacht werden.»

Zu dessen Realisierung wurde die Genesis-Land AG mit Sitz in Jona und einer Zweigniederlassung im liechtensteinischen Vaduz gegründet. Der kreationistische Verein ProGenesis und das Freizeitpark-Projekt Genesis-Land sind damit juristisch zwei verschiedene Unternehmungen.

Genesis-Land ist konzipiert als Zeitreise durch die Geschichte – von der Schöpfung bis zur Vollendung – ganz der göttlichen Offenbarung folgend.

«Wir möchten die biblische Geschichte und Botschaft auf moderne, erlebnisreiche Art vermitteln und sind überzeugt, dass die Menschen von heute auf diese Art der Wissens- und Erlebnisvermittlung ansprechen und diesen Themenpark deshalb auch besuchen werden», meint Gian Luca Carigiet vom Verein ProGenesis und Autor des Buches «Von Ewigkeit zu Ewigkeit». Beim Reden über Genesis-Land gerät er leicht ins Schwärmen.

Das Konzept des angestrebten Themenparks setzt die biblischen Berichte als historisch wahr voraus. In der inzwischen ausgearbeiteten Vorstudie steht: «Für die Gestaltung der Ausstellungen und Attraktionen des Themenparks wird der Text der Bibel wörtlich und ohne theologische Interpretationen verstanden und dargestellt.»

Obwohl – oder gerade weil – sich Genesis-Land auf die Bibel beruft, sorgt das Konzept in christlichen Kreisen für Kontroversen. Die Verknüpfung von Bibel und Action, Besinnung und Fun ist umstritten. Führt der Adrenalin-Ritt auf der «Himmel-und-Hölle»-Bahn tatsächlich ins Nachdenken über die eigene Verlorenheit? Geht im Lärm eines Freizeitparks, den man bislang nur unter dem Vorzeichen des familiären Spasses besuchte, nicht jede Ernsthaftigkeit, geschweige denn Sündenerkenntnis, unter?

Was, wenn derjenige, der vom Kreuzestod Jesu berührt wurde, schon fünf Minuten später im Rausch der Achterbahnfahrt wieder alles vergisst?

Die Christenheit ist in Bezug auf Freizeitgestaltung und -angebote keine gemeinsam marschierende Gruppe. Für etliche ist Vergnügen Zeitverschwendung und nicht mit dem christlichen Leben in der von Satan verführten, gefallenen Welt vereinbar. Unterhaltung und Ablenkung gelten als verpönt. Die Verkündigung des Evangeliums soll alleine durch die Predigt des Wortes geschehen. Andere Christen verhalten sich pragmatischer und trennen Achterbahnfahrten einfach von ihrer christlichen Überzeugung ab. Vergnügungsparks werden zwar besucht, gelten aber als durch und durch weltliche Institutionen. Passen Glaubensthemen in einen Freizeitpark?

Vereinnahmen will Genesis-Land nicht. Allein die thematische Gestaltung des Parks soll für sich sprechen. Genesis-Land will den Plan Gottes mit den Menschen visualisieren, aufzeigen und erlebbar machen. Gian Luca Carigiet von der Genesis-Land AG: «Wir sind überzeugt, dass die Menschen heute auf diese Art der Wissensvermittlung ansprechen werden.»

In der Vorstudie für Genesis-Land steht, man wolle mit diesem Themenpark «die Herzen der Menschen für Gott und Jesus Christus öffnen, um sie damit in die Lage zu versetzen, die Frohe Botschaft zu verstehen und auch anzunehmen.“

Dafür sorgen sollen die gewählten Themen und modernste Technik. Man wolle eine Erlebnis- und gleichzeitig eine Besinnungsstätte «für die breite Öffentlichkeit» schaffen.

genesis-land.ch

Lesen Sie den ganzen Artikel in FACTUM 1/2007, Seiten 20 bis 25.

Was meinen Sie zur Idee eines biblischen Themenparks? Schreiben Sie Ihre Meinung an die FACTUM-Redaktion: redaktion@factum-magazin.ch Betreff: Genesis-Land

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