Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

USA: Film über Wilberforce im Kino

(23. Februar 2007) - Heute startet in den USA der Film „Amazing Grace“ in den Kinos. Er zeigt die Geschichte des christlichen Politikers William Wilberforce, der sich hartnäckig und erfolgreich für die Abschaffung der Sklaverei im britischen Reich.

Rolf Höneisen

Die britische Anti-Sklavereibewegung sorgte für eine der wichtigsten gesellschaftlichen Umwälzungen im 19. Jahrhundert. Das besonders ist bemerkenswert, weil die Briten im 18. Jahrhundert die Versklavung von Afrikanern zu einem eigentlichen System perfektioniert hatten. Nach Schätzungen brachten britische Händler zwischen 1700 und 1810 gegen drei Millionen Afrikaner über den Atlantik. Die britische Wirtschaft profitierte in grossem Masse von den Sklaven. Es ist fast paradox - oder bezeichnend? - dass es später ebenfalls die Briten waren, die den den Kampf gegen die Sklaverei anführten und dieses menschenverachtende System stoppten.

Schon als 21-Jähriger wurde William Wilberforce (1759-1833) ins britische Parlament gewählt, wo er aber ohne Einfluss war und auch wenig Interesse an der Politik an den Tag legte. Das änderte sich im Jahr 1784 vollständig. Durch das Lesen des Neuen Testaments und Gesprächen mit Christen begann er richtig über Gott und die Menschen zu denken. Er änderte seinen zuvor ausschweifenden Lebensstil. Fortan suchte er den Willen Gottes für sein Leben. Erst wollte er Pfarrer werden, doch seine Freunde waren überzeugt, dass sein Platz in der Politik war. Sie erkannten das Redetalent und die Durchsetzungskraft des jungen William Wilberforce schon damals. Er begann, sich mit Gesellschaftsfragen auseinanderzusetzen. Und schon bald setzte er sein ganzes Leben für das eine grosse Ziel ein: Die Abschaffung der Sklaverei im britischen Empire. Ein Ziel, das damals unerreichbar schien. Die Skalven galten als das Lebensblut der Wirtschaft.

Einer der geistlichen Mentoren von William Wilberforce war John Newton, ein ehemaliger Sklavenhändler, der sich zu Christus bekehrte. Newton ist der Autor des weltbekannten Liedes „Amazing Grace“, das auch den Filmtitel bestimmte. Die Begegnung mit Newton und anderen Evangelikalen prägte Wilberforce. Auch er ging eine persönliche Beziehung zu Gott ein. Denn neu gefundenen Lebensinhalt setzte er in der komplexen Welt der Politik um. Für ihn stand fest, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, nach Gottes Bild geschaffen und damit voller Würde. Redegewandt kommunizierte er diese Wahrheit im britischen Parlament. Der Kern des christlichen Glaubens – Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst – war, solange Wilberforce lebte, immer wieder ein Thema in der britischen Gesellschaft.

Auf einer Parlamentssitzung 1789 beantragte Wilberforce zusammen mit William Pitt die Abschaffung des Sklavenhandels. Der Antrag wurde erst nach drei Jahren, 1792, angenommen, die Einstellung des Handels auf das Jahr 1795 festgelegt. Doch die politische Lage setzte andere Schwerpunkte. Der Krieg und die gefährdete Lage der Kolonien gingen vor.

Wilberforce gab nicht auf. 1807 wurde ein neues Gesetz gegen den Sklavenhandel angenommen, der dann vom 8. Januar 1808 an im ganzen britischen Machtbereich verboten wurde. Doch damit sah er seinen Auftrag noch nicht als beendet an. Er begann sich für ein Verbot des menschenunwürdigen Sklavenhandels in der ganzen zivilisierten Welt einzusetzen. Auf seine Veranlassung hin brachte Lord Castlereagh die Angelegenheit auf dem Wiener Kongress zur Sprache. Daraufhin verpflichteten sich auch Frankreich, Spanien und Portugal zum Verbot des Sklavenhandels.

Das war gut, aber in den Augen von William Wilberforce immer noch zu wenig. Er wollte die Abschaffung der Sklaverei als solche weltweit, alle Leibeigenen sollten frei kommen. Jahrelange politische Kämpfe folgten. 1823 beschloss die britische Regierung das Eintreten auf seine Anträge. Wilberforce hatte sein Ziel erreicht. Gesundheitlich geschwächt zog er sich 1825 aus der Politik zurück. Er starb am 29. Juli 1833 in Chelsea.

Im Vergleich dazu: Die Sklaverei in den USA dauerte um Jahrzehnte länger und deren Abschaffung erfolgte erst nach einem blutigen Bürgerkrieg.

Jetzt wurde Wilberforces Leben verfilmt. „Amazing Grace“ zeigt, wie eng verbunden bei Wilberforce der christliche Glaube und sein Einsatz für die Gerechtigkeit waren. Wilberforce ist ein herausragendes, mutmachendes Beispiel dafür, was ein einzelner Mensch, der sein Ziel im Willen und in der Kraft Gottes hartnäckig verfolgt, erreichen kann.

In den USA unterstützen viele christliche Organisationen die Ausstrahlung des Films. Ob und wann der Film in Europa läuft, ist noch offen.

Das aktuelle Heft:
factum 1/2012


factum 1/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben