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EKD und Islam: Mission schliesst Dialog nicht aus
(13. März 2007) - Ein für den 6. Februar 2007 vereinbartes Treffen mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands wurde von Seiten islamischer Spitzenverbände abgesagt. Sie begründeten ihren Schritt mit aus ihrer Sicht irritierenden Aussagen der EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“, in der darauf hingewiesen wird, dass der Dialog mit Muslimen die Mission unter ihnen nicht ausschliesse. Anstoss nahm man vor allem am missionarischen Selbstverständnis der evangelischen Kirche.
Rolf Höneisen
„Offensichtlich erwarten Vertreter muslimischer Spitzenverbände vom Dialog mit Christen eine Verzichtserklärung in Sachen Mission“, erklärt Reinhard Hempelmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Denn in der Islamischen Zeitung (Ausgabe Nr. 136, Februar 2007) stand: „Dialog und Mission schliessen sich aus“. Im Artikel wurde über den empfindlichen Dämpfer berichtet, den der christlich-islamische Dialog bekommen habe. Der Dialogbeauftragte der DITIB, Bekir Alboga, meinte im Blick auf den Orientierungstext der EKD: „Man kann die Handreichung als eine Aufforderung zur Mission lesen“. Er fügte hinzu: „Mir scheint, dass unsere Beziehung zur EKD von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit in ein Konkurrenzverhältnis umgeschlagen ist.“ Alboga geht es um die EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft – Christen und Muslime in Deutschland“. Für Reinhard Hempelmann ist die muslimische Irritation „nicht plausibel“. „Muslime nehmen für sich selbstverständlich in Anspruch, dass Religionsfreiheit auch Missionsfreiheit bedeutet. Sie werben für ihre Religion. Sie weisen mit Nachdruck darauf hin, dass Muslim-Sein nicht nur eine Sache nationaler oder kultureller Zugehörigkeit ist, sondern dass jeder und jede eingeladen ist, den muslimischen Glauben anzunehme“, schreibt Hempelmann in einer Stellungnahme.
Erst kürzlich habe das Soester Zentralinstitut Islam-Archiv darauf hingewiesen, dass im Jahre 2006 ca. 4000 Menschen zum Islam konvertiert seien, entschieden mehr als in den Jahren zuvor. Hempelmann: „Sofern die Einladung zu einer Religion im unbedingten Respekt gegenüber der Würde und Freiheit des anderen geschieht, ist daran nichts zu beanstanden. Man misst jedoch mit zweierlei Mass, wenn von Christen erwartet wird, auf die christliche Einladung zum Glauben an den dreieinigen Gott zu verzichten.“ Beide, Christentum wie Islam seien missionarische Religionen, in ihrer Begegnung treffen „Endgültigkeitsansprüche“ aufeinander.
Deshalb lasse sich die Begegnung der christlichen Kirchen mit dem Islam nicht auf den Dialog und die gute Nachbarschaft reduzieren. Zu ihr gehöre unverzichtbar das christliche Zeugnis, das auf die göttliche Selbstmitteilung in Jesus Christus und im Wirken des Geistes verweist. Eine unklare und zaghafte evangelische Identität, die darauf verzichtet, die missionarische Dimension des eigenen Selbstverständnisses auszusprechen, helfe niemandem. Hempelmann: „Differenzen zwischen Christentum und Islam dürfen weder heruntergespielt werden noch das Ende der Kommunikation bedeuten. Wir brauchen vielmehr eine Neuorientierung des Dialoges im Sinne einer respektvollen Streitkultur und eines interreligiösen Realismus. Selbstrelativierung stellt keine überzeugende Strategie dar, Differenzen auszuhalten und Toleranz einzuüben.“
Die Religionsbegegnung habe unterschiedliche Ebenen, die zusammengehörten: Zusammenleben, Dialog, Mission. „Eine erkennbare christliche Identität ist nicht Störung, sondern Voraussetzung für eine weiterführende Begegnung mit Vertretern einer Weltreligion, die mit klaren dogmatischen Aussagen und konkreten pragmatischen Erwartungen auf Unterstützung ihrer Rechtspositionen in den Dialog eintreten“, schreibt der EZW-Leiter. Dieser Linie folge auch die vom Rat der EKD herausgegebene Handreichung.
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