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Ben Stein ist so frei

Wie entstand das Leben? Ben Stein befragte Wissenschaftler von Lennox bis Dawkins. «Expelled» ist eine Dokumentation, die es in sich hat. Die Forschungsfreiheit ist bedroht.

Rolf Höneisen

Ben Stein ist in den USA eine bekannte Grösse. Der ehemalige Redenschreiber der Präsidenten Nixon und Ford ist Schauspieler, Anwalt und Kolumnist. Nichts geht dem Juden mehr gegen den Strich als die Einschränkung der Rede- und Meinungsfreiheit. Mit dem Film «Expelled – Intelligenz streng verboten» will er öffentlich machen, wie eine elitäre Wissenschaft in der Ursprungsfrage die Evolutionstheorie heiligt und neue Denkansätze, allen voran Intelligent Design, abwürgt. Wer hier nicht mitmacht, wird ausgeschlossen, «auf die andere Seite der Mauer» gestellt. Diese «Mauer» wird im Film regelmässig eingeblendet, und zwar in Form der Berliner Mauer. Im Vorspann werden Szenen aus dem Dritten Reich gezeigt. Was Stein damit bezweckt, zeigt sich später im Verlaufe des Films.

Anhand von Beispielen weist Stein nach, wie fachlich anerkannte Naturwissenschaftler wie Richard Sternberg oder Giullermo Gonzalez entweder ihre Stelle verloren oder eine Position nicht erhielten, weil sie im Bereich der Ursprungsfrage auch das Konzept des «Intelligent Design» in die Diskussion miteinbezogen. Ben Steins Fazit: Im Bereich der Wissenschaft darf längst nicht mehr jeder Forscher sagen, was er denkt. Im Hintergrund tobt ein weltanschaulicher Krieg. Stein schildert die Situation in den USA, in der Gerichte eingeschaltet werden und das Thema eine gewisse öffentliche Beachtung hat. In Europa ist im Vergleich tiefster Winter, die Mauer des Schweigens noch dicker und höher.

Die Diskussion um Intelligent Design wird unterdrückt. Die Forschungs- und Meinungsfreiheit ist nicht gewährleistet. Selbst in den USA wird gemauert, ohne zu argumentieren. Die Ablehnung erfolgt pauschal. Die Rede ist von «Schwindel» und «Unsinn». Andere sagen offen, dass sie die ID-Diskussion fürchten, weil so der Kreationismus in die Schulen dränge und «schon morgen haben wir wieder Gebete dort».

Am Discovery Institute wird Ben Stein erklärt, dass es bei ID nicht um Religion gehe, sondern darum, dass die Evolutionstheorie in entscheidenden Punkten versage. ID untersuche Strukturen in der Natur, «die Intelligenz erfordern».

Die Stärke dieses Films: Stein bringt die wesentlichen Exponenten der jeweiligen Überzeugung vor die Kamera: Stephen Meyers, Jonathan Wells, David Berlinski, John Lennox, aber auch Richard Dawkins, Eugene Scott und andere strikte Evolutionsvertreter – und Stein stellt ihnen die entscheidenden Fragen. Die knappen Antworten bringen die wesentlichen Denkrichtungen auf den Punkt und lassen aufhorchen. So, wenn der Journalist Witham sagt: «Die Evolutionstheorie ist das stärkste Zugpferd für den Atheismus.» Und Dawkins dann bestätigt, dass das Studium der Evolutionstheorie ihn von Gott weggeführt habe.

Etwas gewöhnungsbedürftige Schwarzweiss-Einspielungen spitzen jeweils die Auswirkungen der zuvor gemachten Aussagen zu.

Die im Laufe des Films wiedergegebene Fülle an Informationen, Namen und Begriffen ist riesig. Weniger wäre wohl mehr gewesen. So beleuchtet der Abschnitt über die Verbindung Darwinismus, Eugenik, Drittes Reich ein wichtiges Thema, lenkt aber insgesamt eher ab von der Kernfrage.

Ein Höhepunkt ist das abschliessende Interview mit dem Autor des Bestsellers «Der Gotteswahn», mit dem Atheisten Richard Dawkins. Allein dieses Gespräch lohnt diesen Film. Noch einmal stellt Ben Stein die Grundsatzfrage: «Wie entstand das Leben?» Die Antworten des Gottesleugners sollten möglichst viele mit eigenen Ohren hören, bedenken und sich dann die Frage stellen: Was glaube ich – ist das Leben das Ergebnis eines ungezielten Prozesses oder intelligent geplant?

Ben Stein: Expelled. Intelligenz streng verboten. DVD, 95 Min., dt. Erstauflage 2010, ISBN 978-3-936344-53-0, Drei Linden Film, Berlin.
www.intelligenz-streng-verboten.de

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