Sternenkrieg zum Letzten

„EPISODE III“. Im neuen und letzten Star-Wars-Film erfahren wir, wie es kam, dass das Imperium über die Jedi triumphierte.
von Bruno Graber und Rolf Höneisen
1976 begann George Lucas gegen den Widerstand der «alten» Mächte in Hollywood mit seinem Science-Fiction-Märchen „Star Wars“. Was immer man von der skurrilen Mischung aus kindischen, visionären und kriegerischen Elementen halten mochte - eine Generation lernte durch „Star Wars“ das Kino neu kennen. Der Film wurde zum Ereignis.
Aus „Star Wars“ wurde schliesslich ein gigantischer Erzählkoloss: Nach der ersten Trilogie folgten Trickfilme, Bücher, Computerspiele. Erst 16 Jahre später nahm Lucas, dem seine Schöpfung mittlerweile zu entgleiten drohte, den Faden selbst wieder auf und inszenierte eine Trilogie über die Vorgeschichte, deren letzter Teil nun Abschluss und Überleitung zum ersten Film ist.
“Episode III - die Rache der Sith“ schildert, wie aus dem Jedi Anakin Skywalker der böse Darth Vader wird. Die Gleichzeitigkeit von Chaos und Kontrolle werden dabei ins Absurde gesteigert. Alles stürzt, gleitet, fliegt. Es gibt keine Dialog-Szene ohne Durchblick auf einen total überfüllten Himmel. Aber je mehr Maschinen das Bild füllen, desto mehr fällt auf, was fehlt: In diesem Film gibt es keine Menschen, sondern nur ein grosses, pathetisch zelebriertes Comic-Shakespeare-Drama kosmischen Ausmasses, und es gibt Krieg. Die Schlagwörter „Republik“, „Imperium“ und „Macht“ werden ausgerufen, aber nicht von Subjekten repräsentiert. Trotzdem wird der neue Film von den Kritikern als der wohl beste gelobt.
George Lucas war clever genug, zum Abschluss seines Werkes noch einmal sein Credo auszubreiten. Anakin Skywalker und Kanzler Palpatine sprechen über die Macht und ihre dunkle Seite. Über Tod und Verrat. Über die Zukunft. Die Jedi seien gut, erklärt Anakin Skywalker, der bereits in schwarz gekleidet ist. Doch sogleich relativiert der Kanzler: "Das Gute hängt vom Blickwinkel des Betrachters ab." George Lucas setzt auf die Kraft des Melodramas, Schritt für Schritt verfängt sich sein naiver Held im Spiralnebel aus verzweifelter Liebe, Machtverlangen und politischer Dummheit.
Was fasziniert die Menschenmassen an diesen Filmen, dass einige sogar von einer Star-Wars-Religion sprechen? „Wir fühlen uns als Jedi-Ritter", teilte zum Beispiel Luke Housego per E-Mail den Lesern des Magazins „Wired „mit: "Star Wars gibt uns Spiritualität. Es ist genauso, wie über die Bibel, den Koran oder die Torah nach einem höheren Selbst zu suchen. Mystik habe ich von Obi-Wan gelernt, nicht von Johannes dem Täufer."
Hauptthema aller Star-Wars-Filme ist der Kampf zwischen Gut und Böse. Sowohl die gute Seite, als auch die böse Seite sind erfüllt von "der Macht", die sie jeweils unterschiedlich nutzt und einsetzt. "Die Macht" ist die eigentliche Grundlage des Films, sozusagen sein Ethos. Sie bestimmt den Lauf der Dinge im Star-Wars-Universum und befähigt Menschen bzw. andere Wesen, spezielle Fähigkeiten zu entwickeln: "... sie umgibt uns, durchdringt uns, sie hält die Galaxis zusammen ... sie ist überall." Das klingt fast schon biblisch. Wie die „Macht“ in Star Wars ist Gott immer um einem, umgibt die Menschen, spendet Kraft und Hoffnung (vergleiche Psalm 139).
Die Botschaft in den Filmen lautet: Die "dunkle Seite der Macht" ist derart mächtig, dass sie auch den besten Menschen zu korrumpieren vermag. Doch der Auserwählte soll das Böse nicht bezwingen, da das Böse immer existieren wird und unbezwingbar bleibt. Er soll vielmehr den Ausgleich schaffen zwischen Gut und Böse. Die zwei Mächte sollen im Einklang miteinander stehen. Die östlichen Philosophien lassen grüssen, alle damit verknüpften Lehren der Selbsterlösung auch.
Die „Macht“ stellt die zentrale Grösse in den Star-Wars-Filmen dar. An der Beziehung der Protagonisten zur "Macht" entscheidet sich das Geschick der ganzen Galaxis. Die „Macht“ ist eine Gottheit ohne Geschichte. Sie ist nicht eine Zusammenfassung der Taten Gottes, wie es die christliche Theologie in der Trinitätslehre zum Ausdruck bringt, sondern vielmehr eine .36.esoterische Gottheit.37.. Wer an ihr partizipiert, kann Laserschwerter oder Raumschiffe schweben lassen, sich also über die Gesetze des Raumes hinwegsetzen.
Ausserdem gibt die "Macht" die Möglichkeit, nicht von der "Macht" erfüllten Menschen den eigenen Willen telepathisch aufzuzwingen. Mittels dieser Fähigkeiten ist der, der die Macht bewirken kann, den anderen Menschen überlegen.
Christentum und Taoismus, Technologie und Mystizismus - Lucas liefert einen religionsgeschichtlichen Mischmasch und greift dabei auch in die Mottenkiste Hollywoods. Das Rennen der Streitwagen aus Ben Hur (Episode I) kommen bei ihm ebenso vor, wie die Schlachtenszenen aus Spartacus.
George Lucas schuf ein Science-Fiction-Universum aus unterschiedlichsten religiösen Aspekten. Sein Konzept kommt an. Lässt sich daraus ableiten, dass die Sehnsucht nach Transzendenz, nach dem Unsichtbaren, nichts an Faszination verloren hat?
Das Bedürfnis nach religiösen Themen belegt letztlich die menschliche Sehnsucht nach der Begegnung mit unserem Ursprung - nach Gemeinschaft mit dem Schöpfer-Gott. Damit der Unendliche auch persönlich wird, sandte er seinen Sohn zur Erde. Durch Glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen Jesus wird die Rückkehr zum himmlischen Vater möglich (vgl. Joh. 3,16). Wir brauchen einen Vermittler, der in die Bresche zwischen uns und Gott tritt. Er selbst löst unser Problem der Sünde.
Dass diese Botschaft der einzige Weg zur Befreiung ist, wissen wir nicht zuletzt auch aus den „Star Wars“-Episoden. Denn diese zeigen uns drastisch, wie das Böse auch im „besten“ Menschen steckt und wir deshalb der Erlösung bedürfen.
Quellen: Livenet.ch; factum 4/2005
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