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"Die Weltanschauung entscheidet"

Er hat bei Stephen J. Gould Paläontologie studiert, ist aber einer der versiertesten Schöpfungsverfechter der Welt: Kurt Wise.

Ken Walker

Der Paläontologe Kurt Wise erwartet nicht, dass sein aktuelles Buch mit dem Titel ”Faith, Form and Time” Skeptiker davon überzeugen wird, dass Gott die Erde während sechs Tagen vor rund 6000 Jahren schuf. Denn letztlich werde eine solche Entscheidung mit dem Herzen gefällt, nicht mit dem Verstand: ”Das ist eine Entscheidung, die ein Mensch unter dem Einfluss des Heiligen Geistes fällt. Wenn wir Welten als gebildet durch Gottes Wort verstehen, geschieht dies allein durch Glauben.”

Kurt Wise ist Vollblutwissenschaftler und Lehrer. Er ist Direktor des Center for Origins Research and Education und Professor für Naturwissenschaften am Bryan College (Dayton, Tennessee). Er promovierte in Paläontologie an der Universität in Harvard, wo er bei keinem geringeren als dem populären Evolutionsvertreter Stephen J. Gould studierte.

Die Schlüssel zu seinem neuen Buch finden sich schon in den ersten zwei Kapiteln. Darin untersucht er die biblischen Grundlagen für Gott als den Schöpfer und Erhalter des Lebens sowie Gottes Charakter.

”Weil er die Wahrheit ist und nicht beeinträchtigt durch Sünde, ist Gott der einzige Augenzeuge der Vergangenheit, der auch hundertprozentig zuverlässig ist”, schreibt Wise. Die Akzeptanz von Gottes übernatürlicher Kraft und der Glaube an ihn als den Schöpfer formen den Boden, auf dem Kurt Wise den Ursprung der Erde interpretiert.

Als Wissenschaftler könne er leicht jede erdenkbare Anzahl an Theorien erfinden, die das Alter des Universums aufgrund unterschiedlicher Weltanschauungen erklärten – vom Theismus über den Pantheismus bis eben zum Christentum.

Im Blick auf sein Buch betrachtet Kurt Wise die Ausarbeitung des biblischen Befundes über den Schöpfer und seine Schöpfung als wichtiger als jene Kapitel, in denen er Befunde bespricht, die aufgrund unterschiedlicher Datierungsmethoden problematisch sind oder in denen er Indikatoren vorstellt, welche die Idee einer jungen Erde unterstützen.

”Der Status der Schrift, der Glaube und die Natur Gottes sind entscheidend gegenüber allen Modellen”, sagt Wise. ”Wissenschaftliche Theorien und Erklärungen bauen alle auf einem bestimmten Verständnis auf. Ist dieses Verständnis falsch, fällt alles andere zusammen. Die Ansprüche der Schrift sind der Ausgangspunkt. Darauf soll unser Verständnis der Welt basieren.”

Das Ziel seines Buches sieht Wise darin, ein breites Bild des Junge-Erde-Schöpfungs-Modells vorzustellen, um anderen Kreationisten zu helfen, ihr Spezialgebiet in den Gesamtrahmen einzufügen.

Das Buch greift nicht die Evolution an, sondern arbeitet ein kreationistisches Modell heraus. Kurt Wise: ”Das Buch ist nicht apologetisch. Es beginnt mit der Behauptung, dass biblische Aussagen wahr sind und versucht, das Universum im Licht dieser Wahrheit zu erklären.” Dazu fasse es einige Ideen zusammen, die bislang noch nie in einer Ausgabe zusammengebracht worden seien. So entstand eine umfassende kreationistische Studie auf wissenschaftlichem Niveau. Eine einfacher verständliche Version ist in Vorbereitung.

Am liebsten würde der gläubige Naturwissenschaftler eine 20- bis 25-bändige Studie über den Kreationismus schreiben. Doch das hat er vorerst zurückgestellt. Er beabsichtigt, eine Anzahl von Lehrbüchern über Biologie und Geologie zu verfassen, die von jüngeren Studenten verwendet werden können.

Wise ist sich bewusst, dass er in akademischen Kreisen eine Minderheitenposition vertritt, selbst unter christlichen Wissenschaftlern. Bei der letzten amerikanischen Landeskonferenz der Geologen befanden sich unter 8000 Geologen gerade mal eine Handvoll, die an die Schöpfung glauben. Selbst auf Meetings christlicher Geologen stellt Wise fest, dass er zur Minderheit gehört.

Die Übermacht derjenigen, die Evolution an öffentlichen Schulen vertreten, bewegt ihn nicht. Viel mehr beschäftigt in die geringe Unterstützung der Schöpfungstheorie im christlichen Lager. Wise tönt resigniert: ”Ich sehe es nicht, dass das Junge-Erde-Modell zu meinen Lebzeiten in der Kirche akzeptiert werden wird. Ich habe keine Idee, wie man Gläubige davon überzeugen kann.” Menschen, die einmal Position bezogen haben, seien nicht einmal mehr durch Beweise davon abzubringen.

Wise wird häufig aufgrund seiner Ausbildung kontaktiert und eingeladen. Das stört ihn. Eine Person sollte seiner Meinung nach aufgrund ihres Charakters und ihrer Argumente beurteilt werden.

Befriedigend ist für Kurt Wise, wenn er mit Nicht-Christen über den Ursprung des Universums und des Lebens sprechen und ihnen dabei seine Sicht vorstellen kann, ohne dabei die Evolution und ihre Vertreter zu kritisieren. Christen könnten die Debatte Evolution/Schöpfung zur Seite legen, wenn sie ihr Augenmerk zuerst auf den Seelenzustand des suchenden Menschen richteten.

Wise wird konkret: ”Wenn ich mit Gott fern stehenden Menschen spreche, möchte ich mit ihnen nicht darüber diskutieren, ob wissenschaftliche Belege mit einer Flut oder mit einer jungen Erde übereinstimmen.” Es gelte dann, das allerwichtigste Thema anzusprechen, nämlich deren Zustand vor Gott und die Perspektiven in der Ewigkeit. ”Geschieht das nicht, dann wird nicht über das wichtigste Thema gesprochen.”

Übersetzung: Rolf Höneisen

Quelle: Faith, Form and Time. What the Bible teaches and Science Confirms about Creation and the Age of the Universe, Kurt P. Wise, Broadman & Holman, 2002; Baptist Press News

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