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Schweiz: Minarett-Diskussion spaltet Christen

(09. Februar 2007/rh.) – Die zur Schweizerischen Evangelischen Allianz gehörende Arbeitsgemeinschaft für Interkulturelle Zusammenarbeit wendet sich in einer öffentlichen Erklärung gegen die Bestrebungen, geplante Minarettbauten zu unterbinden. Nicht ohne Folgen.

Rolf Höneisen

Für politische Kampagnen gegen den Bau von Minaretten sollten Christen keine Energie aufwenden, schreibt die Arbeitsgemeinschaft für Interkulturelle Zusammenarbeit (AGIK): „Moscheen und Minarette sind das Abbild der Realität, und zeigen das alltägliche nebeneinander verschiedener Religionen in unserem Land.“ Über die Bedeutung der Minarette sind sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe - mehrheitlich Vertreter von christlichen Missionswerken - aber im klaren: Es ist der zu einer Moschee gehörige Turm von dem aus der islamische Gebetsruf erfolgt. Minarette gelten nach dem Lexikon von Brill zudem auch als Wacht- oder Signaltürme und auch als Siegessäulen.

Mit ihrer Erklärung will die AGIK zur Versachlichung in einer teils hitzig geführten Diskussion um den Bau von Minaretten in Langenthal, Wangen und Wil beitragen. Man sieht das Zeugnis bedroht, wenn sich Christen an politisch-juristischen Aktionen zur Unterbindung von Minarettbauten beteiligen.

In Langenthal wollen Einsprachen ein geplantes Minarett über den Gesetzesweg verhindern. Dazu gibt es politische Bestrebungen, welche die Bewilligung von Moscheen und Minaretten aus dem Baugesetz lösen und zur Abstimmung dem Volk vorlegen möchten. In diesen Initiativen arbeiten auch Christen teils an vorderster Front mit, zum Beispiel im Komitee „Stopp Minarett“. Für sie ist die AGIK-Erklärung ein Affront, wenn es in der SEA-Medienmitteilung heisst: „Christen sollten nicht gegen Minarette kämpfen“. Oder wenn das Internetportal „Livenet“ über die AGIK-Erklärung die Schlagzeile „Minarette nicht verbieten" setzt.

Für Daniel Zingg von „Stopp Minarett“ ist das Vorgehen der Allianz-Arbeitsgruppe unverständlich. Das AGIK-Papier spiele das Problem von Minaretten „auf unverantwortliche Weise herunter“. Zingg bedauert, dass die Verantwortlichen der Allianz-Arbeitsgruppe sich vorgängig nicht über die Hintergründe der in Langenthal und Wangen laufenden Diskussionen informiert habe.

Zingg, Pressesprecher des Komitees „Stopp Minarett“, ist verwundert über die „verwirrliche und über weite Strecken nichts aussagende Stellungnahme“. Das Papier verharmlose die wahren Absichten der Islamisierung unserer Gesellschaft „auf sträfliche Weise“. Sein Komitee fordere den Rückzug des Papiers. Die AGIK solle zuerst „mit Direktbetroffenen und Sachverständigen in der Frage der Islamisierung der Schweiz“ zusammenzusitzen, bevor sie solche Schritte an die Öffentlichkeit mache.

Wie missverständlich das SEA-Papier sein kann, veranschaulicht dessen sofortige Veröffentlichung im Internetportal der islamischen Gemeinschaft „Milli Görüs“ mit Sitz im deutschen Kerpen. Milli Görüs titelte: „Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Evangelischen Allianz warnt Christen vor politischen Kampagnen gegen den Bau von Minaretten“.

Das ist bristant. Nach offizieller Darstellung des Innenministeriums des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ist Milli Görüs mit rund 26500 Mitgliedern „die grösste in Deutschland vertretene islamistische Organisation“. Nach eigenen Angaben soll sie über 87000 Mitglieder und 323 Moscheen in Deutschland haben.

Zur Ideologie von Millus Görüs schreibt das Innenministerium, dass der Auftritt nach aussen im Widerspruch stehe zur weiterhin engen Verbindung zu ihrem Gründer Necmettin Erbakan, seiner Partei und damit auch zu seiner Ideologie. Erbakan wolle die herrschende politische Ordnung durch eine auf dem Islam fussende Ordnung, die er als ‚gerechte Ordnung’ bezeichnet, ersetzen. Das Innenministerium hält fest: „Diese Zielsetzung von Milli Görüs ist mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren.“

Der Minarettstreit in der Schweiz geht weiter. Jetzt droht er, die bekennenden Christen zu spalten.

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