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Der Drache fordert Anbetung

Der neue Jedi-Tempel soll Thailands Nationalstolz werden. Die pompöse Kultstätte wird vom Symbol des Drachen beherrscht.

von Daniel Gerber, Livenet

Noch ist der Prunkbau auf dem Hochplateau eine riesige Baustelle. Trotzdem ist der sechs Etagen zählende Tschedi (auch: Jedi oder Chedi) bereits seit Jahren zugänglich. Seine Fertigstellung ist im Jahr 2010 geplant.

Der Ausblick von der zweiten Etage ist atemberaubend. Der weisse Marmorboden reflektiert das Sonnenlicht. Erst beim Geländer angekommen, kann man die Augen ganz öffnen, ohne geblendet zu werden. Der Blick über die florierende Vegetation in der Kornkammer Thailands ist überwältigend. Mehrere Quadratkilometer davon gehören zur Tempelanlage.

Der Issaan, der Nordosten Thailands, ist der Ärmste der fünf Landesteile. Der Prunk des Tschedi – in einem solchen werden Reliquien von Gautama Siddhartha, besser bekannt als Buddha, aufbewahrt – will so gar nicht in diese Gegend passen.

Riesige, geschwungene Tore, vergoldete Drachen-, Schildkröten- und Fischmonumente in einer üppigen Gartenanlage und mitten drin der mehrgeschossige „Übertempel“ voller goldener, Edelstein besetzter Figuren, Kultgegenstände und Bilder. Hier teurer Marmor und aufwändige Mandalas, dort - wenige Kilometer weiter – verwahrloste Hunde unter auf Pfählen gebauten Hütten.

Mit 113 Metern Höhe und acht Fronten steht der Palast des Buddha im Zentrum des Areals. Der neue Tschedi wird doppelt so hoch und hat doppelt so vielen Fronten wie die bisher heiligste Stätte des Issaan, der „Thatphanom Shrine“. Dieser wird – obwohl er selbst zur Top Ten der heiligsten Orte Thailands gehört – weit in den Schatten gestellt.

Für die einen ist der Pra Tschedi Maha Tschai Mongkun, so der Name des neuen Tempels, jetzt schon Wallfahrtsort, für die wenigen Touristen, die sich in diese Gegen verirren, ist er ein Pflichtbesuch.

Auf den ersten Blick verzaubert der Tempel durch seine kunstvolle Ausführung. Der zweite Blick lässt fragen: Was steht hinter diesem Bauwerk? Wem dient dieser enorme Kraftakt?

Noch ist der monumentale Tempel im Nordosten Thailands ein nationaler Geheimtipp. Die Nummernschilder der klapprigen Busse, wie auch diejenigen der Luxuskarossen auf dem Parkplatz verraten, dass Thais aus allen Ecken des Landes zur neuen Kultstätte pilgern. Der Millionenbau in Thailands Niemandsland ist schon lange vor der Fertigstellung in rund sechs Jahren ein Publikumsmagnet. Dem stehenden Buddha, der goldig, überschlank und überproportional 59 Meter hoch in den Himmel der Issaan-Provinzstadt Roi Et ragt, wird vom Tschedi schon jetzt die Show gestohlen.

Seit längerem Leben Mönche in den Gebäuden rund um den Tschedi. Manche in kärglichen Klausen, andere in kitschigen «Bettelmönch-Villen». Geht es nach diesen Mönchen, wird der Pra Tschedi Maha Tschai Mongkun die gleiche Bedeutung erlangen wie der Taj Mahal (indische Grabanlage, 1648 vollendet) und die Chinesische Mauer. Eine Ansicht, welche die Regierung offenbar teilt. Bangkok hat entschieden, die neue Nord-Süd Autobahn durch dieses Gebiet zu führen. Längst hat das Wettrüsten der Imbissbuden und Kitschhändler begonnen.

Die ebenerdige Eingangsetage erinnert an den Tresorraum einer Schweizer Bank. Gold, Gold und nochmals Gold. Und in der Mitte steht nicht etwa Buddha, sondern Long Pu Sii, ein Bettelmönch ganz in Gold. Ihm in erster und der «Thai Oil Company» in zweiter Linie, ist es zu verdanken, dass der Tschedi an diesem Platz gebaut wird.

Hausieren gehen die Mönche zwar nicht mit der Geschichte, doch sie ist mittlerweile leidlich bekannt: Die Ölgesellschaft musste neue Quellen erschliessen, wusste aber nicht, wo sie die Probebohrungen ansetzen sollte. Die Antwort, so wird gesagt, habe Long Pu Sii in der Meditation empfangen. Die Manager der Firma versprachen ihm, dass der Hinweis auf Ölvorkommen lohnend sein würden. Sie stellten Geld für eine gigantische Tempelanlage in Aussicht.

Der Mönch Long Pu Sii beschwor die Geister des Wassers und er drang zur Geisterwelt durch. Ein riesiger Frosch tauchte aus dem Wasser auf und verriet dem Mönch die genauen Koordinaten für das Bohrunternehmen. Das Brisante: In der biblischen Offenbarung ist die Rede von solchen unreinen Geistern, die in Froschgestalt erscheinen und die Menschen verführen.

Die von Long Pu Sii „gesehenen“ neuen Ölquellen waren nicht etwa in der Nähe, sondern über 800 Kilometer entfernt im Süden Thailands. Die Ölfirma stiess dort tatsächlich auf ein grosses Rohöl-Vorkommen.

Während der Frosch in der Firmengeschichte nicht erwähnt wird, wurden die Finanzen für den Bau des Tempels tatsächlich freigegeben, als Gegenleistung, wohlverstanden.

Frösche und Geister aus dem Wasser? Ja, darüber gibt es Texte in der Bibel. Besteht ein Zusammenhang mit dem monumentalen Tempelbau in Nordthailand? Die im Tschedi ausgelebte Kreativität zeugt von enormer Kunstfertigkeit und handwerklichem Geschick – leider von einer schrecklichen Macht missbraucht! Nimmt man die zahlreichen Statuten und Bilder unter die Lupe, stellt man rasch fest, dass sie entweder Drachen, Schlangen, Krokodile oder finstere Gottheiten darstellen.

Dies kommt nicht von ungefähr: In der Meditation empfangen die Mönche genaue Pläne, wo, wie und was zu errichten ist. Durch Verehrung, Kult und Rituale werden diese Mächte eingeladen. Mächte, denen sich unterzuordnen, gefährlich ist.

Auffallend ist es schon, dass viele der Darstellungen im Tempel und Beschreibungen in buddhistischen Schriften in der Bibel genau beschrieben sind. Weiss die Bibel mehr? Da ist die Rede von Verkündigern, die von Gott ablenken und genau das Gegenteil predigen, nämlich Tod statt Leben. Dies geschieht im Buddhismus. Während Jesus ewiges Leben gewährt, stellt der Buddhismus den Tod vor Augen, das Erlöschen. Gott bietet «Das Sein» an („Ihr sollt leben“), der Buddhismus und die Macht dahinter jedoch bietet «nicht sein» (Das Erlöschen aller Begierde, auch der Lust nach Leben, das Nirwana).

Der im Buddhismus vielfach gepriesene Drache ist in der Bibel ein Symbol für Satan (vgl. Offb. 12,7ff): “...der grosse Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt ...“ Der Drache ist auf zahlreichen buddhistischen Skulpturen zu sehen. Auch im Tschedi steht er an verschiedenen Orten, und zwar gleich mehrere Meter hoch. Was sucht der Drache im harmonischen Garten?

Viele Mönche sagen, sie wüssten es nicht, trotz seiner Allgegenwart. In Offenbarung (13,4) ist die Rede davon, dass der Drache angebetet werden will und angebetet wird.

Bis zu diesem Punkt kann der Zusammenhang zwischen biblischer Prophetie und buddhistischem Bilderkult als „absurde Konstruktion“ verurteilt werden. Doch dass der in der Bibel beschriebene Drache übereinstimmend mit dem im Buddhismus im allgemeinen und denjenigen im Tschedi im besonderen ausgerechnet sieben Köpfe hat (vgl. Offb. 12,3) – kann das noch Zufall sein? Und was ist mit all den weiteren Passagen wie:

“Ich sah, wie aus dem Maul des Drachen, des Tieres und aus dem Maul des falschen Propheten drei böse (unreine) Geister herauskamen, die wie Frösche aussahen. Es handelte sich um Dämonen, die Aufsehen erregende Wunder vollbrachten. Sie machten sich zu den Königen der ganzen Erde auf, um sie zusammenzubringen und ‚ihre Armeen’ in den Kampf zu führen, der am grossen Tag Gottes, des allmächtigen Herrschers, stattfinden wird“.37. (Offb. 16,13 und 14, NGÜ)

“Unreine Geister“ ist eine im Neuen Testament übliche Bezeichnung für Dämonen (vgl. Matth. 12,43; Mk. 1,23; Lk. 8,29), das sind niederträchtige, mächtige, trügerische Geister. Der Ausdruck „wie Frösche“ betont deren Abscheulichkeit zusätzlich. Frösche gelten nach den alttestamentlichen Speisevorschriften als unrein (3. Mose 11, Verse 10, 11 und 41). Die persische Mythologie sah in ihnen Kreaturen, die Plagen auslösten.

Die vom Drachen ausgespieenen Dämonen werde in der Bibel als schleimige, kaltblütige und abscheuliche Wesen beschrieben. Sie finden ihr Pendant im Tschedi-Tempel: Übergross und Gold belegt stehen hier Drachen, Krokodile und eine Art Wanderprediger, aus deren Mündern Frösche kommen! Woher diese Übereinstimmung? Woher kommt diese Vorstellung? Alles empfangen von Mönchen meditativer Versenkung. Offenbart sich hier Satan direkt? Er scheint seine Anbetung schon jetzt einzufordern.

In Offenbarung 13 steht, dass sich die Menschen von einem Geist aus dem Wasser verführen lassen. Im Hebräischen steht für das „Tier“ der Begriff „Seeschlange“. Schlangenwesen sind in vielen buddhistischen Tempeln abgebildet. Ebenfalls dokumentiert und auf Bildern verewigt sind Mönche, die bei der Meditation am Wasser diese Geister hervorrufen, um von ihnen geleitet zu werden.

Einige Statuen zeigen Sonderbares. Da ist zum Beispiel die siebenköpfige Wasserschlange, die mit dem Rad des Buddhismus einen siebenarmigen Leuchter und einen Ölbaum niederdrückt (die Symbole des Judentums, der Wurzel der christlichen Gemeinde).

Der Buddhismus gilt nach aussen als friedlich und tolerant. Deshalb wird diese Religion ohne Gott sogar in Teilen der Kirche mit offenen Armen empfangen. In den Kirchen im deutschsprachigen Raum nehmen buddhistische Einflüsse zu. Die Schweizer Ordensfrau Pia Gyger beispielsweise wurde im Mai 1999 zum „Roshi“ geweiht (Zen-Meister, der befugt ist, selbst Zen-Lehrer auszubilden). Sie schlägt heute „eine Brücke zwischen Buddhismus und Christentum“.

Sanft bewegt der Wind die saftigen Zweige der Bäume in der riesigen Tempelanlage von Tschedi. Beim genauen Hinsehen ist sie, obwohl gerade erst zur Hälfte fertig, bereits am Zerfallen. Der Marmor auf den Treppen splittert ab und zuoberst in der sechsten Etage, im „Allerheiligsten“, sind die ersten Risse in der Wand zu sehen. Doch das wird bald übertüncht sein und der Kult dieser Mächte wird dort weiter wachsen.

© factum online 4. November 2004 

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