|
Ewiges Leben oder Reinkarnation?
Der Münchner Religionswissenschaftler Michael von Brück thematisiert in seinem Buch „Ewiges Leben oder Wiedergeburt?“ die Frage, ob der Tod das Ende des Lebens oder der Übergang in ein anderes Leben ist. Dabei intrepretiert er die Reinkarnation als eine Ergänzung der christlichen Lehre.
Eugen Schmid
Am 30. Dezember 2007 war Michael von Brück Gast in der Sendung «Sternstunde Philosophie» des Schweizer Fernsehens. Dabei zeigte er sich als geschickter Rhetoriker, der zuerst Unwissenheit in den Fragen über das Leben nach dem Tod suggerierte, dann aber doch eine deutliche Meinung vertrat, mit der er die unterschiedlichen Ansätze der Religionen als sich ergänzend darstellte. Als er gefragt wurde, ob es ein Leben nach dem Tod gebe, antwortete von Brück: «Wenn wir das wüssten ...» Die Menschheit suche auf diese Frage nach plausiblen Antworten, aber, so von Brück, «genau wissen wir das nicht».
Der synkretistische Ansatz von Brücks verschleiert die unüberbrückbaren Unterschiede zwischen den Religionen. Im fernöstlichen Denken gibt es keine personale Struktur. Materie und Ich-Struktur des Menschen gelten als Schein und werden in der Einheit subsumiert. Der nachfolgende Text kommentiert von Brücks Buch „Ewiges Leben oder Wiedergeburt?“
Michael von Brück stellt im Buch «Ewiges Leben oder Reinkarnation?» differenzierte Analysen des hinduistischen und buddhistischen religiösen Denkens vor. Sein Religionsvergleich fällt aber dann einseitig aus. Sein Interesse gilt vorwiegend den fernöstlichen Religionen, biblisch-christliche Inhalte sind bei ihm sehr rar. Man muss von Brück zugute halten, dass er auch christliche Positionen, wie Endgericht, Hölle und das Tausendjährige Reich, thematisiert. Doch ist merkwürdig, wie er klare biblische Positionen einfach stehen lässt und ihnen fernöstliche Denkmuster entgegensetzt. Da das kausal-lineare Denken von ihm ausgehebelt wird, gibt es keine Gegensätze mehr, die sich ausschliessen. Von Brücks Versuch der Synthese von christlichen und fernöstlichen Gedanken fällt überall dort dilettantisch aus, wo er mit Begriffen aus den fernöstlichen Religionen deren Inhalte in die Bibel hineinlesen will. Denn das Gottes-, das Welt- und auch das Menschenbild differieren so stark, dass man kaum heterogener denken kann.
Die Bibel geht von einem personalen Gott als Schöpfer aus, der mit dem Menschen in Dialog treten kann. Der Mensch ist eine eigenständige Person mit eigener Identität, der eine moralische Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen und Gott hat. Die Welt ist eine Schöpfung Gottes, durch einen einmaligen Schöpfungsakt geschaffen und keine kontinuierliche Schöpfung. Durch Sündenvergebung und Versöhnung tritt der Mensch, vermittelt durch Jesus Christus, wieder in den Kontakt mit Gott. Die Leitung durch den Heiligen Geist aufgrund von Glaube und Gebet ist die spirituelle Wirklichkeit, in der Christen leben.
Im hinduistisch-buddhistischen Denken wird nicht von einem Gott ausgegangen, sondern von Energie, die die gesamte Welt, inklusive der Lebenden, zusammenhält. Diese Energie-Welt, als höchste Form das Nirwana, in der es keine Vielheit noch Differenz gibt, sondern nur Einheit, gilt als die Wirklichkeit. Die Vielheit in der Welt ist die formative Setzung der dynamischen Energie, die notwendig, aber als isolierte Erscheinung nur Schein (maya) ist. Da die körperliche Welt keinen Eigenwert hat, ist ihr Vergehen oder Tod ein Übergang in ein Energiefeld. Je nach Beschaffenheit dieser Energie hat man karman, das die Form der Reinkarnation bestimmt. Das «Mitleiden mit allen Wesen» bringt den vereinzelten Menschen in die Einheit mit allen Wesen. In der höchsten Form ist Befreiung (mokcsa) erreicht und keine Wiedergeburt ist mehr nötig, das Nirwana ist erreicht.
Auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner will nun von Brück eine Verbindung dieser beiden Religionssysteme herstellen. Beide Denksysteme gehen von einer spirituellen Wirklichkeit aus, die zu der Welt und den Menschen in einer Beziehung steht, die für uns nicht einfach wahrnehmbar ist. In Beziehung zu dieser kann man durch Erleuchtung treten oder im christlichen Rahmen durch eine Bekehrung zu dem persönlichen Gott, indem die Sündenvergebung von Jesus Christus angenommen wird. Die Bibel sagt, dass alle Menschen von Geburt an der Erlösung bedürfen. Diese erhalten sie durch Umkehr, Busse und Glauben n Jesus Christus. Die Buddha-Natur ist hingegen in jedem Menschen präsent. Sie braucht nur zum Erwachen kommen. Und als Mittel dazu dienen die verschiedensten Meditationstechniken. In der fernöstlichen Religiosität läuft die Religionsausübung auf die Vorbereitung zum Tode hin. Sie führt durch Meditation in todesähnliche Zustände hinein, um dann im Ernstfall die subtilen Energien zu steuern und kontrollieren zu können. Die religiösen Praktiken zielen also auf den Tod hin. Ganz im Gegenteil dazu führt das christliche Leben in das Reich Gottes, in den «neuen Himmel und die neue Erde». Da Jesus Christus den Tod durch seine Auferstehung schon überwunden hat, können Menschen, die in einer persönlichen Beziehung zu Christus stehen, ebenfalls den Tod überwinden.
Bei Michael von Brücks Ansatz geht es letztlich um die Beseitigung des Sünder-Status des Menschen. «Nicht mehr der Sünder, der der Vergebung bedarf, sondern der selbstbewusste Adept auf dem Weg der spirituellen Formung war das Leitbild dieses Aufbruchs.» (262) Dieser fatale «Aufbruch» begann nach dem 1. Weltkrieg. In der Weimarer Republik drang das fernöstliche Denken in das christliche Abendland ein, das heute schon längst auf synkretistischem Kurs ist: «Freilich werden dabei indische oder chinesische Lebensmuster umgedeutet und in den pluralen Kontext moderner Religionskulturen integriert, wobei unbewusst oder bewusst zahlreiche euro päisch-christliche Sinnelemente aufgegriffen und in neuen Kontexten inter pretiert werden, während andere Zusammenhänge verblassen.» (263) Damit formuliert von Brück exakt den modernen Religionssynkretismus, der sich heute ausbreitet. So wird das Christentum sanft umgedeutet und in ein antichristliches, religiöses System verwandelt. © factum 1/2008 Lesen Sie den ausführlichen Beitrag in factum 1/2008, Seiten 44 bis 49.
|
|
 |
© FACTUM ONLINE 2011 Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit
Genehmigung der Redaktion. |
 |
|
|
|
|
|
 |
 |