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Der Preis des Geizes

Der Verbraucher kann heute Apfelsaft zum Peis von 45 Cent im Billigdiscounter bekommen. Dieser Preis kann nur mit importierten Konzentraten aus China, Polen, dem Iran oder der Türkei gemacht werden. Zwei Drittel der von Obstkellereien und Fruchtsaftherstellern verarbeiteten Konzentrate kommen aus diesen Ländern. Doch das hat seinen Preis. Der starke Anstieg dieser Importe bedroht zunehmend die ökologisch wertvollen Streuobstwiesen.

von Eugen Schmid

Der Apfelsaft aus heimischer Produktion verschwindet langsam aus den Regalen. Vor 20 Jahren wurde der Apfelsaft noch überwiegend aus Direktsaft hergestellt, d.h. aus Äpfeln von heimischen Streuobstwiesen. Doch diese Art der Herstellung ist teuer geworden. Die Saftproduktion lohnt sich betriebswirtschaftlich nicht mehr, da die Kosten der Pflege der Baumbestände zu hoch sind. Es gibt zwar in Deutschland eine Landesförderung von 100 bis 200 Euro pro Hektar, doch "das ist ein kleines Dankeschön - mehr nicht," meint Richard Bruskowski, Sprecher des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV). Allein der Stundenlohn für das Bäumeschneiden übersteigt diese Förderung um ein Mehrfaches.

Wenn Landwirte aus Altersgründen ihren Hof aufgeben, verwildern die alten Baumbestände oder sie werden gleich abgeholzt. Im Breisgau haben nun Bürger die Initiative ergriffen. Vierzig Streuobstbaumbesitzer liefern ihre Äpfel an eine Kellerei am Kaiserstuhl. Zum Preis von einem Euro wird der geschmacklich hervorragende Saft aus nicht gespritzten Äpfeln ohne Zwischenhandel in kleineren Einkaufsmärkten im nördlichen Breisgau und in den Weltläden in Freiburg i. Brsg. verkauft. Von den ehrenamtlichen Mitarbeitern wird kein materieller Gewinn angestrebt.

Seit Beginn dieses Jahres werden Streuobstwiesen im Dreiländereck zudem mit Mitteln der EU geschützt. Auf der deutschen Seite sind die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach, auf der Schweizer Seite die Kantone Basel, Aargau und Jura und in Frankreich ist der südliche Elsass beteiligt.

Streuobstwiesen sind Biotope für bis zu 2.000 Tierarten. Für Höhlenbrüter wie Specht, Wiedehopf und Wendehals, aber auch für Fledermäuse, sind die alten Bäume überlebensnotwendig. Deshalb lohnt es sich, wenn man mehr auf den Ladentisch legt. "Der Trend zu Billigapfelsaft', sagt Mayer, einer der Initiatoren, 'lässt sich nur durch den Verbraucher stoppen."

Quelle: Der Sonntag, 8. Mai 2005

© factum online 12. Juli 2005

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