Das Grab von Herodes entdeckt
(01. Juni 2007) - Das Ende einer langen Suche: Archäologen finden das Grab von König Herodes dem Grossen.
Johannes Gerloff
Seit 1972 hat Ehud Netzer das Grab des Königs gesucht. «Jetzt haben wir zweifelsfrei den Ort gefunden, an dem Herodes der Grosse beigesetzt wurde», verkündete der Professor der Hebräischen Universität Jerusalem freudestrahlend. Umlagert von Journalisten aus aller Welt erklärte er drei Wochen, nachdem er die Gewissheit hatte, sein Ziel erreicht zu haben, Einzelheiten der Suche um den geheimnisvollen Berg in der Wüste Juda, dem schon aus weiter Entfernung anzusehen ist, dass er von Menschenhänden gemacht wurde.
«Ziemlich genau vor 2011 Jahren wurde König Herodes beerdigt», erzählt Netzer, «nachdem er seine Beerdigung selbst jahrelang bis ins Detail vorbereitet hatte.» «Jetzt können wir den Weg der Beisetzungsprozession, wie ihn Josephus Flavius beschrieben hat, ganz genau nachvollziehen», ausgehend vom Winterpalast in Jericho – der heute für Israelis unzugänglich ist – über Jerusalem und Bethlehem, bis hierher zum Herodion, wo der Trauerzug über eine eigens angelegte Rampe und eine grosse Treppe bis zum Grabmal auf halber Höhe des Berges zu seinem Ziel gelangte. Die von Josephus beschriebenen königlichen Lanzenträger, die thrakischen, germanischen und gallischen Soldaten, die «den Söhnen und der grossen Schar der Verwandten» folgten, werden zu neuem Leben erweckt. In dem prunkvollen Treiben, vom Herodes-Erben Archelaus inszeniert, erwiesen also Deutsche und Franzosen – «alle in voller Kriegsrüstung» – Herodes die letzte Ehre (Jüdischer Krieg I 9,670).
Professor Netzer gehört nicht zu den Archäologen, die das Heilige Land «mit der Bibel in der Hand» durchwühlen. «Ich habe Josephus Flavius in der Hand», schmunzelt er. Der jüdisch-römische Geschichtsschreiber hat aus- führlich erklärt, dass der römische Vasallenkönig Herodes das Herodion eigens zu dem Zweck bauen liess, um sich dort begraben zu lassen. Deshalb wusste Ehud Netzer, was er suchte. In der Zwischenzeit sind die Archäologen sogar in der Lage, festzustellen, dass Herodes die Pläne für sein Grabmal im Laufe der Bauzeit geändert hatte und das eigentliche Grab dann auch entsprechend verlegen liess. Viel ist vom Grabmal dessen, der wie kein anderer Baumeister das Land Israel für Jahrtausende geprägt hat, nicht übrig geblieben.
Lesen Sie den Ganzen Artikel in factum 4/2007, Seitren 40 und 41.
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