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Meisterin des getarnten Wohnungsbaus

Eigentlich müsste sie ja “Deckelspinne” heissen, denn sie bewohnt eine senkrecht oder schräg in den Boden führende Erdröhre, die sie mit einem Deckel verschliesst und die der Umgebung so gut angepasst ist, dass man sie kaum entdeckt. Trotzdem ist die Rede von der Falltürspinne.

von Eugen Scheible

Die Jungspinnen wachsen in der Röhre der Mutter auf. Verlassen sie den Bau, sind sie kräftig genug, um sich eine eigene, ihrer Grösse angepasste Behausung zu konstruieren. Ein lediglich ins Erdreich gegrabenes Loch würde ihr Überleben allerdings nicht sichern. Feuchte Wände, Wasser, Frost und Moder brächten bald Krankheit und Tod.

Um sich gegen Umwelteinflüsse und gleichzeitig vor Feinden zu schützen, beginnt die Spinne sofort nach dem Graben eines körpergrossen Lochs mit dem Weben des schützenden Deckels. Den Aushub trägt sie weg und verteilt ihn in der Umgebung. Die rohen Innenwände der Höhle isoliert sie anschliessend mit Spinnenseide. Obschon bei geschlossenem Deckel keine Luft mehr zirkuliert, sind Moderprozesse oder eingeschleppte Bakterien keine Gefahr für das Spinnentier. Das hat seinen Grund: Die Wände sind mit einer Art Antibiotikum überzogen.

Spinnen wachsen in Schüben. Dabei häuten sie sich. Wird die Wohnhöhle eines Tages zu eng, muss die Falltürspinne, entsprechend der Anzahl ihrer Häutungen, die Höhle samt Eingangstür erweitern – das heisst insgesamt sieben Mal. Während des Häutungsvorgangs zieht sie sich ganz in die Höhle zurück und spinnt die Tür zur Sicherheit von innen zu.

Längst bevor der Mensch Schränke mit Scharnieren baute, war die Falltürspinne Inhaberin der entsprechenden Patente für Tür, Schloss und Scharnier.

(c) factum 7. April 2003

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