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Neanderthaler als Fussballer
(31. Mai 2006) Die Entdeckung des Neanderthalers vor 150 Jahren diente Charles Darwin als Zeuge für seine Evolutionstheorie. Doch das Bild vom keulenschwingenden Affenmenschen muss endgültig korrigiert werden.
Rolf Höneisen
Gerade mal 16 Knochen wurden im Jahr 1856 aus einem Steinbruch im Neandertal geborgen. Anfangs für die Knochen eines Höhlenbären gehalten, wurden sie später als Überreste eines Menschen gedeutet.
Vor dem Hintergrund der aufkommenden Evolutionstheorie entfachte diese Entdeckung eine heftige Kontroverse. Neben der Bestimmung als urtümlicher Mensch durch den Elberfelder Lehrer und Naturforscher Johann Carl Fuhlrott und den Bonner Anatomen Hermann Schaaffhausen gab es eine Reihe anderer Interpretationen. Diese reichen von einem «geistig minderbemittelten Menschen» über einen «Kelten» bis hin zu einem «Kosaken, der in der Höhle Schutz vor den Truppen Napoleons gesucht hatte». Die wissenschaftlich solideste Gegenmeinung war die des Berliner Mediziners Rudolf Virchow, der die Abweichungen des Knochenbaus vom heutigen Menschen als krankhaft diagnostizierte.
1864 erhielt der Fund aus dem Neandertal seinen wissenschaftlichen Namen: Homo neanderthalensis. Die Entdeckung des Neanderthalers prägte auch Charles Darwins Entwicklungstheorie mit. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Neanderthaler das Weltbild des 19. Jahrhunderts zutiefst erschütterte. 2006 jährt sich seineEntdeckung zum 150. Mal.
Kein archäologischer Fund in Deutschland ist weltweit so bekannt wie die Menschenfossilien des Ureuropäers aus dem Neandertal zwischen Erkrath und Mettmann. In diesem Jahr wird der Neanderthaler speziell gewürdigt. Mit einer Ausstellungsreihe, einem Kongress und einem Workshop werden die neuesten Erkenntnisse über den berühmten Urmenschen zusammengetragen und der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei wird mit dem Klischee des buckligen Keulenschwingers gründlich aufgeräumt.
Insbesondere das 1996 eröffnete Neanderthal Museum arbeitet zusammen mit Experten auf der ganzen Welt an der Korrektur des falschen Bildes. Das Museum in Mettmann zeigt vom 4. Mai bis 24. September 2006 die Ausstellung «Hautnah. Neanderthaler». Darin wird das populäre Bild des Neanderthalers revidiert. Seit fast 150 Jahren ist er uns als Affenmensch im Bewusstsein – mit gebückter Körperhaltung, behaart, nackt und mit Keule. Doch das ist ein Mythos. (...)
Lesen Sie den reich illustrierten Artikel in FACTUM 4/2006.
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