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Den Kopf im Fels

Der Schädel eines jungen Ichthyosauriers steckte senkrecht im Gestein.
Die spannende Suche nach Erklärungen.

von Rolf Höneisen

Frühling 1999. In einer stillgelegten Tongrube am Hauenstein unweit des schweizerischen Olten. Der fachkundige Blick von Christian A. Meyer, heute Direktor des Naturhistorischen Museums Basel, bleibt an einem Kalkknollen hängen. Bei näherem Betrachten wird Meyer klar: Der Kalkstein enthält Teile des Brustkorbs und der Wirbelsäule eines Ichthyosauriers, einer Fischechse aus der Urzeit.

Rund ein halbes Jahr später machte der an der Universität Basel doktorierende Paläontologe Achim Reisdorf, 37, eine Entdeckung, die sein Leben verändern sollte. Reisdorf, der für die Dissertation über liassische Sedimente in dieser Tongrube regelmässig Gesteinsschichten untersucht, war gerade am Zertrümmern und Untersuchen von Gestein, als ihm unverhofft etwas Rundes vor die Füsse rollte. Die Knolle war nichts anderes als der Kopf eines Ichthyosauriers!

Im darauf folgenden Jahr machte sich ein Team des Geologisch-Paläontologischen Instituts der Universität Basel unter Leitung von Christian A. Meyer im steil abfallenden Gelände an die Bergung des ganzen Saurierschädels. Dem harten Gestein war nur mit dem Presslufthammer beizukommen. Zudem war der Schädel aufgrund seiner besonderen Lage unmöglich als Ganzes zu bergen.

Es dauerte Monate, bis die lange Schnauze mit den bis zu 200 feinen Zähnen Millimeter um Millimeter aus dem Gestein gesägt, geschlagen, herauspräpariert war. Anschliessend wurden die Einzelteile wieder zum einem Ganzen zusammengesetzt. Dann das grosse Staunen: Der Ichthyosaurier-Schädel ist nicht zusammengedrückt worden, sondern dreidimensional erhalten – eine Rarität!

Der Schädel wurde samt Brustkorb und Wirbelteilen am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Tübingen wissenschaftlich ausgewertet. Seit Mai letzten Jahres ist der fossile Zeuge der Urzeit wieder in seiner Heimat. Der 37 Zentimeter lange Kopf mit Schnabel lädt im .36.Naturmuseum von Olten.37. zur Besichtigung.

So weit so gut, doch das Fossil ist ein Dickschädel. Es wirft Fragen auf und es stimmt auf jeden Fall, wenn das Naturmuseum Olten von einem „spektakulären Fossil“ spricht.

Am 17. Mai 2003 berichtet die „Neue Zürcher Zeitung“ über die „Fischechse vom Hauenstein“: „Der Schädel steckte senkrecht in drei geologischen Schichten, die sich altersmässig um drei Millionen Jahre unterscheiden.“ Eine Erklärung, wie das vonstatten gegangen sein soll, konnte vor Jahresfrist nicht einmal sein Entdecker Achim Reisdorf sagen. Noch waren etliche sedimentologische und paläontologische Rätsel zu lösen.

Funde wie das senkrecht eingebettete Fossil vom Hauenstein sind auch spannende Objekte für die Schöpfungsforschung. Gian-Luca Carigiet von der Organisation „ProGenesis“ schrieb in einer Pressemitteilung als Antwort auf den „NZZ“-Bericht: „Ablagerungen, die über Jahrmillionen abgesetzt werden, können keine Fossilien enthalten, denn Bakterien und Aasfresser sorgen dafür, dass die Kadaver innerhalb kurzer Zeit beseitigt werden. Fossilien von Weichteilen und Pflanzen, die in Ablagerungen vorkommen, mussten deshalb so schnell und vollständig verschüttet worden sein, dass weder Luft und Wasser noch Bakterien und Aasfresser Zutritt fanden.“ Fossilhaltige Schichten würden in einem Zeitrahmen von Tagen, Wochen oder Monaten abgesetzt. Die Ablagerung fossilhaltiger Schichten könne deshalb nicht Millionen Jahre gedauert haben.

Der Ichthyosaurier vom Hauenstein gehört zur Spezies Leptonectes tenuirostris. Noch nie war ein solches Exemplar in der Schweiz gefunden worden. Man geht davon aus, dass es sich um ein Jungtier von rund 2 Meter Länge handelte. Der fossile Schädel gehört zu den weltweit am besten erhaltenen. Anders als die meisten Fossilien, die durch Gesteinsschichten gestaucht und plattgedrückt wurden, blieb er dreidimensional ganz. Er steckte senkrecht in drei unterschiedlichen Gesteinsschichten. Soweit der erste objektive Befund. Alles weitere ist Interpretation.

In der Zwischenzeit fand eine weitere geologische Untersuchung statt und ein mögliches Einbettungsszenario wurde ausgearbeitet und veröffentlicht. Doch nicht alle Interessenskreise sind damit einverstanden. (Ausführlicher Bericht in der gedruckten Ausgabe von „factum“ 3/2004.

(c) factum 3/2004

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