Naturgesetze und Wunder
Was ist ein Naturgesetz? Was ist ein Wunder? Kein Physiker oder Chemiker ist in der Lage, ein Naturgesetz auch nur für eine Tausendstelsekunde ausser Kraft zu setzen. Wunder sind nicht von Menschen machbar. Die Bibel berichtet uns hingegen von zahlreichen Situationen, in denen sich göttliche Wunder ereigneten.
Werner Gitt
Wie können wir ein Wunder definieren? Zunächst eine vorläufige Definition:
Ein Wunder versetzt uns ins Staunen, weil es unerwartet und unberechenbar auftritt und unserer normalen Beobachtung widerspricht.
Wenn Wunder unerwartet sind, was ist dann das Erwartete? Diese Frage hilft uns, eine deutliche Trennlinie zwischen Wundern (Unerwartetes) und Nichtwundern (Erwartetes) zu ziehen. Alle Ereignisse in unserer Welt laufen innerhalb eines Rahmens von festgefügten Gesetzmässigkeiten ab. Diese nicht veränderlichen Fügungen nennen wir Naturgesetze.
Wir beobachten, dass ein Gegenstand nach unten fällt. Das kann eine Tasse, ein Kugelschreiber oder auch ein Apfel am Baum sein – sie fallen alle auf die Erde. Dieselbe Gesetzmässigkeit gilt auch für einen Turmspringer auf dem Zehnmeterbrett oder für den Absturz eines Meteoriten auf die Erde. Es spielt offenbar überhaupt keine Rolle, was das für ein Gegenstand ist, der da fällt. Ausserdem stellen wir fest, dass das Herunterfallen mit einer Geschwindigkeit geschieht, die ständig zunimmt. Ganz allgemein ausgedrückt handelt es sich hierbei um das so genannte Gravitationsgesetz. Da es von diesem Gesetz in der Naturoffenbar keine Ausnahme gibt, nennen wir es ein Naturgesetz.
Nach allem, was wir wissen, sind Naturgesetze konstant – sie sind unveränderlich seit ihrer Installation durch den Schöpfer. Sie geben einerseits einen weiten Freiraum für Wirksamkeiten und Abläufe in unserer Welt und erlauben die vielfältigsten technischen Erfindungen und Verfahren, aber andererseits schliessen sie viele nur in unserer Vorstellung erdachte Vorgänge als nicht realisierbar aus.
Besonders in den Naturwissenschaften Physik und Chemie wird versucht, diese ständig gegenwärtigen, überall wirksamen Gesetze durch Beobachtung und Experimente herauszufinden und sie dann mathematisch oder verbal in allgemeiner Form auszudrücken. Während die Naturgesetze für materielle Grössen (z. B. Energie, Elektrizität) in den meisten Fällen auch mathematisch formulierbar sind, gelingt dies bei den nicht materiellen Grössen (z. B. Information, Bewusstsein, Wille) (noch) nicht.
Der Schöpfer hat nicht nur diese Welt und das ganze Universum geschaffen; er hat auch die Naturgesetze installiert, die all seinen Werken innewohnen und darum ständig und überall wirksam sind.
Nur dadurch, dass wir die Naturgesetze kennen und sie präzise formulieren können, gelingt es uns, die Tragfähigkeit einer Brücke oder den Energieverbrauch einer Rakete, die zum Mond fliegen soll, im Voraus zu berechnen. Kurz gefasst können wir sagen: Technik ist geniale Anwendung der Naturgesetze.
Am 27. April 2005 hob das bisher grösste Passagierflugzeug der Welt, der Airbus A380, in Toulouse (Frankreich) ab. Dieser Gigant ist 73 Meter lang, 24 Meter hoch und über 79 Meter breit. Der Jet bietet bis zu 850 Passagieren Platz und löst damit die amerikanische Boeing 747 als bisher grösstes Passagierflugzeug ab. Die Entwicklungskosten betrugen 10,7 Milliarden Euro. Rund 30 Sekunden beschleunigte der Vierstrahler auf der 3500 Meter langen Startbahn. Nach 1800 Metern Startstrecke hob der 421 Tonnen schwere Jet zu seinem Jungfernflug ab. Der Entwicklungsleiter versicherte selbstsicher gegenüber der Presse: «Dass der Jet fliegen kann, ist selbstverständlich.» Warum ist es so sicher, dass ein Gigant mit solch einem Gewicht fliegen kann, obwohl es noch nie ausprobiert worden war? Antwort: Der Schöpfer garantiert allezeit die Einhaltung seiner Naturgesetze. Konstruiert man etwas Neuartiges und berücksichtigt alle infrage kommenden Naturgesetze, dann kann man gewiss sein, dass es nach den Vorausberechnungen auch funktioniert.
Wir beobachten in der uns umgebenden Wirklichkeit zahlreiche staunenswerte Vorgänge. Besonders im Bereich des Lebens fehlt uns das Verständnis für die genaue Funktionsweise der vielen komplexen Details.
Photosynthese: Alle Nahrung, die wir aufnehmen, ist direkt oder indirekt durch einen äusserst genialen Prozess gelaufen, bei dem das Licht der Sonne in chemische Energieträger umgewandelt wird. Niemand kann bisher diesen Prozess der Photosynthese hinreichend erklären oder ihn gar nachbauen, dennoch funktioniert er z. B. in jeder winzigen Zelle eines Grashalms. Menschliches Gehirn: Das menschliche Gehirn hat in seiner Grosshirnrinde 100 Milliarden Schaltelemente (Neuronen), die untereinander mit Tausenden von (synaptischen) Verknüpfungen verbunden sind. Von der Komplexität dieses etwa 1,5 kg schweren Organs können wir uns schnell einen Eindruck verschaffen, aber die Arbeitsweise dieser genialen Konstruktion ist uns dennoch weitgehend unbekannt. Würde man einmal alle Verbindungen von Nervenzelle zu Nervenzelle in einem Buch notieren, dann brauchte man schon 40 Druckseiten für jedes einzelne Neuron. Eine Rechnung kann uns ins Staunen versetzen: Wie viele Bücher zu je 400 Seiten wären erforderlich, um nur einmal alle «Kabelverbindungen» des Gehirns aufzuschreiben? Da kommt man auf 10 Milliarden Bände. Die Kongressbibliothek in Washington ist eine der grössten Bibliotheken der Welt. Sie umfasst 20 Millionen Bände. Nur für die Aufzeichnung der Kabel unseres Gehirns brauchten wir eine Büchersammlung, die noch 500-mal grösser ist als diese immense Bibliothek! Menschliches Herz: Wie kommt es, dass das menschliche Herz 70 oder 80 Jahre lang ununterbrochen schlagen kann, wo doch alle unsere technischen Geräte eine dazu vergleichsweise geringe Funktionsdauer aufweisen? Dabei ist noch zu bedenken, dass unser Herz 100 000-mal an einem Tag schlägt. In 70 Jahren sind das 2,5 Milliarden Schläge. Dabei hätte es einen New Yorker Wolkenkratzer komplett mit Blut füllen können. In einem dicht verzweigten Netz von 2500 Kilometern – das ist immerhin die Strecke von Paris bis Moskau – strömt das Blut durch unseren Körper.
Alle diese bewundernswerten und für den Menschen unnachahmlichen Konstruktionen sind reale Systeme in unserer Welt. Wir bezeichnen sie oft als Wunderwerke. Es gilt jedoch festzuhalten, dass alle diese Strukturen dennoch unter den strengen Rahmenbedingungen der Naturgesetze ablaufen.
Würde man eine detaillierte Energiebilanz in der lebenden Zelle durchführen, in der Tausende von gekoppelten Prozessen ablaufen, so käme dabei heraus, dass nirgendwo der Energiesatz verletzt wird. Bei allen technischen Vorgängen und Geräten wie auch bei allen biologischen Prozessen in den Lebewesen wird nirgendwo und nie irgendeines der Naturgesetze verletzt.
Nach allem, was wir wissen, sind diese Naturgesetze auch in den Weiten des Universums gültig. Naturgesetze kennen offenbar keine Ausnahme. Wenn wir hier ausgiebig die Frage der biblischen Wunder diskutieren, dann müssen wir zunächst eine klare und treffsichere Abgrenzung finden, die es uns erlaubt, biblische Wunder von anderen wunderbaren Dingen in unserer Schöpfung zu unterscheiden. Das gelingt mit Hilfe der Beschreibung von Naturgesetzen. Auch alle staunenswerten Systeme, die wir in so ungeheuer grosser Zahl in den Lebewesen entdecken, laufen vollständig im Rahmen der Naturgesetze ab. Bei den biblischen Wundern hingegen handelt es sich um Vorgänge, bei denen ganz offensichtlich Naturgesetze ausser Kraft gesetzt wurden. So haben wir nun einen geeigneten Massstab, um wunderbare Strukturen und Vorgänge von biblischen Wundern zu unterscheiden.
Genauso wie diese Welt nicht von alleine entstanden ist, so sind es auch die Naturgesetze nicht. Alles hat seine Ursache in der Schöpfung, die Gott durch seinen Werkmeister (Spr. 8,30), den Herrn Jesus Christus, hat ausführen lassen. In Kolosser 1,16 lesen wir: «Denn in ihm (= Jesus Christus) ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare … es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.» So ist die Schöpfung selbst ein Ereignis, das nicht mit Hilfe der Naturgesetze abgelaufen ist. Hier hat der Schöpfer aufgrund seiner Vollmacht, seines Wortes, seiner Kraft und seiner Weisheit alles gestaltet. Dazu brauchte er keine Naturgesetze.
Die Naturgesetze sind somit nicht die Ursache, sondern erst das Ergebnis der Schöpfung. Vertreter der Evolutionsanschauung versuchen dagegen, die Entstehung der Welt und allen Lebens mit Hilfe der Naturgesetze zu erklären. Etwas, was nach meiner Auffassung niemals möglich sein wird. Es existiert jemand, der für die Einhaltung der Naturgesetze sorgt. Von ihm lesen wir in Kolosser 1,17: «Denn es besteht alles in ihm.» Dieser Erhalter der Welt ist auch derjenige, durch den alle Dinge geschaffen sind: «Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, … es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen» (Kol. 1,16). Dieser Eine, welcher der Schöpfer aller Dinge ist, ist auch ihr Erhalter; es ist Jesus Christus! Wir können es auch so sagen: Jesus hat die Oberhoheit über alle Dinge vom Mikrokosmos bis zum Makrokosmos. In einem Kirchenlied heisst es treffend von ihm: «Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig.» Nach vollendeter Schöpfung sind alle Naturgesetze «in Betrieb», so dass nun alle Vorgänge danach ablaufen. Jesus ist der Garant dafür, dass sie immer und überall eingehalten werden. Dazu braucht er weder Computer noch sonstige Hilfsmittel. Sein Vollmachtswort genügt, dass alles eingehalten wird. Im Hebräerbrief, Kapitel 1,3, heisst es darum von ihm: «Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.»
Im wissenschaftlichen Befund drückt sich dieses Erhaltungshandeln Jesu durch die Naturgesetze aus. In ihrer Gesamtheit bilden sie einen festgefügten Rahmen, innerhalb dessen alle Vorgänge in dieser Welt ablaufen. Wo aber ist da noch Platz für Wunder? Aus dem bisher Gesagten ist deutlich geworden, dass die Naturgesetze einen erfahrungsgemäss gleich bleibenden Rahmen bilden, innerhalb dessen alle Vorgänge, Geschehnisse und Prozesse ablaufen. Normalerweise sind immer mehrere Naturgesetze an einem Ablauf beteiligt.
In der Praxis haben die Naturgesetze die Wirkung eines «Obersten Gerichtshofes», der entscheidet, ob ein Vorgang in unserer Welt erlaubt ist oder nicht. So verbietet es ein Naturgesetz zum Beispiel, dass ein Kupferstab von 50° C von alleine seine Wärme so austeilt, dass die Temperatur der einen Hälfte 0° C und die der anderen 100° C beträgt. Das würde zwar nicht den Energiesatz verletzen, wohl aber ein anderes Naturgesetz, den Entropiesatz. Gemessen an unserer obigen Definition für Wunder sind viele in der Schöpfung ablaufende Vorgänge staunenswert und für den Menschen unnachahmlich. Sie treten für uns aber nicht unerwartet oder unberechenbar auf. Darum zählen wir auch die komplexesten und noch unverstandenen Dinge in unserer Welt nicht zu den Wundern.
Nach diesen Überlegungen können wir nun eine präzisere Definition für Wunder geben:
Wunder sind solche Ereignisse in Raum und Zeit, die ausserhalb des Rahmens unserer Naturgesetze ablaufen.
Kein Physiker oder Chemiker ist in der Lage, irgendein Naturgesetz auch nur für eine Tausendstelsekunde ausser Kraft zu setzen. Wir Menschen können nichts tun, um Naturgesetze zu umgehen. Wunder sind damit von Menschen nicht machbar. Die Bibel berichtet uns von zahlreichen Situationen, in denen Gott oder Jesus Wunder gewirkt haben, wie z. B.:
- der Durchzug des Volkes Israel durchs Rote Meer (2. Mose 14,16–22) - der lange Tag bei Josua (Jos. 10,12–14) - die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana (Joh. 2,1–12) - die Stillung des Sturmes (Mark. 4,35–41) - Jesus wandelt auf dem Wasser (Joh. 6,16–21) - die Heilung des Blindgeborenen (Joh. 9,1–7) - die Speisung der 5000 (Joh. 6,1–15) - die Auferweckung des Lazarus (Joh. 11,32–45)
Ein Hinweis: Wenn Menschen gelegentlich dennoch Dinge tun können, die ausserhalb des naturgesetzlichen Rahmens liegen, dann handeln sie im Namen anderer Mächte. Entweder sind es Jünger Jesu, die von ihrem Herrn bevollmächtigt sind (z. B. Petrus geht auf dem Wasser [Matth. 14,29], Petrus heilt im Namen Jesu den Lahmen vor der Tempeltür [Apg. 3,1–9]), oder aber es sind Zauberer und Gurus, die durch dämonische Mächte gesteuert werden (z. B. die Zauberer des ägyptischen Pharaos [2. Mose 7,11–12]).
Die Auferstehung Jesu von den Toten Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten wird von allen vier Evangelisten berichtet (Matth. 28,1–10; Mark. 16,1–6; Luk. 24,1–12; Joh. 20,1–10). Auf keine andere Aussage des Neuen Testaments wird so häufig Bezug genommen wie auf sie (150-mal). Es war das krönende Wunder während seines irdischen Aufenthaltes. Hier der Text aus dem Lukasevangelium: 1. Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie (einige Frauen) zum Grab und trugen bei sich wohlriechende Öle, die sie bereitet hatten. 2. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab 3. und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. 4. Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. 5. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6. Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 7. Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. 8. Und sie gedachten an seine Worte. 9. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den anderen allen. 10. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die anderen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. 11. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. 12. Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.
Wohl kaum eine andere Aussage der Bibel ist so häufig attackiert oder angezweifelt worden wie die leibhaftige Auferstehung des gekreuzigten Christus. Einer Umfrage zufolge glauben nur noch 17 Prozent der evangelischen Pfarrer in Deutschland an die Auferstehung. Während einer Veranstaltung der katholischen Erwachsenenbildung hörte ich einen Priester lamentieren: «Zu Ostern komme ich in einen Predigtnotstand.» Fällt einem Pfarrer zu diesem Kernpunkt biblischer Lehre wirklich nichts ein? Was bleibt denn auch noch zu predigen übrig, wenn die Auferstehung Jesu, die grundlegende Voraussetzung unseres Heils, nicht mehr bezeugt werden kann?
In der Zeit der Aufklärung erhob man den Verstand des Menschen zum Mass aller Dinge. Damit verbunden war ein radikaler Angriff auf die Bibel, denn alles, was dem Verstand nicht begreifbar erschien, wurde kurzerhand verworfen. Dieser «Entrümpelung» fielen nicht nur die Heilungswunder und sonstigen Taten Jesu zum Opfer, sondern erst recht seine Auferstehung von den Toten, seine Himmelfahrt und seine Wiederkunft. Machen wir unser Verstehen zum Massstab, dann müssten wir in gleicher Konsequenz auch die Photosynthese und das menschliche Gehirn als nicht real verwerfen, denn beide sind nahezu vollständig unverstanden, und nachbauen kann man beides nicht. Was aber Gott tut, wird immer unsere Gedanken sprengen (Jes. 55,8–9) – seien es die biblisch bezeugten Taten oder die genialen Gedanken in den Werken der Schöpfung.
Die dramatische Tatsache der Auferstehung veränderte den Lauf der Geschichte. Kritiker, welche die Auferstehung leugnen wollen, stehen in einem Zugzwang, sieben historische Fakten wegerklären zu müssen: 1. Die gefürchtete Macht Roms wurde durch das Brechen des römischen Siegels missachtet. 2. Sowohl Juden als auch Römer gaben zu, dass das Grab leer war. 3. Ein Zwei-Tonnen-Stein wurde irgendwie vom Grab fortbewegt, während eine römische Wacheinheit auf Posten stand. 4. Eine hoch disziplinierte römische Militärwache floh von ihrem Posten und musste von den Behörden bestochen werden, um eine Lüge als Wahrheit zu verbreiten. 5. Die unveränderten Grabtücher enthielten keinen Leib mehr. 6. Christus erschien anschliessend mehr als 500 Zeugen in verschiedenen Situationen. 7. Wegen der niedrigen jüdischen Meinung von der Zuverlässigkeit von Frauen hätten die Erfinder einer Auferstehungslegende sie niemals als erste Zeuginnen des Geschehens gewählt. Der Existenzphilosoph Martin Heidegger (1889–1976), der nicht vom Glauben her argumentierte, stellte dennoch richtig fest: «Ist Jesus von Nazareth von den Toten auferstanden, dann ist jede naturwissenschaftliche Erkenntnis vorletztlich.» Alle unsere Naturwissenschaft kann darum nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Darum scheitert auch jeder Versuch, die Auferstehung Jesu physikalisch, biologisch, medizinisch oder sonst wie wissenschaftlich erklären zu wollen.
Wir leben in einer dreidimensional begrenzten Welt, die ausserdem einer linear ablaufenden Zeit unterworfen ist. Bei Gott aber gilt das keineswegs: «Er wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann» (1. Tim. 6,16), d. h. er lebt in höheren Dimensionen, die zwar unsere Welt durchdringen, aber nicht umgekehrt. Nach dem Tod ist Jesus mit einem Leib auferstanden, der unsere einengenden Grenzen nicht mehr kennt und darum nicht mehr an die drei Dimensionen gebunden ist. Verschlossene Türen waren für ihn kein Hindernis (Joh. 20,19) und er konnte nach Belieben in unserer Dimension erscheinen und wieder in die göttliche hinüberwechseln: «Danach ist er (Jesus) gesehen worden von mehr als 500 Brüdern auf einmal » (1. Kor. 15,6). Im griechischen Grundtext ist das Geschehnis noch genauer ausgedrückt: «Er ist sichtbar (= für unsere Dimension) gemacht worden.» So gilt es, in Klarheit und Gewissheit zu predigen, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist und damit den endgültigen Sieg über Tod und Teufel errungen hat und dass dies das einzige Unterpfand unserer Errettung ist: «Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren» (1. Kor. 15,17–18).
Der folgende Vers geht in seiner Schlussfolgerung noch weiter und betont: Wenn jemand nur deswegen an Christus glaubt, um irdischen Schutz und Beistand zu haben, dann ist er wegen seiner Erdversessenheit nur als bemitleidenswerte und jämmerliche Kreatur zu bezeichnen: «Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen» (1. Kor. 15,19).
Diese Texte weisen auf die zentrale Bedeutung der Auferstehung Jesu hin. Alles andere, was durch Jesus und die Apostel gesagt wurde, ist im Vergleich zu der Bedeutung der Auferstehung nur zweitrangig. Wenn die Auferstehung kein reales Ereignis war, dann ist das Christentum eine genauso falsche Religion wie alle anderen auch. Wenn sie aber wirklich stattfand, dann ist Jesus Gott und die biblische Botschaft absolute Wahrheit. Alle Religionsgründer (z. B. Buddha, Mohammed, Konfuzius) sind gestorben. Nur ein einziges Grab der Weltgeschichte ist leer, denn nur Jesus ist wahrhaftig auferstanden. So ist das grösste aller Wunder seit der Schöpfung die glorreiche Auferstehung Jesu. Damit hat Jesus gezeigt, dass er Gott ist und dass der Vater sein Opfer für die Sühnung der Sünde angenommen hat. Wer die Auferstehung aufgibt, der hat alles verschleudert. Die Auferstehung ist ein gemeinsames Werk des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes:
- «Gottes Kraft hat ihn (Jesus) auferweckt von den Toten» (Kol. 2,12). - «Ich lasse mein Leben, dass ich’s wieder nehme» (Joh. 10,17). - «Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt» (Röm. 8,11).
Kann es sein, dass unser wissenschaftlicher Kenntnisstand (noch) nicht ausreicht, um Wunder zu erklären? Dieser Gedanke kann naturwissenschaftlich nicht strikt verneint werden. Er fusst jedoch auf einer Vorstellung über Gottes Wirken, die nicht dem biblischen Zeugnis seines Handelns entspricht. Die Bibel bezeugt Gottes ständige Wirksamkeit in zweifacher Weise:
- Er wirkt in gewöhnlichen, regelhaften Geschehnissen, die durch Naturgesetze beschrieben werden können. - Er handelt in einmaligen, besonderen, nicht wiederholbaren Ereignissen, die einer naturwissenschaftlichen Untersuchung gar nicht zugänglich und auch nicht naturgesetzlich erfassbar sind.
Würde Gottes Handeln nur in den aussergewöhnlichen Ereignissen gesehen werden, so machte man ihn zum Lückenbüsser unverstandener Phänomene. Das hätte zur Folge, dass mit zunehmender Erkenntnis sein Wirkungsbereich immer mehr eingeschränkt werden würde. Weil Gott aber der Schöpfer aller Dinge ist, ist er erhaben über unseren derzeitigen Wissens- und Erkenntnisstand, und sowohl die von uns verstandenen als auch die unverstandenen (durch die Wissenschaft bisher nicht erklärbaren) Phänomene kommen von ihm.
Gottes Handeln kann im Rahmen der Naturgesetze geschehen (Fall a), aber auch ausserhalb dieser Gesetze ablaufen (Fall b). In Jakobus 5,17–18 wird von Elia berichtet, dass sein Gebet dreieinhalb Jahre lang den Regen verhinderte und nach einem weiteren Gebet der Regen prompt einsetzte. Natürlich hat Gott hier gehandelt. Es geschah sein Wille, dennoch würde ein Meteorologe hier aus seiner Sicht kein Naturgesetz als verletzt ansehen.
© Auszug aus: Werner Gitt: Wunder und Wunderbares, Bielefeld, 2005
Der ganze Artikel „Naturgesetze und Wunder“ erschien in FACTUM 2/2006.
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