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Defizit der Glaubwürdigkeit
Watergate war ein nationaler Skandal. «Climategate» zeigt: Das wissenschaftliche Fundament der global einflussreichen Politik des Weltklimarates ist kritik- und fragwürdig.
Thomas Lachenmaier
Eine Mehrheit der Bürger ist der Meinung, die These einer von Menschen verursachten Klimaerwärmung sei unter Experten unstrittig. Das ist ein Irrtum. Eine viel zu wenig beachtete Studie, für die alle deutschen hauptberuflich tätigen Klimawissenschaftler mit Titel eines Professors befragt wurden, belegt das Gegenteil*. Gerade einmal ein Drittel der Klimatologen ist vom Klimawandel überzeugt.
Zwei Drittel stehen der gängigen These ablehnend oder skeptisch gegenüber. Sie gilt ihnen als Behauptung mit unglaubwürdiger methodisch-wissenschaftlicher Fundierung. Dass ein britisches Gericht den Glauben an den Klimawandel als eine Art «religiöse Überzeugung» wertet, aus der sich entsprechende religiöse Freiheitsrechte ableiten lassen, wird diese Wissenschaftler nicht verwundern.
In den Medien finden diese Fachleute aber dennoch kaum Gehör. Sie kümmern sich ohnehin mehr um ihre Arbeit. Und das ist die Wissenschaft und nicht die Vorhersage der Zukunft.
Das Ergebnis dieser Studie verweist darauf, dass die Vorhersagen über die Entwicklung des Klimas auf Modellrechnungen beruht, nicht auf physikalischen, reproduzierbaren Erkenntnissen. Auch die These, wonach einem CO2-Anstieg eine Erwärmung des Klimas folgt, konnte bislang physikalisch nicht bestätigt werden.
Längst hat der vermeintliche Konsens der Wissenschaftler einer globalen politischen Meinungsführerschaft den Weg geebnet, derzufolge keine Kosten und kein Aufwand gescheut werden dürfen, um die Welt zu retten. In Kreisen einer gewissen Bildungselite, zu der bemerkenswert viele Christen zählen, wird zunehmend ein nüchterner Blick auf so komplexe Zusammenhänge wie das Klima praktiziert und gefordert. Dass der Mensch zu einem sorgsamen Umgang mit der Schöpfung berufen ist, steht für Christen ohnehin ausser Frage. Wer mit den Psalmen die wunderbare Schönheit und Komplexität der Schöpfung preist, wird sie nicht belasten und zerstören, sondern sorgsam nutzen und hegen wollen.
Ende November wurde bekannt, dass von der britischen Climate Research Unit (CRU), dem wichtigsten Daten- und Theorienlieferanten des Weltklimarates (IPCC), im grossen Stil Datensätze verändert wurden, um Trends zur Abkühlung zu verdecken. Kritische Wissenschaftler sollten aus der Meinungsfindung entfernt werden, es wurde über die Abwehr unliebsamer Forschungsergebnisse diskutiert. Intern beklagten sich die führenden Vertreter der Klimaerwärmungsthese und der entsprechenden politischen Forderungen darüber, dass die Erderwärmung seit zehn Jahren nicht fortschreitet. Und sie debattieren darüber, wie sie wider besseren Wissens diese Behauptung in der Öffentlichkeit dennoch stützen können. Der Leiter der CRU, Phil Jones, der einer der bedeutendsten Klima-Gurus ist, schrieb in einer Mail an seine Kollegen, er habe gerade «einen Trick» von Michael Mann angewandt, um einen sinkenden Temperaturverlauf der Erde in den Statistiken «zu verstecken».
Von Michael Mann, ebenfalls ein einflussreicher Klimaforscher, stammt die gefälschte «Hockeyschläger-Kurve» in der Temperaturstatistik der vergangenen 1000 Jahre, mit der ein dramatischer Anstieg der Temperatur der Erde suggeriert werden sollte. Die Kurve zeigt einen ruhigen Verlauf, bis sie im 20. Jahrhundert plötzlich steil nach oben geht, «wie ein Hockeyschläger». Seitdem die Fälschung der Hockeyschläger-Kurve durchgesickert ist, verzichtet der Weltklimarat darauf, mit ihr für seine These zu werben. Man weigerte sich, die Rohdaten von Michael Manns dramatischen Klimakurven zu veröffentlichen – was in der Welt der Wissenschaft eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Fachleute waren immer darüber empört, dass die IPCC-Wissenschaftler ihre Datensätze nicht öffentlich machten, auf denen ihre gewagten Prophezeiungen basieren. Nachdem klar war, dass die Datenherausgabe durch die Berufung auf die «Freedom of Information Legislation» erzwungen wird, vernichteten die Wissenschafter der CRU im November diese Daten. Dazu gehören die originalen Temperaturaufzeichnungen, auf denen ihre Berechnungen der Erdtemperatur der letzten 150 Jahre beruhen. Anderen Wissenschaftlern ist es somit nicht mehr möglich, die Berechnungen, auf denen die Temperatur-Prognosen des IPCC beruhen, zu überprüfen oder zu replizieren. Kurz nach der Datenvernichtung trat CRU-Chef Phil Jones zurück. Zuvor hatte er seine Kollegen noch angewiesen, Enttarnendes aus den Computern zu löschen.
Bei Watergate ging es nur um den Einbruch in das Wahlkampfbüro der gegnerischen Partei, eine Sache von nationaler Relevanz. Bei «Climategate» geht es darum, dass wissenschaftliche Theorien, die zumindest kritikwürdig sind, zum Glaubensparadigma und zur Handlungsvorgabe der globalen Politik gemacht wurden. Es ist wert, darüber nachzudenken, welches Welt- und Menschenbild diesem Klimaparadigma zugrunde liegt.
Dem globalen Skandal wird wahrscheinlich keine globale Empörung folgen. Anders als in deutschsprachigen Zeitungen, in denen Climategate nur zögerlich Beachtung findet, wird die Affäre in den grossen Blättern der USA und Kanada immerhin mit einiger Offenheit diskutiert. Einer der Gründe mag sein, dass die gesamte europäische politische Klasse und auch die Medien auf den Klimazug aufgesprungen sind – während es in Amerika immer auch unabhängige kritische Stimmen gab. Jeder Bericht über diesen ungeheuerlichen Skandal käme auch einem Eingeständnis der Medien über eigene Versäumnisse gleich. Aber: Es mag auch politische Gründe geben.
In einer Analyse der Politik des Weltklimarates hat der frühere Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, einmal dargelegt, dass die Klimaschutzziele heikle politische Auswirkungen haben. In einem Artikel für die «Neue Zürcher Zeitung» mit dem Titel «Europa auf dem Weg zur Klima-Weltmacht» begründete er, inwiefern Europa nur über das Vehikel Klimapolitik zu einem weltweit durchsetzungsfähigen Akteur werden könne.
Die europäischen Politiker sind sich einig in dem Ziel, das unipolare globale Kräfteverhältnis unter amerikanischer Dominanz zu brechen. Mit der Klimapolitik und der aberwitzigen und milliardenschweren Einführung eines CO2-Handels wird Europa zum ersten Mal zu einem mächtigen, globalen Vorreiter. Luhmann in der NZZ: «Eine Weltmacht zeichnet zweierlei aus: Sie expandiert und sie setzt Regeln im internationalen Wettbewerb. Der ab 2012 geltende Emissionshandel in der EU trägt solche hegemonialen Züge.»
* Der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Mathias Kepplinger machte mit seiner Kollegin Senja Post eine Studie, in der er die Meinung der 239 deutschen professoralen Klimawissenschaftler ermittelte, vgl. factum 5/2008. Die Studie erschien 2008 im Verlag Reinhard Fischer als Band 51 in der Reihe Medien Skripten: Senja Post: «Klimakatastrophe oder Katastrophenklima? Die Berichterstattung über den Klimawandel aus Sicht der Klimaforscher».
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